11.02.12 WEINE 10 Einem Freund senden

Schloss Proschwitz: Ein Weinprinz kauft


Zu DDR-Zeiten ein Rehabilitationszentrum für geistig behinderte Kinder. (Foto: WP)

Zwanzig Jahre später ist das alles kein Thema mehr. Schloss Proschwitz ist mit einer bewirtschafteten Fläche von rund 80 Hektar inzwischen das größte private Weingut in Sachsen. Man ist angekommen, selbst im VDP. Auch hinter vorgehaltener Hand hört man auch von sächsischen Winzerkollegen keine schlechten Worte über den Weinprinzen. So was ist keine Selbstverständlichkeit, nicht nur in Sachsen.

Auch weintechnisch gesehen ist Schloss Proschwitz inzwischen eine sichere Bank. Selbst mit einem problematischen Jahrgang wie 2010 kam man gut zurecht, auch wenn man hier auf Rotweine ganz verzichten musste. Der Jahrgang 2011 liegt wieder im grünen Bereich. Er sorgte für genügend Potenzial und lässt auch wieder Raum für die Spezialitäten.

Granitböden für Burgundersorten 

Und nicht nur das, zur Weinbergslage „Schloss Proschwitz" ist inzwischen auch „Kloster Heilig Kreuz" auf der gegenüberliegenden Elbseite hinzugekommen. Diese hat sich nicht nur als Toplage für Burgundersorten herausgestellt, sie erzeugt auch Spannung in der Kollektion. Denn wie so oft in Sachsen, bringen einige dutzend Meter Entfernung ziemlich unterschiedliche Weine zu Tage. Selbst bei den gleichen Granitböden.

Die Highlights der Proschwitzer Kollektion sind sicher die Weiß- und Spätburgunder, die es auch als „Großes Gewächs" in die Flasche schaffen. Das ist ein Verdienst des ganzen Teams um Kellermeister Martin Schwarz, der nebenher auch eigene Weinberge bewirtschaftet.

Holt den Thurgau wieder rein! 

Doch genug zu den Hintergründen auf Schloss Proschwitz, ich sollte besser die Flasche Müller-Thurgau von Deck wieder rein holen. 

Der präsentiert sich doch erwartungsgemäß im Glas. Frisch und geradeaus. Ein wenig grüner Apfel, aber sehr authentisch. Nicht dieses künstliches Zeug, welches es auch als Shampoo gibt. Dann haben wir noch etwas unreifen Weinbergpfirsich. Ich mag es zwar gerne etwas kräftiger, aber ich will nicht klagen. Der Müller-Thurgau ist genau in diesem Moment für mich ein idealer Wein. Ein Wein um nebenbei einen Weinartikel zu schreiben. Was will ich mehr?

  • Müller-Thurgau Qualitätswein trocken 2011 von Schloss Proschwitz erhältlich für 9,50 € im Onlineshop.

GlassY MultY

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Kommentare 10

Kommentare

Roterbodenschatz ...heiter bis wolkig

die Weine von Schloss Proschwitz kenn ich leider nicht - kam aber schon in den Genuss der Trüffelpralinen....und wenn der Wein nur annähernd so gut ist wie die Pralinen....dann Hut ab....

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Oswald aus dem Osten

Leider überschätzt.

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Gast

proschwitz ist eigentlich ein gutes beispiel, wie es hätte gehen sollen nach der wende, nur der normalfall war ja, dass westfirmen damals ihre potentiellen konkurrenten im osten aufgekauft und dicht gemacht haben. kein wettbewerb, sondern wettbewerbsvermeidung durch schließung. ok, hat jetzt nichts mit wein zu tun, aber das musste jetzt raus!!

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Charlie

Das ist übringens die Erste Lage dazu
http://weinlagen-info.de/#lage_id=1834

Noch ein "übrigens": wieso soll eine Wein Ansprüche an den Trinker stellen?

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Ostmaat Bugnowski

Der Prinz und Proschwitz sind tatsächlich ein Beispiel wie es gehen kann. Und nicht nur beim Wein. Das dies immer wieder ein Problem sein kann, sieht man an den Aktivitäten in Thüringen. Dazu später sicher mehr.
Weintechnisch muss nicht alles mögen was aus Proschwitz kommt. Überschätzt würde ich das Portfolio aber nun wirklich nicht bezeichnen. Allein die Weiß- und Spätburgunder waren bislang so schlecht nicht. Vorsichtig ausgedrückt. Auch über den Tellerrand hinaus gesehen.

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Lotse Balcerowiak ...skeptisch

Ich kann es leider nicht lassen. Ein Wein ist nicht nur ein Wein und ein Wein, sondern muss sich auch an seinem Preis-Leistungsverhältnis messen lassen. WEnn der Prinz und einige andere sächsische Winzer ihre Weine zu , sagen wir mal ambitioniertenn , Preisen losschlagen können, dann sei ihnen das gegönnt. Ob das irgendeine Relation zu ihrer Qualität hat, ist allerdings eine andere Frage. Exotenbonus der Sachsen und Exklusivitätsbonus von Promi-Garagenwimzern liegen für mich jedenfalls nicht allzuweit auseinander.

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Ostmaat Bugnowski ist gelassen

Klar, das Preis-Leitungsverhältnis spielt auch für mich eine Rolle.
Klar ist aber auch, dass es in Sachsen keinen Weinbau geben würde, wenn man preislich in der gleichen Liga wie die z.B. Pfalz mitspielt. Aber man kann natürlich diskutieren ob für einen sächsischen Müller ein Preis um die zehn Euro nicht etwas zu sportlich ist. Da ist sicher hier und da einiges an Luft nach unten ohne gleich auf Hartz IV zu müssen. Aber, unsere Landleute kaufen und so lange wird sich da auch nichts tun. Ich kenne Weingüter in Sachsen, die bieten teilweise untrinkbare Plörre zu Mondpreisen an und werden das Zeug los wie geschnitten Brot. Ich kenne aber auch Weine, die -für mich- jeden Cent wert sind.
Beim Prinzen hab ich bisher wenigstens solide Qualitäten erlebt. Und bei dem was nicht so geht, zeigt man sich kreativ und macht Trüffelpralinen, Pasta mit Dornfelder oder Brände draus. Ist zumindest nicht unclever, finde ich.

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S.AufKur

Das Preis-Leistungs-Verhältnis, zumindest bei diesem Wein, stimmt eben nicht und lässt sich sehr wohl mit der Pfalz vergleichen. Denn: bei dem besprochenen Wein geht es um eine Basisqualität ("Gutswein"). Da sollte es sich um anständige, rebsortentypische Weine handeln und da ist es mir relativ schnuppe, wo die herkommen. Bei großen Weinen, die zudem das "Terroir" usw. vermitteln, da mag die Herkunft, die regionale Typizität eine große Rolle spielen.

Aber knapp 10 Euro für einen Müller-Thurgau, das ist völlig indiskutabel. Für knapp 10 Euro bekomme ich schon jede Menge Rieslinge aus allen anderen deutschen Weinanbaugebieten, die echt was können, die oft sogar schon über der Basisqualität liegen. Auch aus arbeitsintensiven Steillagen! Wieso sollte ich mir dann so einen Müller-Thurgau antun???

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Ostmaat Bugnowski ... ist weiterhin gelassen.

Niemand muss sich irgendwas antun. Und es geht diesmal auch nicht um die „Ich zahle nicht mehr als zweifuffzich für eine Pulle Wein“-Klientel.
Fest steht, man kann in Sachsen solche Preise verlangen kann und sie werden bezahlt. Ob gerechtfertigt oder nicht. So wie bei Bordeaux, bei Trüffeln, bei Apple, bei Daimler, bei Porsche... im Puff.
Beim sächsischen Wein zumindest könnte sich nach einer Aufhebung des Anbaustopps vielleicht was bewegen. Vielleicht aber auch nicht. We will see...

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Gast

Fest steht aber auch: Wer den überteuerten Kram zum beinahe-Preis von geilen GGs einem eben solchen vorzieht, dem ist absolut nicht mehr zu helfen.

Ahgeeh bists narrisch oder wos?

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