Zwei Weine am Tag, so wird das Schädelweh nie weggehen. Aber nach der dicksten Weinmesse, die der Captain dieses Jahr erlebt hat, nach dem Dauerbesuff bei der VieVinum in der Hofburg zu Wien, da braucht man schon eine Wagenladung Aspro um sich wieder gerade zu kriegen. Der Captain spuckt ja nicht, das macht der Leber zu schaffen. Und die Leber sagt es dem Kopf.
Egal, da muss der Captain durch. Bei der VieVinum hat der Captain auch einen alten Bekannten wiedergetroffen, den Timotheus vom Weingut Tscheppe-Eselböck (Gut Oggau). Die Familie Eselböck ist ein nordburgenländischer Clan rund um den Pop-Koch Walter Eselböck (Restaurant Taubenkobel: zwei Sterne, vier Hauben/Mützen), der die pannonische Küche neu eindeckte und interpretierte. Heute führt die Familie in Sippenstruktur (Wes Anderson tauglich) mehrere Restaurants und Hotels (jedes wunderbar und mega contemporary). Ein Teil dieser liebenswürdigen Regionalmafia ist das Weingut Tscheppe-Eselböck, das die Tochter Stephanie mit Eduard Tscheppe gemeinsam führt. Die Kleinfamilie unterhält auch den modernsten Heurigen der Welt (Cafe del Mar für Dich und Mich).

Noch dazu schauen beide (alle) Eselböcks unverschämt gut aus (Stefanie ist das einzig akzeptable Double von Kate Moss), die Etiketten ihrer Weine stammen von der renommierten Kreativagentur Jung von Matt und haben unzählige Preise gewonnen. Und zwar weltweit. Die Eselböcks sind ein einziger Fingerzeig des Erfolgs.
Was liegt näher, als schöne belanglose Weine zu machen, sauber, trinkfreudig, vom Boden inspiriert und in Mengen über den Tresen gehend...? Aber: nein!
Experiment biodynamischer Weinbau
Nein, so denken Frau Eselböck und Herr Tscheppe nicht. Sie haben sich dem schwierigen Experiment des ökologischen und biodynamischen Weinbaus verschrieben, machen Weine, die nicht auf den ersten Blick zu verstehen sind. Allerdings muss man sie auch nicht groß erklären, sie erklären sich von selbst.
Der Captain macht den Timotheus 2008 zum Wein der Woche (alle Weine tragen die Namen einer imaginierten Familie - ganz Eselböck, ganz Clan), den Weißwein der eleganten Elterngeneration. Der Timotheus ist eine Cuvée aus Weißburgunder und Grünen Veltliner, beide nicht unbedingt populäre Sorten im Burgenland. Die Cuvée wurde ein Jahr im großen Eichenfass ausgebaut und versteht sich als Wein für selbstsichere Genießer, also für verständnisvolle und experimentierfreudige Trinker, wie der Captain (manchmal) einer ist.
Unbehandelt, schwer und opulent
Im Glas ein mittelgelber, leicht ins Ocker tendierender Wein. In der Nase der dunkle und angenehm dumpfe Ton unbehandelter Weine, leicht oxidativ, ruhiges Holz, Kräuter, Pfeffer, Haselnuss, Kuchen, Opulenz, etwas Haarspray (Drei-Wetter-Taft > die Säure grüßt), etwas Mandel, dann wieder (wärmer geworden) massiv grüne Wiese mit leicht bitterer Note. Animierend.
Im Mund eine präsente fast durchsichtige Säure. Dahinter aber wieder Nusstöne, dunkle Schwere, Sand, etwas Schiefer, Gesetztheit, Fülle, Kraft, langer Nachklang. Wer jedoch einen frischen säurebetonten Trinkwein erwartet, landet am falschen Flughafen. Wie bei fast allen Weinen von Tscheppe-Eselböck.
Der Wein muss ins große Glas
Der 2009er wird (dem Jahr entsprechend) etwas mehr Druck am Gaumen haben. Beide Jahre eigenen sich gut für lange Lagerung. Einer der außergewöhnlichen Weine, die der Captain dieses Jahr getrunken hat. Geht nur im großen Glas (Burgunder) und polarisiert sicher über alle Maßen. Notwendiger Diskussionsstoff.
Der Captain startet heute eine Umfrage über biologischen Weinbau. Die Winzer unter den Matrosen erhalten vom Captain ein Schreiben und der Captain bittet um ehrliche Antworten zu gängigen Fragen. Näheres nach der Auswertung in ein paar Tagen.
- Timotheus 2008 von Tscheppe-Eselböck für 20,90 Euro bei Vinoble
- Timotheus 2007 in Aktion für 15,93 Euro bei Grüne-Veltliner.de
CaptainCork rät außerdem auch einmal einen Blick auf die anderen Weine der Woche zu werfen? Oder möchten die Matrosen lieber noch mehr über österreichische Weine erfahren?







Erschöpft aber glücklich. Kate Moss und ihr Mann. Hinten die preisgekrönten Flaschen 





den fand ich auch Hammer... einer meiner Favorits auf der Vinvinum...