Einige Stockwerke tiefer im Fasskeller, stehen Thomas Schwarz und ich vor einem alten Ghettoblaster, der äußerlich schon seine beste Zeit hinter sich hat. "Such Dir was aus!" und sagt Schwarz und zeigt auf einen Stapel mit einigen Punk- und Metal-CDs.
"Mit Mozart und anderem esoterischen Kokolores scheint er seine Weine ja nicht zu beschallen", denke ich und wähle Sepulturas "Chaos A.D.", eine Metalperle der 90er, die ich vor 15 Jahren irgendwann vergessen hatte. Ich freue mich, sie wieder zu hören. Ausgerechnet hier.
Faßproben schlürfen mit breitem Gitarrensound
Der sägende Gitarrensound drückt durch den halligen Keller mit den riesengroßen Holzfässern. Doch Schwarz dreht sich noch mal um, und dreht die Lautstärke einen kräftigen Schub lauter. So gefällt ihm das: Derbe Knüppel-Musik, laut und ungestört an seinem Rückzugsort.
Winzer Thomas Schwarz betreibt hier am Leithagebirge am österreichischen Neusiedler See das Weingut Kloster am Spitz, sein Bruder Wolfgang das anerkannte Restaurant und Hotel einige Meter nebenan. Eine funktionierende Aufgabenteilung bei den Brüdern. Juristisch alles schön ordentlich getrennt - niemand will sich gegenseitig dazwischen funken.
Wenn man den Enddreißiger Thomas Schwarz näher kennengelernt hat, wird man in ihm weniger den bodenständigen Winzer sehen. Schwarz könnte genauso gut gebrauchte Schallplatten in Berlin-Friedrichshain verkaufen. Oder den coolen Showboadlehrer in den Alpen geben. Irgendwelche sozialen Statuten und Rangordnungen scheinen an ihm abzuprallen. Zumindest bildet er sich nichts drauf ein. Ein Punk im Geiste also. Und selbst den lässt der Kahlkopf nicht raushängen. Kurzum: Er ist furchtbar schlecht in Schubladen zu stecken, dieser Mann.
Der Punk im Geiste
Den Punk im Geiste merkt man deutlich seinem Weinstil an, der eine konsequente Abkehr der dichten, holzübertünchten Rotweine der 90er und 00er-Jahre in Österreich darstellt. Thomas Schwarz ist für den Maat einer der radikalsten Winzer, den Österreich momentan hergibt.
Radikal heißt kompromisslos in seiner Machart: knochentrocken, harter, bissiger und gerbstofflastiger Stil. Bodengeprägt und oft skandalös mineralisch. Die Weine von Kloster am Spitz sind allesamt nicht dazu gemacht, nebenbei weggetrunken zu werden. Sie benötigen Aufmerksamkeit - erst dann offenbaren die Weine das, was Thomas Schwarz ihnen mitgegeben hat: den fast perfekten Purismus. Keine Schminke, keinen Kuschelkurs.
Barrique? Rausgeschmissen bei Kloster am Spitz
Schwarz übernahm 2005 das Weingut und war nun allein verantwortlich für dessen Ausrichtung. Und wurde einer, der nun organisch-biologisch arbeitet. Er forcierte den radikalen Stilwechsel, schmiss nach und nach die Barriques und alte Sichtweisen aus dem Keller, machte die Weine karger. Schwarz nennt das heute "die Palastrevolution" gegenüber seinem Vater, der bis 2005 einen kompatibleren Stil der Weine pflegte.
Nicht jedermanns Sache war damals der radikale Stilwechsel und einige Stammkunden wandten sich damals von Thomas Schwarz und seinen Weinen ab, ohne dass er sofort wieder neue Kunden hinzugewinnen konnte. Trotzdem machte Schwarz einen auf stur, blieb er seinem Stil treu, änderte nichts. Eher noch radikalisierte er sich Jahrgang für Jahrgang.
Der Stilwechsel wurde nicht von allen verstanden
Mit Erfolg, denn neue, begeisterte Weintrinker kamen hinzu, liebten diesen gradlinigen Stoff, wie der Maat ihn auch mag. Thomas Schwarz bekam also mit seinem Stilwechsel posthum recht. Diese stilistische Glaubwürdigkeit zieht sich kreuz und quer durch das ganze Sortiment, das der Maat im vergangenen August durchprobieren konnte.
Kloster am Spitz liegt an einer Anhöhe des Leithagebirges. Der Sommertag war furchtbar heiß, als der Maat sein Gewicht dort hochschleppte und durchgeschwitzt und durstig war. Flehend verlangte er als Erstes eine Flasche kühlen Rosé. Ganz instinktiv. Und schon dieser überraschte und zeigte sich weit und breit ohne anbiedernde Frucht, die selbst bei Rosé renommierter Winzer oft zu finden ist.
Nein, der Rosé von Schwarz ist Durstlöscher pur, mit seiner festen Säure, die mich an den Biss in eine Rhabarberstange erinnern lässt. Etwas Sauerkirschen noch und Ruck-Zuck war die Flasche leer, die der Maat in der prallen Sonne mit Blick auf den Neusiedler See verdrückte. Trinkfluss - es gibt kein schöneres Kompliment für einen Wein von der Basis!
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Ein edles Tierchen vor einem querköpfigen Winzer. (Foto: Golenia) 





für mich darf's gern der neue stil sein! aber das wird's ned spiel'n, wie's bei uns so schön heißt. neue DAC-festschreibungen lassen beharrlichkeiten vermuten. zum glück gibt's die boden- und strukturrebellen wie tom schwarz!