Als sich die Familie Kracher Ende der 1980er Jahre die natürlichen Gegebenheiten der Region um den österreichischen Neusiedlersee zunutze machte und einer der weltweit führenden Süßweinproduzenten wurde, war das etwas Neues. Sicher, es gab die deutschen Trockenbeerenauslesen, die französischen Sauternes, die ungarischen Tokajer. Aber die kosteten alle richtig viel Geld. Die Kurse, welche die Krachers dagegen ausriefen, waren fast sozial.
Natürlich ist das Kracher-Konzept (mehr dazu hier) damit extrem verkürzt. Der selige Alois Kracher war ein Visionär. Aber mir geht es hier um das Prinzip. Denn nicht nur um den Neusiedlersee ist das Klima günstig für ein solches Projekt - ein reines Süßwein-Weingut. Das gibt es auch in Deutschland, sogar schon länger als das Weingut Kracher. Und obwohl es nicht unbekannt ist, werden die Weine von Winfried Frey und seinen Söhnen selten besprochen.
Kein Essig aus Essingen
Essingen ist nicht der Nabel der Welt. Und leider klingt es auch nach Essig. Leider, denn diese Assoziation habe ich immer. Mir ist da nicht zu helfen. Und der Ort liegt auch noch in einem Teil der Pfalz, der nicht besonders gut beleumundet ist. Keine guten Lagen, jedenfalls keine mit Tradition und weder alteingesessene Traditionsbetriebe noch junge, aufstrebende Güter.
Die großen Lagen braucht es aber auch nicht, wenn man Süßwein produzieren will. Und zwar von allen Sorten, welche die Landesversuchs- und Rebzüchtungsanstalten jemals erdacht haben. Wer einen Wein machen will, der in erster Linie süß schmeckt und vielleicht auch noch eine schöne Säure als Akzent braucht, der ist mit Huxelrebe, Albalonga, Ortega und Scheurebe bestens bedient. Und genau diese Art von Wein braucht man vor allem in der Gastronomie, zumindest, wenn nicht nur Sauternes auf der Karte stehen soll. Zum Käse oder zu Stopflebervariationen.
Die Karte scheint unendlich
Frey macht aber auch Süßwein aus Riesling, Muskateller, Gewürztraminer und Chardonnay, sowie hell gekelterten Rotweinsorten wie Cabernet Sauvignon, Spätburgunder und Merlot. Und alles schmeckt richtig gut. Auf 11 Hektar produziert Winfried Frey seit den 1970er Jahren diesen speziellen Weintyp. Es begann mit der Lossagung von der Arbeit in einer Kellerei und einem grandiosen Dreikönigseiswein. Heute stehen seine Süßweine auf den besten deutschen Weinkarten. Auf jener in der Traube Tonbach beispielsweise.
Freys Scheurebe Beerenauslese 2009 ist ein konzentrierter und doch sehr frischer, animierender Wein. Klar, fast puristisch bei maximaler Frucht und nur einem Hauch Karamell. Die Nase ist noch eher unscheinbar, nur von extrem sauberer Botrytis geprägt. Akazienhonig, Flieder, Ananas. Aber am Gaumen geht die Post ab. Hier wartet die Scheurebe mit einer fetten Dröhnung Cassis, Stachelbeere und Orangenmarmelade auf. Hohe Süße, die gerade von der animierenden Säure in Schach gehalten wird. Blauschimmelkäse mit fruchtigen Chutneys jeder Couleur stemmt der Wein garantiert.
- 2009 Scheurebe Beerenauslese für 18 Euro (0,75l).
Etwas feiner, konventioneller trinkt sich die 2007er Riesling Trockenbeerenauslese. Auch hier hat das Bukett etwas von weißen Blüten, warmer Feige, Tannenhonig, Aprikosenkonfitüre. Im Mund pures, warmes Aprikosenmark, dicht und cremig, mit einer kräftigen Ananassüße. Auch Rumrosinen, Feigen und Apfelkompott mit Zimt. Eine markante Säure sorgt für Frische und Ausgewogenheit. So jung schon ein echtes Erlebnis und perfekt mit buttrigem Mürbegebäck.
- 2007 Essinger Sonnenberg Riesling Trockenbeerenauslese für 60 Euro (0,75l).
Wer auf der Suche nach einem besonderen Jahrgang ist, wird bei Freys sicher fündig. Jahrgänge bis 1977 stehen auf der regulären Karte. Es sind aber noch weitere Jahrgänge verfügbar.














Sollte es nicht Essinger Sonnenberg heissen?