Wenn sich diverse Institutionen der Weinwelt gemeinsam auf einen Betrieb werfen, um ihn erbarmungslos mit Lobesarien zu überhäufen, ist zunächst einmal höchste Vorsicht geboten. So manch mediales Superlativ entpuppt sich bei genauerem Hinschauen bzw. Kontrolltrinken als schwer nachvollziehbar. Und die inflationär verteilten „Goldmedaillen“ der Deutschen Lebensmittelgesellschaft sind ohnehin nicht einmal das Papier wert, auf welches sie gedruckt und anschließend auf die Flaschen geklebt wurden. Manchmal stellt sich auch eher die Frage nach der Höhe des Werbeetats und der Eloquenz der beauftragten PR-Agentur, als die nach Lagen und Arbeitsweise des Kellermeisters.
Doch wenn ein Gut z. B. vom Gault Millau WeinGuide 2012 nicht nur für einen bestimmten Wein, sondern für seine gesamte Produktion mit einer zusätzlichen Traube ausgezeichnet wird, kann es wohl nichts schaden, Nase und Gaumen auf ein paar Flaschen des Betriebes auszurichten.
Als „»Entdeckung des Jahres«“, bezeichnen die Autoren die Weingärtner Cleebronn-Güglingen e. G.. Und auch wenn der Name extrem schwäbisch-langweilig klingt; es gibt in der Tat einiges zu entdecken. Beispielsweise den Lemberger »Herzog Christoph« QbA trocken 2009 aus der sogenannten mittleren Produktlinie der Genossenschaft. Dass Lemberger / Blaufränkisch / Kekfrankos oder wie immer sie auch heißen mögen außer ihrer prägnanten Kirschfrucht und (hoffentlich) deutlicher Mineralität für einige Überraschungen gut sein können, ist bekannt. Doch dieser Lemberger verströmt einen zunächst etwas aufdringlichen, aber bald dezenten und perfekt in Waldbeerentöne eingebundenen Duft nach Nelken, ein Eindruck, der sich am Gaumen fortsetzt. Dort melden sich dann auch noch grüne Paprika mit dem wichtigen Säurekick, Kardamom, ein wenig Lakritze und ein Kräuterstrauß zu Wort, bevor alles in einem Finale reifer Beeren ausklingt.
Ein Allerwelts-Lemberger ist das jedenfalls nicht, aber Kellermeister Andreas Reichert lüftet auf Nachfrage bereitwillig das „Geheimnis“ des Herzog Christoph. Denn im Prinzip handelt es sich um eine Cuvée aus drei Lagen mit unterschiedlichen Böden: Gipskeuper, roter Mergel und etwas toniger Lehm. Die ungewöhnliche, aber stimmige Struktur hat er der Maischegärung und der 12-18 monatigen Lagerung der verschiedenen Partien in großen Holzfässern und gebrauchten Barriques zu verdanken. Und natürlich dem Händchen des Kellermeisters.
Weiter auf Seite 2...







Der Lemberger gehört in ein richtig großes Glas, Genossen.. 



Balcerowiak wird immer besser. Gerne weiter so! Die allein auf den Wein konzentrierten Artikel gefällt mir gut.