Vorweggenommen: Vielleicht war der Captain nur deshalb so begeistert, weil er den Grünen Veltliner völlig anders kennt. Vielleicht war der Captain begeistert, weil er die Sorte gleich erkannte. Und sofort das Andersartige roch. Das ist ein Veltliner wie kein anderer, den der Captain je trank. Und es wird wohl daran liegen, dass dieser Wein in der Pfalz gekeltert wird. Nix Wachau, nix Kamptal, nix Weinviertel. Pfalz. Deutschland.
Der Grüne Veltliner ist eine Erfolgsgeschichte. Die weltweit dramatisch gering ausgepflanzte Sorte ist praktisch nur in Österreich bekannt. Dort wird sie seit Jahrhunderten meist ohne große Ambitionen als normaler Schankwein für die Gasthäuser ausgebaut. In der Wachau nahm die Kultivierung des Grünen Veltliners in den 50er Jahren des vergangenen Jahrhunderts ihren Anfang. Mittlerweile fertigt man Veltliner von Format selbst im kühlen Weinviertel, das in den letzten Jahren deutlich von der Klimaerwärmung profitiert.
Die fetten und aromatischen österreichischen Veltliner konnten in einer legendären und unveröffentlichten Feinschmecker-Verkostung Anfang des letzten Jahrzehnts sogar hochangesehene französische Burgunder auf die Plätze verweisen. Spätestens dann begriff Österreichs Weinwirtschaft, welche Perle da auf ihren Feldern wächst.
Doch Umsiedelungsversuche des Veltliner gehen selten gut. Der Captain trank ein paar todlangweilige Veltliner aus dem Burgenland, allesamt hochphilosophiert, aber alle am falschen Ort ausgepflanzt. Findige Winzer, wie etwa der gestern vorgestellte Thomas Schwarz aus Purbach, mischen ihre Veltliner mit einer aromatischen Sorte (in diesem Fall mit Rotem Muskateller). So kann man das Zeug auch ordentlich trinken.
Doch Veltliner in Deutschland? Der Captain hatte davon gehört. Und auch schon die eine oder andere Flasche getrunken. Jedem deutschen Veltliner fehlte aber die Fette, die der Captain am Veltliner mag. Und wenn ein Veltliner nicht fett ist, dann muss er wenigstens spritzig sein. Doch auch hier Fehlanzeige. Bei den Deutschen. Bis Herr Klein eine Flasche in die Post tat; seine Flasche Veltliner aus der Pfalz.
Der junge Winzer Peter Klein bewirtschaftet das Gut in Hainfeld (ein mega-österreichischer Ortsname übrigens) in der 14. und 15. Generation. Die Leute wissen also, was sie tun. Ihr Veltliner ist ein österreichischer Klon, der direkt aus der Wachau geholt wurde. 2009 ist das dritte Standjahr dieses jungen Weingartens. Dieser Veltliner ist der erste, der gefüllt wurde. Eine Premiere.
Was für ein Unterschied: Im Glas ein heller Wein mit leicht grünen Tönen. In der Nase der typische Veltlinergeruch, ausgeprägter als in Österreich. Ausgeprägt aber auch ein hoher mineralischer Ton, etwas, was man in dieser Art aus Österreich nicht kennt. Das so genannte "Pfefferl" (die typisch würzige Veltlinernase) bleibt am Anfang verhalten und kommt erst nach 15 Minuten zum Vorschein. Dieser Wein muss in die Dekantierkaraffe.
In der Nase danach deutlich vegetabile Noten: Erbse, Sellerie, Steinfrucht, etwas Aprikose (Marille), etwas Rauch. Doch immer immer wieder ganz stark und präsent: die Mineralität. Enzigartig.
Im Mund dann die Fortsetzung des Bodentransports. So einen Veltliner hat man in Österreich noch nicht getrunken. Kalk, Granit, etwas Schiefer, helle, kräftige Töne. Dann wieder Erbse, Zitrone, Hummerbisque, Heu, Kamille, Sommerwiese in großer Hitze. Und Stein. Mehr Stein, mehr Fels als Erde. Und das jetzt schon. Im dritten Jahr. Was, wenn die jungen Reben später in die tiefe greifen? Eine Mineralbombe?
Am Gaumen dann die einzige kleine Enttäuschung. Der Wein bleibt nicht lange. Das ist seinem Alter geschuldet, die Reben sind Kleinkinder. Man kann keine richtig ausgefüllte Rechenaufgabe erwarten, wenn sie gerade erst sprechen lernen.
Trotzdem ist der Wein hoch anzuraten. Vor allem den Österreichern in Captains Mannschaft. Der Veltliner von Peter Klein ist eine Bereicherung längst tradierter Kenntnisse. Und ein Beweis, was Boden und Klima ausmachen. Den Deutschen in des Captains Mannschaft sei gesagt, dass dieser Veltliner ein aussergewöhnlich mineralischer Sommerwein ist, den man nicht alle Tage trinken wird. Dafür gibt es zu wenige gute deutsche Veltliner. Der hier ist mehr als eine Ausnahme, er ist ein Vergnügen.
- Grüner Veltliner von Gerhard, Sieglinde und Peter Klein für 12,50 Euro nur ab Weingut direkt.
Der Captain empfiehlt außerdem noch weitere hervorragende deutsche Weine und noch mehr Weine der Woche.







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da schau her. Ein empfehlenswerter Veltliner aus Deutschland. Wusste nicht, dass es sowas gibt.
Sehr interessant. Wieder was dazu gelernt.
lg
el hottino