Eines gleich vorweg: Ich bin Weinlaie. Das heißt, ich trinke gerne Wein, vornehmlich guten. Auch gerne deutschen. Keine andere Weinbaunation kann ein solches Spektrum verschiedener Stile vorweisen. Von der pappsüßen Massenplörre, die die Bezeichnung „Wein" auf dem Etikett dringend braucht, um sich irgendwie von Limonade zu unterscheiden, über einen soliden Mittelbau mit Weinen für jeden Tag bis hin zu den großen Gewächsen (Verzeihung: „Grossen Gewächsen"). Deutschland hat all das. Und Deutschland hat die Spätlese. Eben jenes Produkt, um das es hier am Schiff und anderswo in den letzten Wochen heftige Auseinandersetzungen gab. Einziger Konsens scheint dabei zu sein, dass die Spätlese erhaltenswert ist. So weit so gut. Wie man dazu am besten zu verfahren habe, darüber ist man sich weithin uneinig.
Was die Diskussion auszeichnet, ist, wie so oft, dass sie deutscher nicht sein könnte. Anstatt sich auf das große Ganze zu konzentrieren, wird an Symptomen herumgedoktert, werden Systeme durch Subsysteme verwässert und Parallelsysteme ohne jeden Mehrwert etabliert. All das natürlich, um dem Konsumenten das Käuferleben zu erleichtern. Ein Unterfangen, das mir in Anbetracht der Unmengen an Reserven, Goldkapseln, langen Goldkapseln, Sternchen, Hütchen, Schnickschnack und Pipapo reichlich hoffnungslos erscheint. Hier mein einfacher Vorschlag, wie man das deutsche Klassifikationswirrwarr verschlanken und ganz nebenbei die Spätlese retten kann.
Erste Baustelle: Prädikate. Vielfach verteufelt, oft missverstanden und dabei eigentlich in seinen Grundzügen verblüffend einfach. Für den Laien sind sie ganz ohne Zahlen als Indikator des Zuckergehalts im Lesegut und damit als Anzeiger der Reife zu verstehen. Das wird in Deutschland seltsamerweise in dieser Klarheit nicht gerne vermittelt. Im Ausland ist man da gottlob rigoroser. Mit großem Erfolg. Nicht nur in den USA weiß der Weinfreund, dass der klassische restsüße Prädikatswein aus Deutschland vom Kabinett bis zur Trockenbeerenauslese immer süßer wird. Hierzulande druckst man da lieber rum und rettet sich in Aussagen wie „Auslesen sind die höheren Qualitäten" - an sich schon ein leidlich streitbares Diktum. Warum nicht hier den ersten Schritt machen und vereinfachen? Restsüße Weine werden mit steigendem Prädikat immer süßer.
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Kapseln, Sterne, Lage: Bitte etwas einheitlicher. 





Prädikate bei trockenen Weinen gibt es, sie entsprechen dem gültigen Gesetz, sollen aber laut VDP und vielen anderen abgeschafft werden.
Eigentlich versteh ich bei dieser Diskussion die Not nicht. Man stelle sich analoge Regeln bei Musik oder Kino oder Büchern vor.