12.07.12 WEINE 13 Einem Freund senden

Nicht Burgund? Woher dann?

Gut Holz. Auch bei Pasler...Gut Holz. Auch bei Pasler...

Ich lebe als Maat in Salzburg. Das ist weit weg vom Schiff, das meist in Berlin vor Anker liegt. In Salzburg kriegt man nicht so viel mit, was am Schiff vor sich geht. Einzig die Krisen des Captain scheinen zu Ende zu sein, seit er seinen runden Geburtstag mit einem Alkohol- und Drogengelage verbracht hat. Als gäbe es kein Morgen.

Salzburg, so klein, schön und langweilig es sein mag, hat eine rege gastronomische Szene. Reger als in vergleichbaren deutschen Städten. Und wo die Gastronomie tobt, da gibt es auch viel Wein zu trinken. In und um Salzburg befinden sich ein paar der besten Weinhändler Österreichs. Und so hat der Maat im Exil auch immer gut und genügend zu trinken. Und Freunde, die das Trinken mit ihm teilen. Wie Heinz, der immer auftaucht, wenn eine Flasche geöffnet wird. Zu seiner Ehrenrettung: Ich verdanke ihm den Genuss ein paar großer Weine.

Ein guter Zeitpunkt also, um wieder eine kleine Verkostungsrunde einzuberufen. Schneller Anruf bei Heinz und schon weiß ich Bescheid, wo sich die üblichen Verdächtigen heute treffen. Kurz Zeit später stehe ich inmitten einer Schar weinbegeisterter Salzburger, alle sind bereits leicht angeschickert und die Stimmung steht kurz vor ihrem Höhepunkt. Der erste große Durst ist gestillt und der einfache Wein - so gut er ist - wird langsam langweilig.

Der Zeitpunkt der Euphorie

Das ist der Zeitpunkt - wir alle kennen ihn - da werden aus lauter Euphorie und gegen die Vernunft schon mal ganz besondere Flaschen getrunken. So auch heute. Direkt an der Theke erblicke ich Heinz. Er gibt wieder mal alles und hat einen seiner Kollegen voll in der Mangel. Der arme Kerl wird von ihm nun so lange vollgetextet, bis er vor lauter Verzweiflung eine Flasche ausgibt. Das ist eine ganz hervorragende Taktik, die man sich merken kann.

Die neue Flasche wird gebracht und vor den Augen der beiden entkorkt. Kaum hat Heinz den ersten Schluck getrunken wird er unruhig. Er schnappt sich die Flasche schaut in die Runde, erblickt mich und kommt eiligen Schrittes zu mir rüber. Nicht mehr ganz nüchtern und etwas aufgeregt schenkt er mir aus einer Burgunderflasche ein großzügig ein, schaut mich mit großen Augen an und versucht - völlig verkrampft - das Etikett zu verstecken.

„Das musst du probieren!"

„Warum?" (generell die falsche Frage)

„Mach halt und frag nicht so viel."

Ich nehme das Glas und rieche hinein.

„Erinnert mich an frisch gebackenes Baguette. Genauer gesagt an die Rinde eines Baguette. Weißt du was ich meine?"

„Ich bin ja nicht blöd. Weiter?

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Kommentare 13

Kommentare

Der Don

Liebe Captain, lieber Maat,

ist es vielleicht schon zu euch durchgedrungen, dass 2010 doch alles andere als ein Arschjahr war und dass man, gerade in Österreich, diesem Jahrgang inzwischen fast nachtrauert, besonders in einem säurelosen Jahr wie 2011?

Vielleicht wollt ihr ja gerade Leuten wie mir solche Bemerkungen rauskitzeln, mit dem ewigen und ewigen Wiederholen dieser "Arschjahr" - Floskel. Vielleicht kann sich der Captain aber auch einfach nur nicht eingestehen, dass seine übereilte und vor allem polemische Jahrgangsprognose einfach nur falsch war?

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Der Captain

Her mit dem (bedeutenden) Winzer, der hier sagt: "Ich trauere dem Jahrgang 2010 in seiner Komplettheit nach. Vor allem im Vergleich mit den kompletten Weinen von 2011." Auf den Winzer warte ich mal..

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Nochsoeiner

Stichwort 2011: Ich persönlich habe noch keinen 2011er Weißwein (aus Österreich) gefunden der mir jetzt wirklich schmeckt. Und das von den Weingütern die ich sonst schätze. Ehrlich gesagt, wirken die Weine, bis auf wenige Ausnahmen, eher plump und ungeschliffen, zu dick - ich glaube hier nicht an die große Offenbarung in den nächsten Jahren.
Nur mein Eindruck: die 2010er Weißen aus Österreich sind in den mittleren und oberen Qualitätsstufen jetzt sehr schön und gut zu trinken - natürlich mit Ausreißern in beide Richtungen der Qualität.

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Gast

Die Arschsache mal außen vor: Schöner, vielsagender Text - gerne mehr davon!

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Cer Daptain

Alwin Jurtschitsch meinte z.B. dass er alles aus 2010 zurücknehmen würde, um es in 10 Jahren auf den Markt zu bringen "weil es so unglaublich gut ist"

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Der Captain

Na sicher. Vor allem die einfachen Weine, oder? Von den Ausnahmen rede ich hier nicht, redete ich nie..

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Der Don

es tut mir leid, aber sogar die breite Masse ist 2010 besser als 2011 - beim Rotwein bin ich mir noch nicht sicher aber:

Was ich bei diversen Produzenten wie Moric, Schuster oder Wenzel an 2010ern (vom Fass) probiert hab, hat mich schwer beindruckt! Auch hier würde ich nie von einem schlechten Jahrgang reden!

Bald wird man von 2011 ähnlich reden wie von 2003 und die 2010er werden uns in 20 Jahren noch begeistern, in Deutschland sieht die Sache übrigens ähnlich aus, genauso wie in der Burgund.

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Der Captain (auswärts)

2011 ist nicht 2003, burgund 2010 ist tadellos. und beim rest wette ich dagegen. jede wette. 2010 ist im großen und ganzen ein kompliziertes jahr, die weine der breite waren sauer und sind heute schon zu vergessen. hier reden elitetrinker von ausnahmen. diese ausnahmen nimmt der normale weintrinker nicht wahr. schon tausendmal gesagt, hier ein 1001tes mal..

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Der Don

Das ist nicht richtig - 2011 ist in der Breite furchtbar, ich hab es selbst bei der Prüfnummernvergabe erlebt - selten gab es eine derartige Menge an bitteren, stumpfen UTA-Weinen wie letztes Jahr. Über den Ursprung lässt sich nur spekulieren, er wird aber sicher nicht nur mit der immensen Menge zu tun haben.
Wenn man über 2010 pöbeln möchte, dann muss man es über die Menge tun. Bei den Qualitäten, die in die Flasche gebracht wurden ist aber eher Jubel angebracht.

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Der Captain

Gut, dann lassen wir das als zwei unterschiedliche Ansichten stehen. 2011 - da gebe ich Ihnen recht - gibt es auch ne Menge langweiliger und konformer Weine. 2010 gab es aber so viel Saueres und Minderwertiges, wie ich es noch selten erlbet habe. Wie gesagt: Die Ausnahmen abgesehen. Wer Zucker und Säure ins Gleichgewicht bekam, konnte Hervorragendes keltern. Van Volxem beispielsweise. Und viele andere auch..

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grünerveltliner

Kann die Aussagen von Der Don nur voll und ganz bestätigen! 2011 ist in der Breite und vor allem bei den Basicweinen wirklich schlimm. Das UTA-Thema zieht sich durch ganz Österreich.....

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Lukas Krauß trauernd

Ich trauere 2010 hinter her. Geiles Jahr, super Silvaner, spitzen Burgunder, geiler Chapeau und kein Frost!

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Der Captain

Scheiße, ausgerechnet Krauß..

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