26.07.12 WEINE 17 Einem Freund senden

Deutsche Lagen: Petting mit Pettenthal

Ze Young Guntrum witz one of hiz Bottles...Ze Young Guntrum witz one of hiz Bottles...

Rheinhessen - unendliche Weiten. Das Star Trek der deutschen Weinbaugebiete. Ich muss sagen, ich finde nicht vieles reizvoll, was aus Rheinhessens Weinbergen kommt. Raunzvoll ja, reizvoll nein. Einige Weine allerdings haben Qualität, wie selten was in Deutschland; Qualität, die den deutschen Weinbau extrem vorangebracht hat. Und diese Weine kommen aus bekannten, großartigen und lange unterschätzten Lagen.

Der rote Hang ist so eine Ansammlung großartiger Lagen. Und eine dieser Lagen ist für mich Garant exzellenter Weine: die Lage Niersteiner Pettenthal. Ihr Boden aus rotem Ton und Sand, kurz „Rotliegender" genannt, sorgt dafür, dass die Reben besonders tief wurzeln und extrem mineralische und saftige Weine mit eleganter Struktur und milder Säure hervorbringen. Und um zu beweisen, dass das alles mehr ist, als blödes Marketing-Geschwätz, habe ich auf das Schiff diesmal ausschließlich Rieslinge aus der Lage Pettenthal mitgenommen. Diesmal aus meinem eigenen Keller.

Die ersten beide sind zwei trockene Kabinettweine. Trockene Kabinettweine? Ja richtig, hier pfeift schon wieder ein Winzer auf die VDP-Ordnung aus Gutswein, Ortswein und und Lagenwein. Auf dem Tisch stehen zwei Flaschen Nierstein Pettenthal Kabinett von Konstantin Guntrum (Weingut Louis Guntrum). Einmal aus 2010. Und einmal aus 2011. Wie schlägt sich ein und dieselbe Lage in zwei so vollkommen gegensätzlichen Jahrgängen?

Rheinhessen ist nicht Rheingau

Der Winzer Guntrum bedarf eigentlich keiner Einführung mehr, er keltert seit Jahren trockene Riesling-Spätlesen aus den Lagen „Oppenheimer Sackträger" und „Niersteiner Ölberg". Guntrum unterstützt die Klassifizierungen Ortswein - Gutswein - Erste Lage, glaubt aber, man sei in Rheinhessen noch nicht so weit wie im Rheingau, wo die Bezeichnung „Erstes Gewächs" prinzipiell jedem Weingut offensteht. Zudem exportiert Guntrum drei Viertel seiner Produktion ins Ausland, wo Prädikate wie Kabinett oder Spätlese nach wie vor Stand der Dinge sind - alle Bemühungen um das Marketing des trockenen deutschen Rieslings dahingestellt.

Das restliche Viertel von Guntrums Produktion findet bei deutschen Kunden reißenden Absatz, vor allem bei jenen, die das Kontinuum einer langen Tradition von Prädikaten schätzen - sei es im trockenen oder im restsüßen Bereich. Bei aller Liebe zum Althergebrachten verschließt man bei Guntrum den Großteil der Flaschen inzwischen mit Stelvin. Das wird die Korkgegner hier freuen.

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Kommentare 17

Kommentare

charlie
Der Captain

Wir haben Wetten abgschlossen, wie lange es dauern würde. Jeder hat verloren. So schnell war er noch nie!

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charlie

Das war ich nicht, das war mein neuer Bot der das Netz nach den Worten "Lage" und "Wein" absucht und ob in dem Text eine Einzellage vorkommt die es in der Datenbank gibt. Dann kommentiert er mit dem entsprechenden Link. Dass er so schnell ist, hatte ich auch nicht erwartet.

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Marcus Hofschuster skeptisch

Gezehrt und doch mit enormer Frische? Entschuldigung, das ist ziemlicher Unsinn. Man sollte nicht glauben, alles was Säure und/oder Kohlensäure hat, sei frisch.

Der 2011er ist tatsächlich einer der besseren Weine von Guntrum dieses Jahr, aber auch er ist eher nicht grandios. Der Schmelz ist eher Zucker, nicht echte Substanz - dazu kommen noch die wachsigen Botrytisnoten. Der Wein ist nicht schlecht, aber er gaukelt mehr vor, als da ist. Und die Lagencharakteristik muss man suchen. Ein Wein zum Lagern? Davor kann ich nur warnen. Ich wette, er schmeckt im nächsten Jahr um die Zeit nicht weniger gezehrt als der 2010er.

2011 war im Übrigen nicht per se ein säurearmes Jahr, so mancher Wein ist entschieden bissiger als sein Pendant aus 2010. Vieles ist elend dünn und sauer, weil so Mancher aus Panik, weil ihm alles wegzufaulen drohte, eigentlich viel zu früh gelesen hat. 2011 ist ein extrem unhomogenes Jahr mit tollen Weinen, aber auch viel unsäglichem, dünnem, saurem, unklarem Mist.

Verzeihung.

Beste Grüße

Marcus Hofschuster

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Der Captain

Wieso Verzeihung? Einwürfe sind ausdrücklich erwünscht..

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Konstantin Guntrum Grandios oder nicht grandios?

Herr Hofschuster hat alle meine Weine des Jahrgangs 2011 mit "wachsigen Noten" beschrieben. Was sind "wachsige Noten"? Schmeckt das wie ein herzhafter Biß in eine Kerze? Wenn sie brennt, könnte einem immerhin ein Licht aufgehen ... Die Botrytisnoten, die Herr Hofschuster moniert, gibt es in meinem 2011 Pettenthal schon deshalb nicht, weil die Trauben zu 100% gesund und handausgelesen waren. Wenn Herr Hofschuster die Lagencharakteristik in diesem Wein "suchen" muß, dann lade ich ihn herzlich nach Nierstein an den "Roten Hang" ein, damit er seine Geschmacksknospen mal nach diesem einmaligen Terroir ausrichten kann. Und zu guter Letzt zum Thema Lagerfähigkeit: Viele meiner 2011er Weine, darunter auch der genannte 2011 Pettenthal, eignen sich perfekt zum lagern. Beweis: Sie schmecken zwei Tage bis 3 Wochen (!!!) nach dem Öffnen nach mehr als unmittelbar nach dem Öffnen. Herrn Hofschuster in einer Mußestunde, zu der nicht hunderte von Proben auf dem Tisch stehen, zur Nachahmung empfohlen.

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Gast

Ich danke Herr Hofschuster dafür, dass er mit seinem Kommentar die Maßstäbe für ein fundiertes Urteil über Weine zu Recht gerückt hat. Eigentlich war Kühlbecks Amateur-Gesülze das nicht wert.
Lassen sich nach Eschenauers Abgang wirklich keine fähigen Deutschland-Weinschreiber mehr finden?

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Der Captain

Weder Marcus Hofschuster noch Felix Eschenauer- so viel ist gewiss - werden sich auf ein derart plumpes Spiel eines Konkurrenten einlassen. Vergessen Sie es einfach. Versuch gescheitert..

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master at arms

Ich denke ähnlich wie Marcus Hofschuster, dass die 2011er immer für eine Überraschung in positive und negative Richtung gut sein werden. Zuerst dachte ich auch "Ja, oft zuwenig Säure, zu dünn, die einfachen trockenen Weine recht gut, aber wie werden die GGs aussehen". Seit der Kabinettprobe letztes Wochenende bin ich verblüfft, von der Spannung die die Weine haben können. Auch vor 2-3 Monaten eher mittelgute Weine zeigen sich in blendender Verfassung. Wird spannend, wenn die GGs erscheinen.

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Maat Küblbeck

Ich meinte nicht "ausgezehrt" im Sinne von "nichts mehr da", sondern eher als "drahtig, sehnig".

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Maat Dutta

"ausgezehrt" im Sinne von "drahtig, sehnig". Der ist gut! Ich lach mich halbtot. "Schwarze Milch der Frühe..." Celan kann das. Hier aber kriegst Du die Enden nicht versponnen. no offense, kollegiale Grüße aus dem Pott! Les´ Dich gern.

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Maat Küblbeck

None taken. Stell Dir den Hungerkünstler von Kafka vor. So meinte ich "ausgezehrt".

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Der Captain

Ich sagte von Anfang an, dass sich 2011 als besserer Jahrgang herausstellen wird. Und 2010 als letztlich schlechter Jahrgang. Und je mehr Zeit vergeht - so habe ich das (sicher subjektive) Gefühl - um so mehr scheine ich Recht damit zu behalten..

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Marcus Hofschuster

Oh, Captain, wenn Du Dich da mal nicht irrst. Es gibt ein paar Flecken, wo 2011 sicher zu den großen Jahren gehören kann (die Saar etwa, aber da war 2010 auch grandios), vielleicht gehört der Jahrgang bei bestimmten Weinstilen zu den Großen (bei den Edelsüßen, die vom Herbst profitieren konnten, während andere Sachen längst gelesen waren und das gute Wetter nicht mehr abbekamen). Aber nach allem, was ich heuer bislang probieren konnte, muss ich sagen, dass selbst in der Spitze manchmal die letzte Komplexität und Spannung fehlt - die viele 2010er sehr wohl hatten. Natürlich wird es auch 2011 herausragende Sachen geben und ich habe auch schon ein paar probiert, aber wir werden die GGs abwarten müssen (ich kenne bis jetzt vielleicht ein gutes Dutzend), um wirklich eine abschließende Aussage treffen zu können. Für die Weißen. Aber ob 2011 wirklich an breiter Front besser ist als 2010, ist für mich aus heutiger Sicht äußerst fraglich bis zweifelhaft. Dafür gibt es zu viel richtig unschönes Zeug. Und was macht man in Deutschland, wenn das Lesegut nichts taugt? Alles schön mit ausreichend Zuckerschmiere ausbauen und Goldmedaillen bei der Deutschen Zuckerweinchenprämierung einheimsen. Und wenns noch so dünn und unsauber ist.

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Der Captain

Ich kann morgen mehr sagen, denn ich koste heute einige 2011er gg´s..

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master at arms stauraumsuchend

@Captain. Ja, aber es gibt in 2010 wunderbare Auslesen. (Und die sind doch viel platzsparender aufzubewahren, als der ganze trockene Kram. ;-))...ich hab grade massive Platzprobleme im Keller. Passt mir gar nicht, dass ich jetzt 2011 gut finde. Ich dachte, ich käme dran vorbei was zu kaufen.

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Der Captain

Dear Marcus, meine propagierte Sicht auf die Jahrgänge ist immer die Sicht des durchschnittlichen, aber interessierten Weinkonsumenten, der unser Schiff besucht. Trinker, wie Du und ich, sind die Ausnahme. Versetzte Dich in die Lage eines interessierten Weintrinkers, der nicht zu viel über Wein nachdenken will. Wie erscheinen dieser Person die Gutsrieslinge aus 2010? Und wie jene aus 2011?

Über Ausnahmen reden wir nicht, über die schreiben wir..

Und jetzt kommt gleich eine Liste sehr guter 2011er, die wir gestern getrunken haben..

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