Sauvignon Blanc - die vielfältige Stilistik dieser Rebsorte beschäftigt momentan die ganze Welt. Es ist die Weißweinrebsorte der Jetztzeit. Und sie ist so wichtig, dass sogar Weine, die nicht aus dieser Rebsorte gemacht sind, so riechen und schmecken, wie hier am Schiff schon mal polternd festgestellt worden ist.
Ja, sogar die Loire als Heimat des Sauvignon Blanc hat sich stilistisch der leichten Trinkbarkeit zugewandt. Die feurig-harschen, rauchig-speckigen Varianten, die vor 20 Jahren gehandelt wurden, sind Geschichte. Simple, klare Frucht mit penibel polierter Oberfläche kommt bei Konsumenten einfach besser an. Was soll's, der Kunde hat Recht. Auch die Steirischen Winzer konnten früh erkennen, was der einfache kleine Mann wollte. Wenig Alkohol mit viel Frucht und eingedämmt präsente Säure. Ein Widerspruch in sich. Keiner könnte das trinken ohne einschneidende Säureregulierung, besonders nicht aus dem Jahrgang 2010. Die hohen Preise nimmt man da schon mal in Kauf für solche Dreh & Trink-Weine. Auch Deutsche Winzer fühlen sich zu dieser Sorte hingezogen. Pfalz, Rheinhessen, da gibt's schöne Beispiele. Philipp Kuhn fällt mir gleich ein.
Aber ich berichte heute lieber aus einer unpopulären Gegend in Österreich, dem Weinviertel. Dort beobachte ich seit mittlerweile fast 10 Jahren einen Winzer aus dem verschlafenen Platt, welches in der Nähe von Retz liegt und sage und schreibe 440 Einwohner beherbergt.
Großes ohne große Gesten
Auskenner der Szene wissen, dass ein Norbert Fidesser dort zu Hause ist, der schon länger ganz passable Weine macht. Anfangs begeisterte mich immer wieder der Weißburgunder vom Seher, dann kam der Sauvignon Blanc dazu. Nicht, dass die Grünen Veltliner weniger erwähnenswert wären, aber Wolfgang Seher, der schluffige Protagonist, widersteht erfolgreich der Versuchung, so schnell wie die Welt um ihn herum sein zu wollen. Auch Mobiltelefone werden eher verachtend erwähnt. Er überzeugt mit einer wunderbaren Mischung aus Ernsthaftigkeit, Sentiment und Leichtigkeit auf eine eigenwillig widerständige Art. Weine mit großen Gesten von einem Mann, der ohne die auskommt.
Sein Sauvignon Blanc Faustberg 2010 ist kaum zu kategorisieren. Er ist listiger, variabler und brillanter als die Steirischen, die ich kenne. Und das sind viele. Herrlich, wie das pompös pulsierende Fruchtspiel von roter Ribisel zu schwarzer Johannisbeere übergeht in das ganz zarte, schwelgerische Gemüsebeet, angeführt vom Tomatengarten meiner Oma, in dem ich mich im Sommer oft versteckt habe. Im Hintergrund subtil illustriert von gebackenen Holunderblüten mit Preiselbeerschaum. Nie überfrachtet aber doch zugespitzt. Alles fühlt sich so vertraut an, der süße Hauch von Reife. Dabei gebärdet sich hier gar nichts süß oder anschmiegsam.
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Von hinten aus dem Wingert komme ich her.. (Fotos: Weingut Seher) 





Bei der Überschrift muss ich immer an das ungute Metternich Zitat: "Wir brauchen keine Genies, wir brauchen nur gute Untertanen, die ihre Pflicht erfüllen". Hoffe, der Wein weckt positivere Assoziationen.