Dreifach hält besser ist die Devise beim Weingut Brüder Dr. Becker. Der 11-Hektar-Familienbetrieb gehört nicht nur dem noblen Verband Deutscher Prädikatsweinwinzer (VDP) an, sondern auch der ökologischen Winzervereinigung Ecovin und dem anthroposophisch ausgerichteten Anbauverband Demeter.
Ein bisschen viel nobel und bio auf einmal könnte man meinen. Doch für Hans Müller, der das Gut gemeinsam mit seiner Frau Lotte Pfeffer-Müller leitet, stehen alle drei Vereinigungen auf ihre Weise für die Weinphilosophie des Betriebs. Der VDP sei Vorreiter bei der Betonung der Lagen für die Weinqualität und habe zudem eine klare Qualitätspyramide mit den Stufen Gutswein, Ortswein und Großes Gewächs bzw. Erste Lage entwickelt.
Erprobte Präparate von Demeter
Ecovin stehe ganz vorne bei der Etablierung und Verbreitung des ökologischen Weinbaus. Und Demeter vertrete einen ganzheitlichen Ansatz, der besonders beim Umgang mit den Böden weit über den normalen Ökoweinbau hinausgehe, so Müller auf Nachfrage. So setze er regelmäßig auf die erprobten Präparate der Demeter-Landwirtschaft, um beispielsweise die für bestimmte Vegetationsverläufe zu nährstoffreichen Böden seiner Rieslingparzellen „in Ordnung zu bringen". Auf der anderen Seite setzt er auf Jahrgangstypizität und verzichtet anders als viele Kollegen prinzipiell auf Ent- bzw. Nachsäuerung.
Bei seinen abgefüllten Weinen setzt der Betrieb nicht auf Bezeichnungshudelei, sondern eher auf Understatement. Der Spätburgunder des Guts kommt als schlichter Gutswein daher, obwohl es laut Müller zulässig gewesen wäre, ihn mit einem Prädikat und einer Lagenbezeichnung zu versehen. Offene Maischegärung ohne Einsatz von Reinzuchthefen und eine lange Hefelagerung bildete beim Jahrgang 2008 die Basis für einen ausgesprochen samtig-molligen Wein, dem anschließend eine zwölfmonatige Reifezeit im großen Holzfass gegönnt wurde.
Kein Oechsle-Monster, günstiger Preis
Nichts wirkt „gewollt" oder gar gekünstelt an diesem Wein. Kein Burgunder im französischen Stil, sondern geprägt von frischer Mineralität, weichen Tanninen und frischer, aber keineswegs unreif erscheinender Kirschfrucht. Ein wenig Dörrpflaume rundet die Sache angemessen ab. Kein Oechsle-Monster, dafür aber mit zurückhaltender eleganter Fülle ausgestattet. Ein langer, warmer, buttriger Abgang macht Lust auf ein weiteres Glas. Und ein Blick auf den Preis macht Lust auf ein ganzes Paket mit diesem Wein.
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Hans Müller. Ein Frühentschlossener in Sachen Ökoweinbau. (Foto:Dr.Becker) 





Die Weine von Dr. Becker sind meiner Meinung nach durchweg gut, insofern ist der Artikel auch verdient und überfällig. Über den Demeter-Ansatz lässt sich sicherlich streiten. Beim angeblichen Erinnerungsvermögen von Wasser und dem Einsatz von Hornpulver hört für mich allerdings die ratio auf - das ist esoterische Spinnerei. Am Ende aber auch egal, solange der Wein schmeckt - insoweit: d´accord.