Am Jahresende blickt jeder Winzer auf die letzten Monate zurück. Wie ist es gelaufen? War die Ernte gut? Oder gerade ausreichend? Wird der Wein, der da in Stahltanks und Fässern heranreift, genügend Abnehmer finden? Oder ist die Nachfrage gar so groß, dass die Sorge ansteht, alle Kunden bedienen zu können.
Für Winzer und Weinmacher hat der Jahreszyklus eine besondere Bedeutung. Sie empfinden Jahre anders, als wir es tun: Jahre sind für sie vor allem Jahrgänge. Und so findet man häufig Winzer, die seufzend Sätze sagen wie: „Ja, ja, der 1999er, der war noch sensationell." Wenn sie älter sind, dann kann man 99 ja nach Region durch 90, 89, oder 76 ersetzen. Es sind Botschaften, die einem eingeweihten Kreis gelten. Und sie rufen Erinnerungen an gute Jahre wach. An volle Keller großartiger Weine, die nun fast alle ausgetrunken sind.
Das Weinmachen - ein Tor zur Vergänglichkeit
Wein zu machen ist ein schöner Beruf. Man keltert ein Lebensmittel, das im besten Fall Jahrzehnte halten wird. Und doch öffnet das Weinmachen ein Tor zur Vergänglichkeit des Selbst, denn ein Winzer pflanzt meist Stöcke, die erst in zwanzig und mehr Jahren den vollen, den besten Ertrag liefern. Und es kann sein, dass der Winzer diese wichtigste Zeit seiner Reben nicht erlebt. So ist das Weinmachen immer auch mit der Endlichkeit des eigenen Lebens verbunden.
2011, so kann man sagen, war ein gutes Weinjahr. Es gab (wenn der Hagel nicht wütete) große Mengen und ausreichend hochwertiges Traubenmaterial mit teilweise grenzwertig hohen Öchslegraden. Fazit: Viele Basisweine werden hervorragend sein, viele Große Gewächse sogar außergewöhnlich. Sicher aber auch: diese Weine werden alle zu jung getrunken. Aber gegen diese Unsitte ist noch kein Kraut gewachsen.
Ein Jahr der schrägen Nischenwinzer
Was 2011 auffiel war, dass einige deutsche Quereinsteiger, Nischen- und Garagenwinzer den gut aufgeteilten Markt mit aufregenden, teils sogar wegweisenden Weinen penetrierten. Selbstredend blieben deren Mengen zu gering, um den Absatz der namhaften Häuser zu stören. Deswegen werden die neuen Winzer auch nur augenzwinkernd betrachtet. Diese Nonchalance ist aber nicht angebracht.
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Lukas Krauß (re.) - es war auch sein Jahr. Der Herr links hat immer gute Jahre. (Foto: Illka Jaroch) 





Ist ja gut zu lesen, aber jetzt möchte ich über 2011 nur mehr lesen wenn es Weine zu kosten gibt. Wer ist der Herr links, der sich keine Sorgen machen muss?