Riesling ist teutttsch (schepper-rassel-klirr). Nun gut, a bisserl östdarreichisch ah no, gell? Und ein paar Meter Elsaß und Luxemburg. Auch ok. Was die da unten in Australien machen, ist sowieso nur Kinderspiel. Aber Riesling ist kein Zentimeter italienisch, da möge der Herr der Reben abhelfen.
Den "Riesling Italico", den Welschriesling, den kann sich der Italiener gerne behalten, den kennt man aus dem Burgenland und Ungarn fetter und besser. Das Zeug verwendet der Captain nicht mal zum Spülen. Nun hat aber der italienische Maat Silvio (nein, nicht der alte, geile Zwerg) dem Captain einen Riesling auf den Tisch gestellt (zur exzellenten Zahnbrasse - "Dentritsche", wie der "Idaljener" sacht), einen Riesling mit Suchtfaktor, den Riesling "Hérzu" (österreichisch-umgangssprachlich als Aufforderung zum Zuhören) aus dem Jahre 2007 von Ettore Germano . Na, wie soll der Typ sonst heißen, wenn er Riesling anbaut...?
Die Brüder Ettore und Sergio Germano sind traditionelle Weinbauern in Serralunga d´Alba in der Langhe im Piemont. Beim Rotwein fahren sie auf der sicheren Schiene, immer guter Stoff, immer moderate Preise, nie zu auffällig, schon gar keine Winzerstars. Man hat seine Klienten. Und die behält man nur, wenn man sich nicht wichtig macht.
Riesling vom Germano: echt fett
Beim Weißwein aber, scheint die Germanos der Experimentierwille zu reiten. Man hat ja wenig Weißweinreben, da fällt nicht weiter auf, wenn es komisch schmeckt. Zum ortsüblichen Chardonnay hinzu hat Ettore Germano 1995 auch einen Hang Riesling angebaut. Mal sehen, was dabei rauskommt, wird er sich gedacht haben. Einen Teil der Erträge cuvéetiert Germano mit dem Chardonnay ("Binel" heißt die Cuvée - auch ein interessanter Wein), meist geht der Riesling aber seinen Weg in die Reinsortigkeit.
Im Glas ein fetter, etwas dunkler Saft, dickflüssiger, als deutsche Rieslinge. In der Nase sofort die Extreme, extremer Zitrusduft, frisch, hart, spritzig. Dann Extrem mineralisch: kalter Stein im Morgengrauen. Kiesel, Granit, etwas Grabstein (an dem vom Opa hat der Captain immer als Kind geleckt - das hat er sich gemerkt, siehe@ David Sedaris). Alle Düfte einzeln auftretend, doch miteinander harmonierend. Selten sowas.
Im Mund dann das, was der Captain das Coche-Dury-Syndrom nennt. Wenn der Captain bei sich das Coche-Dury-Syndrom feststellt, dann muss der Erste Offizier die Kreditkarten des Captain beschlagnahmen und an einem sicheren Ort verwahren. Sonst gibt es beim Einkauf kein Halten mehr. Der Hérzu ist extrem lecker, elegant mineralisch mit Charakter und Fett (14 % Alkohol). Das muss eine Klimafrage sein. Und tatsächlich, die Reben stehen auf sehr hoher Lage (über 500 Meter) und sind im Herbst (wenn sie nicht weggehagelt werden) ordentlichen Klimaschwankungen ausgesetzt. Maat Silvio (er war am Weingut) erzählt, dass es im Oktober in der Nacht bis auf 4 Grad kalt werden kann. Und unter Tags geht die Temperatur bis auf 20 Grad hinauf. Das ist es, was den Hérzu so einzigartig macht.
Kalt/Warm = Ausnahmewein
Wer freilich wieder hundert Kräuter schnüffeln und am Gaumen den Anklang von einem katalanischen Holzboden finden will, der ist mit dem Hérzu schelcht bedient. Der Wein kann nur Kalt-Warm. Das aber großartig, in den Extremen zuspitzend und herrlich Freude machend. Nachteil: Es gibt den Wein kaum. ("Hehe", sagt der Erste; "Mist", sagt der Captain). Dabei ist er auch noch günstig.
Danach hat der Captain noch den 2008er getrunken, etwas weniger Fett und elegant, dennoch der Beweis, dass die Einzigartigkeit des Hérzu auf seine Lage zurückzuführen ist. Ein großartiger Wein. Hérzu, ick denk an Dir hier in Berlin.
- Ettore Germano wird in Deutschland von Vivinum importiert. Wahscheinlich kann man dort bald den Hérzu in etwas größerer Menge (also ab 12 Flaschen) bestellen. Der Preis sollte zwischen 13,00 und 15,00 Euro ankern. Nicht viel für einen großen Wein.
Der Captain schaut fern. Und zwei Kellnern beim Philosophieren zu.
Hier gibt es außerdem noch mehr über hervorragende Weine aus Italien zu erfahren.







Nicht Serralunga, nicht Piemont, nicht Germano. Und auch nicht Riesling. Aber ein gutes Bild 






Verstehe die Frage nicht, ob "der Italiener" Riesling "darf". Gehören denn Südtirol, Friaul, Oltrepò Pavese etc. jetzt plötzlich nicht mehr zu Italien?