Hassanfall. Der Captain. Auf die Deutsche Bahn. Schon das ganze Jahr 2011 hat ihn diese unerträglich überhebliche Institution Nerven gekostet. Wenn sie funktioniert, dann ist die DB ja ein ganz passables Unternehmen. Aber sie funktioniert halt selten.
Der Captain sitzt sicher sein halbes Leben im Zug (auch heute gleich wieder in Richtung München). Das macht er eigentlich ganz gerne, denn im Zug kann man gut schreiben. Und denken. Und Filme schauen. Und das Leben Revue passieren lassen. Und im Zug kann man auch der Landschaft zuschauen, wie sie sich verändert. Zum Beispiel in Bitterfeld, wo zwei Sachen neu sind. Die Häuser. Und die Nazis.
Auf jeden Fall fuhr der Captain gestern mit dem Zug nach Stockholm. So was gibts! Ja, man muss ein bisschen verrückt sein, aber wenn man in Berlin mittags aufbricht, dann ist man vor Mitternacht in Stockholm. Aber nur, wenn die DB es schafft, den Zug pünktlich auf die Vogelflug-Fähre zu bugsieren. Selbstredend schafft sie das nicht. Die Dääääh Bääähh!
Dääääh Bäääh
Und zwar schon das dritte Mal innerhalb eines Jahres. Der Grund ist immer der gleiche: Bahnschranken, die sich nicht schließen lassen. Seit einem Jahr. Hat dieser Mehdorn den Verein total runtergespart, oder was? Sieht so aus.
Und weil die dämlichen Schranken nicht runtergehen, muss sich der ICE im Schritttempo der Schienenkreuzung nähern und hupend schauen, dass kein Trotteltrecker das Gleis kreuzt. So was dauert.
Fähre weg - Adieu Schweden!
Deswegen war in Puttgarden die Fähre weg. Und mit der Fähre auch der Anschlusszug nach Stockholm, wo drei superheiße Designerinnen darauf gewartet haben, vom Captain für eine bedeutende Fashion-Illustrierte ins rechte Licht gerückt zu werden. Daraus wird nun nix. Wegen der Dääääh Bääääh!!
Nichts gegen die Mitarbeiter, die vor Mitleid zerflossen sind. Alles gegen die Infrastruktur-Erhaltungs-Idioten, die im Sparwahn keinen schließenden Schranken mehr zusammenbringen. Sollen sie sich doch mit Fähnchen vor die Straße stellen, wie weiland Donald Duck bei den gleißenden Gleisen.
Laune kaputt: Saufen
Egal. Laune kaputt. Zwei Stunden in Puttgarden warten, wo NICHTS, genau NICHTS ist. Außer kackende Möwen und dämlich schwimmenden roten Bojen.
Mit all dem Hass geht es zurück nach Berlin, Koffer mit Kameras am Rücken. Fack! Fünfzig! Und dann noch ein Beruf, der die Wirbelsäule ruiniert. Der Assistent vergnügt sich inzwischen bei einer Flasche Sancerre im Stureviertel beim Dingsbumsplan. Aber der feige Captain steigt ja in kein Flugzeug. Selber Schuld.
In Berlin angekommen muss der Captain seinen Ärger sofort ertränken. Er stürmt am verdutzen Ersten Offizier vorbei die Treppe runter. Kochend vor Wut schreit er: Koch was. Wurst, Kartoffeln, Kaviar. Bahntrauertag!
In der Hand: Veltliner!
Und dann kommt der Captain hoch. In der Hand einer der ersten 2011er. Aus Ösi. Aus der Wachau. Ein Grüner Veltliner Federspiel Hinter der Burg 2011. Der sollte eigentlich noch liegen, aber das ist dem Captain jetzt schnurzpiepundsowasvonegal. Plopp, offen.
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Soll das tatsächlich heißen "... ein mineralischer Hauch nur, die Furcht dominiert..." oder ist doch die "Frucht" gemeint? In dem Fall wär's zumindest ein wunderschöner Verschreiber.