01.06.10 WEINE 9 Einem Freund senden

Wein der Woche: Bio aus Burgenland

Erschöpft aber glücklich. Kate Moss und ihr Mann. Hinten die preisgekrönten FlaschenErschöpft aber glücklich. Kate Moss und ihr Mann. Hinten die preisgekrönten Flaschen

Zwei Weine am Tag, so wird das Schädelweh nie weggehen. Aber nach der dicksten Weinmesse, die der Captain dieses Jahr erlebt hat, nach dem Dauerbesuff bei der VieVinum in der Hofburg zu Wien, da braucht man schon eine Wagenladung Aspro um sich wieder gerade zu kriegen. Der Captain spuckt ja nicht, das macht der Leber zu schaffen. Und die Leber sagt es dem Kopf.

Egal, da muss der Captain durch. Bei der VieVinum hat der Captain auch einen alten Bekannten wiedergetroffen, den Timotheus vom Weingut Tscheppe-Eselböck (Gut Oggau). Die Familie Eselböck ist ein nordburgenländischer Clan rund um den Pop-Koch Walter Eselböck (Restaurant Taubenkobel: zwei Sterne, vier Hauben/Mützen), der die pannonische Küche neu eindeckte und interpretierte. Heute führt die Familie in Sippenstruktur (Wes Anderson tauglich) mehrere Restaurants und Hotels (jedes wunderbar und mega contemporary). Ein Teil dieser liebenswürdigen Regionalmafia ist das Weingut Tscheppe-Eselböck, das die Tochter Stephanie mit Eduard Tscheppe gemeinsam führt. Die Kleinfamilie unterhält auch den modernsten Heurigen der Welt (Cafe del Mar für Dich und Mich).

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Noch dazu schauen beide (alle) Eselböcks unverschämt gut aus (Stefanie ist das einzig akzeptable Double von Kate Moss), die Etiketten ihrer Weine stammen von der renommierten Kreativagentur Jung von Matt und haben unzählige Preise gewonnen. Und zwar weltweit. Die Eselböcks sind ein einziger Fingerzeig des Erfolgs.

Was liegt näher, als schöne belanglose Weine zu machen, sauber, trinkfreudig, vom Boden inspiriert und in Mengen über den Tresen gehend...? Aber: nein!

Experiment biodynamischer Weinbau

Nein, so denken Frau Eselböck und Herr Tscheppe nicht. Sie haben sich dem schwierigen Experiment des ökologischen und biodynamischen Weinbaus verschrieben, machen Weine, die nicht auf den ersten Blick zu verstehen sind. Allerdings muss man sie auch nicht groß erklären, sie erklären sich von selbst.

Der Captain macht den Timotheus 2008 zum Wein der Woche (alle Weine tragen die Namen einer imaginierten Familie - ganz Eselböck, ganz Clan), den Weißwein der eleganten Elterngeneration. Der Timotheus ist eine Cuvée aus Weißburgunder und Grünen Veltliner, beide nicht unbedingt populäre Sorten im Burgenland. Die Cuvée wurde ein Jahr im großen Eichenfass ausgebaut und versteht sich als Wein für selbstsichere Genießer, also für verständnisvolle und experimentierfreudige Trinker, wie der Captain (manchmal) einer ist.

Unbehandelt, schwer und opulent

Im Glas ein mittelgelber, leicht ins Ocker tendierender Wein. In der Nase der dunkle und angenehm dumpfe Ton unbehandelter Weine, leicht oxidativ, ruhiges Holz, Kräuter, Pfeffer, Haselnuss, Kuchen, Opulenz, etwas Haarspray (Drei-Wetter-Taft > die Säure grüßt), etwas Mandel, dann wieder (wärmer geworden) massiv grüne Wiese mit leicht bitterer Note. Animierend.

Im Mund eine präsente fast durchsichtige Säure. Dahinter aber wieder Nusstöne, dunkle Schwere, Sand, etwas Schiefer, Gesetztheit, Fülle, Kraft, langer Nachklang. Wer jedoch einen frischen säurebetonten Trinkwein erwartet, landet am falschen Flughafen. Wie bei fast allen Weinen von Tscheppe-Eselböck.

Der Wein muss ins große Glas

Der 2009er wird (dem Jahr entsprechend) etwas mehr Druck am Gaumen haben. Beide Jahre eigenen sich gut für lange Lagerung. Einer der außergewöhnlichen Weine, die der Captain dieses Jahr getrunken hat. Geht nur im großen Glas (Burgunder) und polarisiert sicher über alle Maßen. Notwendiger Diskussionsstoff.

Der Captain startet heute eine Umfrage über biologischen Weinbau. Die Winzer unter den Matrosen erhalten vom Captain ein Schreiben und der Captain bittet um ehrliche Antworten zu gängigen Fragen. Näheres nach der Auswertung in ein paar Tagen.

  • Timotheus 2008 von Tscheppe-Eselböck für 20,90 Euro bei Vinoble
  • Timotheus 2007 in Aktion für 15,93 Euro bei Grüne-Veltliner.de

CaptainCork rät außerdem auch einmal einen Blick auf die anderen Weine der Woche zu werfen? Oder möchten die Matrosen lieber noch mehr über österreichische Weine erfahren?



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Kommentare 9

Kommentare

Verena di Pauli (via facebook)

den fand ich auch Hammer... einer meiner Favorits auf der Vinvinum...

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Wolfgang Maier (via facebook)

Sehr, sehr gut, der Timotheus!

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Syl (via facebook)

obwohl, rein optisch, emmeram eher mein typ ist!

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Wolfgang G

an sich gehe ich ja mit den AUT tipps vom captain sehr konform, wolfgang seher ist seit jahren einer meiner absoluten favoriten (bei 2009 bin ich mir nicht so ganz sicher, also mit stand 05/10 bez. der weine unter dem nussberg)!
, GV federspiel loibenberg 09 von der domäne ist großartig etc.
aber bei dieser empfehlung mache ich nicht mit.
jung, dynamisch, attraktiv, cafe del mar (leo di caprio und anderen in der umgebung eisenstadt kursierende legenden)... nein danke! da fahre ich eine ortschaft weiter und geh zum HENNRY, noch nicht zertifiziert und auch nicht bio.dynamisch aber die beiden gefallen mir optisch und von den weinen und deren preis/leistung her um längen besser!
und trotzdem, gut dass es tscheppe-eselböck in oggau gibt, in dieser ortschaft bräuchte es mehr auf ihrem niveau, die lagen gäbe es her.

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Erster Offizier

Wer ist Henry?

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Wolfgang G

der hennry(NN!), das ist der gernot, schreiner! mandelbaum, gemärk, rodolith, hennry ich empfehlei sie nicht gerne weiter, die weine sind fast zu günstig... aber dieser blog verdient es sich, und der hennry sowieo!

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Mister Spuck ... ist stimuliert

Jetzt aber: Wir wollen HENNRY kosten!

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That's well known that money can make people free. But what to do when someone doesn't have money? The only one way is to try to get the business loans and sba loan.

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