Weihnachten nervt. Laiendarsteller mit roten Zipfelmützen verfolgen einen in jeden Winkel. Auf den Straßen herrschen Glühwein- und Weihnachtsliedterror. In den Auslagen der Geschäfte und Buden feiert der schlechte Geschmack neue, manchmal kaum zu glaubende Triumphe. Millionen Menschen sollen auf diese Weise sturmreif geschossen werden, um bereitwillig ihre Portemonnaies für allerlei Unfug zu leeren.
Irgendwie muss man sich wehren. So kann man das verlogene Weihnachtsessen einfach zu einem üppigen Protestgelage umfunktionieren. Saufen und fressen bis der Arzt, aber wenigstens nicht der Weihnachtsmann kommt. Kann er auch gar nicht, denn wir setzen vorbeugend sein Dienstfahrzeug außer Betrieb - und servieren einen Rentierbraten. Dann muss der nervige alte Zausel zu Fuß gehen, und das dauert von Lappland bis Deutschland ziemlich lange.
Rentier schmeckt wie ... ?
Doch wir befinden uns hier in einem Weinportal, und deswegen steht natürlich die Frage nach der angemessenen Begleitung der Keule vom Rangifer tarandus, wie das Viech ganz korrekt bezeichnet wird, im Mittelpunkt. Auch als Freund der Verbindung regionaler Speisen und Getränke sollte man in diesem Fall etwas globaler agieren. Von schwedischen Weinen - so was gibt's tatsächlich - ist jedenfalls abzuraten. Wir gucken uns das in 50-100 Jahren noch mal an, denn der Klimawandel marschiert. Seit einiger Zeit gibt es zwar auch Rentiere in der brandenburgischen Uckermark, doch außer hochpreisiger Witzwein-Folklore, kriegt man da nichts ins Glas.
Rentier schmeckt im Prinzip wie Reh, allerdings etwas intensiver. Mit irgendeinem dezenten roten Schlaffi-Wein kommt man da nicht weit. Na klar, satter Pinot noir geht in solchen Fällen immer. Aber wenn Wild im Spiel ist, gibt es auch im weitgehend burgunderfreien Portugal einige gute Adressen. Schließlich schießen die da mit Begeisterung auf alles, was nicht schnell genug wegrennt.
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Rentier und Rotwein. Eine gute Mischung. Auch ohne Weihnachten. (© PhotoSG ) 





Nette Idee! Aber:
Wild schmeckt nur nach Wild wenn es nach dem töten falsch behandelt wurde. Das war früher oft der Fall. Daher die Beizerei und allerlei komische Bräuche.
Und: zu Rentier schmeckt ein süssliches Bier am besten. Vielleicht aus Belgien? Zumindest würde in Lappland kein Same auf die Idee kommen portugiesischen Rotwein zu öffnen.
Aber zugegeben: der Wein ist sehr gut und das Ganze natürlich ein Versuch wert.
Beipflichtend: Die gelbe Hand gehört nicht und niemals an so etwas schönes wie Wildfleisch. Eigentlich zu gar nichts.