Bei abendlichen Temperaturen im satten zweistelligen Minusbereich fällt es schwer, sich das warme, sommerliche Douro-Tal vorzustellen. Trás-os-Montes, zu deutsch „Hinter den Bergen" heißt diese nordportugiesische Region, die von den Einheimischen gerne mit „Neun Monate Winter - drei Monate Hölle" beschrieben wird. Hier wurde bereits im Jahre 1765, nahezu ein Jahrhundert vor den Weinbaugebieten Frankreichs, die Herkunftsbezeichnung als Qualitätssiegel für Weine eingeführt.
Die steilen Hänge sorgen besonders bei Südexposition für unglaubliche Temperaturen in den Beeren. Einige Winzer berichteten glaubhaft von bis zu 70 Grad! Hier können klimaangepasste autochthone Rebsorten wie Tinta Roriz, Touriga Franca oder Tinta Barroca ihr Potenzial voll entfalten, und das beileibe nicht nur für die Portweinherstellung.
Mal wieder der Schiefer, aber in Portugal
Für eine engagierte Önologin wie Mónica Figueiredo muss es die Erfüllung eines Traumes gewesen zu sein, die dieser Region ein eigenes Weingut aufzubauen. 2002 erwarb sie in dem kleinen Örtchen S. Leonardo de Galafura Weinberge mit über 20 Jahre alten Rebstöcken auf mit Schiefer durchsetzten Gesteinsböden. Zwei Jahre später kam der passende Weinkeller dazu, der respektable 160 Jahre auf dem Buckel hatte und entsprechend modernisiert wurde.
Seitdem werden dort unter ihrer Regie Weine produziert. Neben dem mächtigen Donzel DOC Reserva steht auch ein Zweitwein auf dem Programm, der sich absolut sehen oder besser trinken lassen kann: Der Fura Douro Tinto 2006 Unoaked. Letzteres, also der Verzicht auf Ausbau im neuen Holzfass, ist für Weine dieser Region in der Tat unüblich, da die mitunter schrillen Tannine der örtlichen Rebsorten in der Regel einer angemessenen Pufferung bedürfen.
Nackte Füße quetschen Beeren
Doch es scheint auch ohne zu funktionieren. Das liegt wohl auch daran, dass dieser „kleine" Douro nicht vom Acker hinter der Quinta, sondern von einer mit „A" klassifizierten Lage stammt, die auch für die Portweinherstellung zugelassen ist. Auch werden hier nicht mittels Maischeerhitzuung die letzten Spuren von Farbe und Aroma aus dem Most gequält. Gemaischt wird der Wein vielmehr mit nackten Füßen in Lagares, jenen offenen Beton- oder Granitbecken, die auch heute noch viel mehr sind, als portugiesische Weinfolklore.
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Ein schwerer Russe verzückt den Linkslotsen: Schostakowitsch (Foto: WP) 





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