Mosel, das heißt Weinbau in Steillagen. Steillagen, die von Schiefer geprägt sind. Die Steillagen von Markus Molitor lesen sich wie das „Who is Who" der Abhänge: Erdener Treppchen, Ürziger Würzgarten, Wehlener Sonnenuhr. Beispielsweise. Hier kann man Moselterroir studieren. Und Moselweine verstehen lernen.
Mir gefällt Molitors absolutes Bekenntnis zur Spontangärung und sein Verzicht auf alle kellertechnischen Maßnahmen, die die Aromen der Säfte beeinträchtigen könnten. Und seine Weine können altern. Vielleicht lässt sie dieses Potential in der Jugend eher ungestüm erscheinen.
Leider ist Geduld für viele Weintrinker eine unüberwindbare Hürde. Und das ist auch verständlich, denn Tag für Tag steigt die Vorfreude auf erworbene Spitzenweine. Auch ich ertappe mich gelegentlich in einem Rausch der Vorfreude und trinke Weine, die von ihrem Höhepunkt oft noch weit entfernt sind. Nur sollte man von jenen Weinen mehr Flaschen im Keller haben.
Freude am Altern
Den Alterungsprozess mitzuerleben, gehört wohl zu den spannendsten Angelegenheiten dieser genussvollen Materie und ist für ein richtiges Weinverständnis zwingend erforderlich. Klingt dogmatisch. Muss dogmatisch verstanden werden. Oder: Wat mutt, dat mutt.
Da wäre es von Vorteil, wenn manche Produzenten ihre Weine später auf den Markt bringen würden. Einige wenige leisten sich schon jetzt diesen Luxus. Markus Molitor zum Beispiel. Seine länger gelagerten Weine tragen den Titel "Edition". Aktuell ist die Edition 2 am Markt. Sie stammt aus dem Jahr 2003.
Was zeichnet einen guten Winzer aus? Beispielsweise gute Qualität in einem schlechten Jahr zu keltern. 2003 gilt in vielen Ländern der Weinwelt als großartiger Jahrgang. Ich sage: Es war ein schlechter Jahrgang. Ein heißes Jahr, dessen Weine flach, einfach und üppig ausfielen. Und tatsächlich waren sie in ihrer Süße und Hitze schon sehr früh sehr zugänglich und leicht verständlich.
Den meisten Moselrieslingen aus 2003 mangelt es an Säure. Die wenigsten (auch hier gibt es Ausnahmen) kann man heute noch trinken. Kein Riesling aus 2003 sollten noch lange aufgehoben werden.
Molitors Riesling für die Edition 2 wurde in der Nacht gelesen. Einfach nur weg von der Hitze. Das Ergebnis lässt sich schmecken: Ein offener und schon reifer Riesling. Ganz große Klasse, ein Wein, der jetzt viel Freude bereitet. Die Trauben für diese feinherbe Spätlese stammen aus der Lage „Zeltinger Deutschherrenberg".
In der Nase reife Rieslingsnoten und ein leichtes Petrol. Wunderbar ätherisch. Im Hintergrund ganz deutlich Rosenblüten und ein zarter Duft nach weißen Pfirsichen. Im Mund dann ein knisterndes Spiel aus Süße und animierender Säure, die uns bei diesem restsüßen Wein eine elegante Trockenheit vorgaukeln. Eine schöne Länge mit einem weichen und beerigen Finale hinten im Hals. Recht konzentriertes Trinkvergnügen aus einem schwierigen Jahr. Und ein weiterer Beweis des Konzeptes "aging". Dazu wird sich der Captain heute noch mit einem Beitrag melden.
Ich wünsche mir, dass mehr Winzer der Idee Molitors folgen und ab und zu Weine auf den Markt bringen, die perfekt gereift sind. Noch dazu für diesen Preis.
- Molitors Riesling Edition 2 (12 % Alkohol) ist ab Weingut für 16,90 Euro erhältlich. Der Webshop funktioniert bei diesem Wein nicht, man muss eine Mail schreiben. Oder anrufen. Aber man muss!
Und als Service für österreichische Matrosen: Das Weingut Molitor verschickt ab 120,00 Euro Einkausvolumen frei Haus auch in die Alpenrepublik.
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Manches sollte etwas länger liegen bleiben... 





Molitor bietet durch alle Linien ein gutes Preis-Leistungsverhältnis und das mit moseltypischem Charakter!