20.08.10 WEINE 13 Einem Freund senden

Lasst den Pilz ruhig seine Arbeit tun!

Hans Altmann vom Weingut Jamek. Nachdenken über Boytritis...Hans Altmann vom Weingut Jamek. Nachdenken über Boytritis...

Der Captain ist weg, schon über eine Woche. Und er lässt seine Adjutanten ran, ein Stab Weinenthusiasten, die gerne Schriftsteller geworden wären (der Captain nimmt sich da nicht aus). Das scheint ganz gut zu klappen, dennoch wünscht man sich den Captain wieder an Bord zurück, gerade angesichts der Ausführungen von Maat Clemens Mally, der doch ein etwas zu einfaches Weltbild pflegt. Das zeigt sich vor allem in seinen Attacken auf das Weinbaugebiet Wachau und deren Traditionswinzer.

Ein Kommentator auf der Buchegger-Seite bezeichnet Maat Mallys Ausführungen polemisch als "Halbtags-Rust-Fachwissen". Rust ist eine Fachschule im österreichischen Burgenland, eine Akademie, die sehr viel zur Förderung des neuen österreichischen Weins beigetragen hat, wie er in Deutschland gerne getrunken wird. Deswegen ist dem Captain manchmal das Halbwissen einer guten Akademie mehr wert, als ein stolz vor sich hergetragenes Fachwissen, das sich keiner Korrektur stellen will. Wie es ihm in Deutschland sehr oft begegnet.

Hier genau setzt auch Maat Mally an, ein wütender Mann (wahrscheinlich jung), der seinen Finger auf eine Wunde legt. Und auch erkannt hat, dass man auf Captains Schiff mit radikalen Positionen gut im Wind liegt. Nur was sagt der Captain?

Hütet Euch vor den Weinideologen

Der Captain hüllt sich in Schweigen. Er ist ja auch auf Urlaub. Und vielleicht gefällt es dem Captain, wenn sich auf seinem Schiff auch andere Radikale breit machen. Er selber will vielleicht nicht der einzige Radikale bleiben. Das soll bitte keine Kritik sein, wir alle hier an Bord genießen den täglichen Gang in die Kombüse, wo immer eine gute Flasche wartet. Doch gehen uns die Dialoge mit dem Ersten Offizier ab. Da machte streiten noch Sinn. Der Captain soll bitte den Maat Mally öfter mal in die Kombüse zum Streiten holen. Dann würde dieser seine Positionen eventuell überdenken.

So zum Beispiel die Position zur Edelfäule, dem Pilz Botrytis, den Mally offenbar für den alleine Schuldigen hält, wenn es um fette und alkoholreiche Smaragde aus der Wachau geht. Mally hat Recht, wenn er manche Entwicklung in der Wachau kritisiert. Und die Wachau bezahlt manche Entwicklung auch mit gesunkenem Kaufinteresse. Zumindest verschwindet die Wachau, wie auch das Elsass, aus der Aufmerksamkeit junger Weinkonsumenten. Wir hier in Deutschland sehen das sehr genau. Da ist das Weinviertel inzwischen ein größerer Begriff für Österreich. Und die Steiermark sowieso.

Man hängt den Pilz. Man hängt den Falschen

Mally mach also an der Botrytis fest. Anstatt nur die generelle Unkultur zu geißeln, die Weine so zu keltern, dass sie einem Fachpublikum schmecken. Und nicht den Menschen. Das ist ja das eigentlich Bedauerliche an der Entwicklung. Mallys Botrytis-Bashing ist aber grundfalsch, denn man hat in der Wachau mit der Botrytis über Jahrzehnte gut umzugehen gelernt. Und ich kann Maat Mally etliche Beispiele gelungener Weine mit Botrytis geben. Aus der Wachau. Und von anderswoher.

Botrytis entzieht der Traube Feuchtigkeit. Und macht den Saft süßer und konzentrierter. Rechtzeitig gelesen kann Botrytis aber auch zu einer gewünschten Geschmacksverdichtung führen, zum Eindruck eines kräftigen Weines. Gerade gealterte Rieslinge und Veltliner der Wachau beweisen, wie sehr ihnen Botrytis geholfen hat, die Jahre glänzend zu überstehen. Ich verweise auf manche 1991er und 1993er Smaragde vom Weingut Knoll in Unterloiben. Oder auf 1998er von F.X.Pichler (den Mally ja nur zu gerne angreift).

Im Alter tut Botrytis gut

Nein. mit Botrytis beschuldigt man eine regionaltypische Erscheinung an einem neuen Weinstil Schuld zu tragen. Schuld tragen aber vor allem jene Verkoster, die den fetten und alkoholreichen Smaragden aus der Wachau über Jahre nur gute Noten gegeben haben. In guten und in schlechten Jahren.

Und Maat Mallys Not kann ganz schnell gelindert werden. Statt Smaragde soll er eben die leichteren Federspiele (zwischen 11,5 und 12,5 % Alkohol) kaufen. In dieser Gradation wohnt der schlanke und bekömmliche Wein, den Mally zu Recht sucht. Und selten findet. Doch er wird auch in diesen Fedespielen noch "ungesundes" Traubenmaterial finden, Beeren mit Botrytis. Dennoch sind es gute Weine. Bei den Auslesen und Trockenbeerenauslesen ist uns Botrytis als Helfer willkommen; bei den Smaragden und Federspielen jedoch wird Botrytis als Krankheit verpönt? So einfach ist es dann doch nicht.

Drei mal gute (und geringe) Botrytis

Hier noch drei gute Beispiele hervorragender Federspiel-Weine mit geringer aber merkbarer Botrytis, die im Jahr 2009 durch den Septemberregen beste Bedingungen fand.

  • Jamek, Riesling Federspiel 2009, Ried Klaus. Ein sehr schöner Wein, viel Orange und Zitrushonig. Reif und trinkfreudig, nahezu opulent. Für 19,82 Euro bei Wein&Co
  • Schmelz, Grüner Veltliner Federspiel 2009, Loibner Gärten. Sehr fruchtig, viel Pfirsich, Steinobst, kräftige Minerale, auch noch lagerfähig. Für € 8,90 bei My Wine
  • Högl, Riesling Federspiel 2009, Ried Bruck. Fantastisch frische Nase, viel Weingartenpfirsich, etwas Exotik, etwas süß im Abgang, langer Nachklang, sehr eigen. Für 13,80 Euro bei Döllerer

Der Captain und die Mannschaft betonen (wie immer), dass sie an keiner verkauften Flasche auch nur einen Cent verdienen. Auch geben sie keine Garantie für einen Bestpreis oder Ähnliches. Die Empfehlungen sind rein journalistischer Natur.

Außerdem empfiehlt der Captain seinen Matrosen auch einen Blick auf andere Weine aus Österreich zu werfen.

 



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Kommentare 13

Kommentare

pivu

Es gibt großartige Weine mit Botrytis (manches, nicht alles, von FX oder Reinhard Löwenstein in D), und noch viel mehr "brandige", unharmonische Weine OHNE Botrytis, die dennoch hochgejubelt werden (Beispiele nenn' ich hier keine.) Jemand anderer sagte schon, auf die Harmonie käme es an, mir ganz besonders auf die Trinkigkeit.

Im genannten Federspiel Segment präferiere ich (und nicht nur ich) Rieslinge aus D, z.B. von Racknitz von der Nahe, pure Mineralik, klar, zwischen 11,- (Gesteinsweine) und 15,- (Lagenweine). So etwas gibt es nicht in Ö zu diesem Preis.

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Der Captain (aus Italien)

Racknitz ist auch bei mir ein sicherer Kandidat für höhere Weihen..

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Oscar Szemes

Jawohl! Auf so einen Post habe ich gewartet. Ein Hoch auf den Adjutanten!

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Matthias Zustimmung

Der Racknitz Riesling vom Vulkangestein ist wirklich ein toller Riesling in dieser Preisklasse. Nachdem ich vor 2 Wochen den 08er getrunken habe ist Racknitz ab sofort auf meiner "Watchlist".

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Clemens Mally aus Marseille

Sehr geehrter Herr Kueppersbusch - verzeihen Sie mir eingangs die Fehler die sich in meinem Text einschleichen werden, ich schreibe Ihnen gerade von einer franz. tastatur die ich noch nicht gewohnt bin.

ich weiss nicht wie gut genau Sie die oesterr. weinszene kennen bzw. die der wachau. ich weiss auch nicht ob sie meinen letzten artikel gelesen haben in dem es um eine ganz grosse persoenlichkeit dieser szene geht und ich auf den enormen einsatz v. edelfaulem traubengut hinweise.

wie ich meinen bericht jedoch in erinnerung habe schrieb ich dass botrytis positiv sein kann, die ganze gradation jedoch nicht.

wenn man jetzt die rueckenetikett eines honivogls 2008 betrachtet, wird man feststellen dass er bis in den dezember gelesen wurde. wenn ,an ihn kostet wird man erkennen dass da vielleicht sogar alles an gesunden trauben herausgelesen wurde und dass das zeug jetzt schon alt schmeckt und dazu noch 14,5 alkohol aufweist.

wenn ihnen und ihren verkosterkollegen das schmeckt waere ich ihnen durchaus dankbar wenn Sie uns das zeug wegtrinken. ich werde die noetigen kopfwehtabletten und guten wein, wenn sie diese, ueberdruessig sind zur verfuegung stellen.

ein gutes beispiel fuer botrytis sind fred loimers rieslinge vom seeberg im kamptal. so kann es naemlich im gegensatz zu ihren empfehlungen schmecken wenn das zeug reif und mit GEKONNTEM einsatz produziert wurde. dann hauts mit der sponangaerung auch wieder hin, auch das werden sie bei ihren empfehlungen vergeblich suchen.

in bester urlaubsstimmung und freundlichsten gruessen,

clemens mally

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Der Captain (aus Italien)

Bin begeistert. Ein echtes Match..

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Juppi nachdenklich

Dann muss ich wohl mal ne flasche Honivogl 08 aufmachen und probieren.
Der muss gut sein. schließlich war ich beim lesen dabei ! :-)

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Helmut O. Knall

möcht nur anmerken, dass ich das mit dem Wein-Halbwissen nicht Maat Wally (hab den Captain und seine Crew ausgenommen) gemeint habe, sondern die Etiketten- Trinker etc.

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Gast

diese diskussion ist sehr entbehrlich -
1. wem das nicht schmeckt der braucht es nicht trinken
2 wer jetzt Honivogl 08 trinkt ist aus meiner sicht ein
Kindermörder oder wie gesagt ein etikettentrinker-
auch ein schönes federspeil erreicht meist erst nach 12
Monaten seinen höhepunkt und um dem gleich
vorauszuschicken das ist subjektiv gemeint ohne mein
fachwissen einzubringen.
3 die vergleiche von GV und RR zeugen auch nicht gerade von
grossem weinverständnis
4 ich hab noch nirgends gelesen, dass botrytis kopfweh
verursacht- dann könnte man ja die tollen (aus Ö +De)
weltklasse prädikatsweine wegschütten !

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Juppi

an den werten Gast : wer jetzt 08er HV trinkt: hat genug davon im keller liegen und ihm macht es spaß die entwicklung nachzuvollziehen. Die MAG muss aber noch warten :-)
Und wer bitte schön ist nicht in irgendeiner Form ein Etikettentrinker? Die Faszination eines Honivogl, der dicken Toskaner, eines teuren BDX oder eines Egon Müller-Weins. Das fängt schon an mit der Vorfreude auf den Wein. Klar gibt es Weine die genausogut sind, einen überraschen und dann faszinieren, aber da fehlt eben die aura.

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Clemens Mally

verehrter herr gast,

beides sind sorten die in oesterr. sehr verbreitet sind und in der wachau genauso, beide haben gelegentlich grosses lagerpotenzial.

federspiele sind weine in der kabinetkategorie, nimmt man jetzt deutsche vorbilder her wird mir sicher jeder zustimmen dass solche sehr lagerfaehig sind.

warum dass im so heiss diskutierten donautal nicht so ist: sogar in der federspielkategorie findet sich faeulnis, das aktuelle rote tor von hirtzberger wurde lt. etikette erst im noveber gelesen. und das in einem botrytisjahr wie 2009 in dem schon ende september smaragde gelesen wurden.

Juppi, verderben sie einen Egon Mueller nicht mit dem Namen eines Hirtzbergers, die glaenzen durch andere Attribute, sind in der Jugend allerdings vor lauter Reduktivitaet wirklich sehr schwer zu trinken.

Was am oesterr. Rotweinsektor passierte (schlanke trinkfreudige, elegante Weine wurden int: besser als die altbekannten Kraftlackeln bewertet) wird auch vor der Wachau keinen Halt machen!

Ein Umdenken, weg vom Konventionellen daher erforderlich sein.

Prost aus Marseille,

Clemens Mally

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Gast

das ist mir zuviel blödsinn : sm -weine sind ein verschwindend kleiner teil zu fed und stf
2008 gab es in vielen betrieben gar keine sm vor allem bei RR
zu botr zucker etc... :
bitte statuten der vinea wachau lesen oder mal die zahlen
auf der österr wein hp anschauen .
ich werd auch hier bei diesem wein - kaffeekränzchen nichts mehr zum besten geben, denn da fehlt mir ein seriöser tiefgang. böse gesagt die cpt cork besatzung kann der
klabautermann holen!

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Markus nachdenklich

liebe leute,

lassen sie doch mal die kirche im dorf!

sicher geht der maat da eine sehr starre und extreme haltung ein.

nichts desto trotz bewegt sich ziemlich viel in der wachau in die falsche richtung und damit hat er doch auf eine fast perverse art recht!

ich denke sogar dass sich diese verwaschene linie international leider etablierte und dass auch deswegen so produziert wird..

mfg aus der pfalz,

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