Ich kenne Deutsche, die waren schon zehn Mal in New York, sechs Mal in Bangkok und drei Mal auf den Seychellen, aber noch nie in Sachsen. Ich kenne Italiener, die waren schon zehn Mal in San Francisco, sechs Mal in Kapstadt und drei Mal auf Bali. Aber noch nie im Friaul. „Im Friaul", fragen sie, „was sollen wir da?"
Wein trinken, zum Beispiel, Weine aus autochthonen Sorten. Das Friaul ist eine Hochburg autochthoner Reben, viele Sorten haben hier die Invasion der amerikanischen Reblaus überlebt, die Mitte des 19. Jahrhunderts den europäischen Weinbau verwüstete. Und das Friaul, das als Collio weit nach Slowenien reicht, ist Mitteleuropa, eine richtig alte Kulturlandschaft.
Leider viel zu wenig Wein aus dem Friaul
Die Region Friaul und ihre verschiedenen Anbaugebiete (Collio, Carso, etc.) beherbergen heute außergewöhnlich viele eigenwillige Winzer. Und diese hüten etliche önologische Schätze, wie etwa den pikant-fruchtigen Schiopettino (Ribolla nera), ein Rotwein, der lediglich in einer einzigen Gemeinde wächst. Jahrelang war die Gegend des Collio nur ein Randbezirk der Weinwelt, erst nach der Ostöffnung und dem inneritalienischen Weißweinboom der Neunziger wurde sie einer größeren Zahl von Weintrinkern bekannt, die allerdings nicht über die Grenzen Deutschlands hinaus reicht. Der Grund: Es gibt zu wenig Wein aus dem Friaul. Und die Friulaner trinken ihn gern selber.
Auf der Suche nach sogenannten Weltweinen hat man auch im Friaul lange den Fehler gemacht, mit international gefälligen Sorten wie Chardonnay und Sauvignon zu experimentieren. Zugegeben: Manche Ergebnisse sind großartig, etwa die Weine von Vie di Romans, Villa Russiz oder Ronco del Gnemiz.
Die Seele des Collio sind diese Kopfgeburten allerdings nicht; es sind die autochthonen Rebsorten der Region, die jahrzehntelang unter Wert verramscht wurden.
Die Zeit der austauschbaren Weine geht vorbei
Giordano Sirch ist eigentlich kein Winzer. Er ist Weinbauer. Sein Bruder Paolo hat sich in Italien als Traubenzüchter einen Namen gemacht. Er tüftelt an den Sorten, findet heraus, wie sie bessere Erträge erzielen und weniger anfällig für Schädlinge werden. Das ist nicht die Welt der Winzerromantiker, die sich hier einen traditionellen Familienbetrieb vorstellen. Die Sirchs sind eine Konstruktion. Aber keine schlechte.
Das Brüderpaar hat sich vor ein paar Jahren mit Alessio Dorigo einen fähigen Önologen ins Haus geholt und erst dann das Weingut aufgebaut. Dorigo hat früh erkannt, dass die Welt der austauschbaren europäischen Weine zu Ende geht. So hat er sich den alten regionalen Sorten zugewandt, dem Malvasia, dem Ribolla Gialla, oder dem Friulano. Auch Sauvignon und Grauburgunder finden sich auf der Weinliste der Sirchs. Doch wir bleiben lieber bei den seltenen Reben.
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In der Mitte un doch am Rande. Das rote Friaul. (Bild: Wikipedia) 



Ja die haben halt das Problem, dass ihnen die Slowenen die Trauben nicht mehr nächtens über die grüne Grenze verscherbeln, sondern jetzt selbst Wein machen...