Das Weingut von Karlheinz Schneider und Sohn liegt an der Nahe und ist einer der feinen Mittelbetriebe Deutschlands. Der Captain beobachtet die Kollektion seit etwa drei Jahren und erkennt deutliche Unterschiede zu den Mitbewerbern auf gleicher Höhe. Ein deutlicher Unterschied ist die eigene Handschrift, die hier stärker zu Tage tritt als anderswo. Und sich fast durch alle Weine zieht. Das ist schon auffällig.
Auffälliger wird es, wenn man annimmt, dass der Junior Andreas zunehmend gestalten kann. Das spricht für den Vater Bernd und die Mutter Marion, die - wie viele aus der neuen Elterngeneration - den Nachwuchs schon früh in das Geschehen eingreifen lässt. Das ist in Familienbetrieben anderer Branchen nicht selbstverständlich.
Die Annahme entsteht, wenn man Wein für Wein probiert, vor allem die Lagenrieslinge. Bei Schneiders wird fast zur Gänze spontan vergoren und meist trocken ausgebaut. Und in den trockenen Weinen ist auch kaum Botrytis drin. Dazu noch der neue, schlanke, mineralische Stil - ganz wie es der Moderne entspricht. Die Botrytis Trauben landen dafür in den restsüßen Auslesen, gleichfalls hervorragende und günstige Weine.
Der Hammer
Aber zurück zum ganz normalen Gutsriesling. Ein Wein, der ab Hof 4,90 Euro kostet. Richtig gehört. Unter 5 Euro. Das ist der Hammer.
Was diesen Wein aber wirklich auszeichnet, ist seine sensationelle Trinkfreudigkeit. Das kann man gar nicht glauben. Der Captain konnte zur gleichen Zeit etliche andere einfache Rieslinge aus 2010 verkosten. Keine schlechten Weine, aber Weine mit hoher und spitzer Säure. Was für dieses Jahr ja nicht verwunderlich ist. Nicht so bei diesem Riesling.
In der Nase schon entschieden feine und elegant-fruchtige Töne, geprägt von Zitrone, grünem Apfel und Pfirsich. Dahinter eine Mineralität, die das Korsett des Weins bildet. Heller Stein, der dem Wein ordentlich Substanz gibt. Etwas Feuerstein, etwas rosa Grapefruit, etwas Zitronengras. Herrlich.
Besser noch im Mund. Da geht es schnell. Wieder Zitrus, eine noble Eleganz gepaart mit einer hervorragend frischen und verträglichen Säure. Ohne nachgeholfen zu haben. Was schon Molitor an der Mosel und Niewodniczanski an der Saar mit ihren 2010er machten, wurde wohl auch hier vollzogen: die späte Ernte und das Aussortieren von allen edelfaulen Trauben. So können auch 2010 hervorragende Weine gekeltert werden. Eine verdammt geringe Ausbeute, weniger Flaschen als je zuvor.
Ein Glücksfall
Der Preis? Trotzdem nur 4,90 Euro. Das kann man machen, wenn man einige gute Trauben zukaufen kann. Sonst lohnt es sich in diesem Jahr nicht. Dass dieser fantastisch-fröhliche Gutsriesling gelungen ist, ist auch ein kleiner Glücksfall.
Zu erwähnen bleibt, dass auch der 2010er Riesling halbtrocken und der 2010er Riesling trocken "Roter Tonschiefer" ganz wunderbar zu trinkende 2010er sind. Eine Überraschung auch der 2009er Spätburgunder. Wieder so ein Wein, der eigentlich teurer sein müsste. Soll uns recht sein. Einzig der Sauvignon gefiel dem Captain nicht so gut wie die anderen Weine. Trotz der erkennbaren Handschrift. Und das, obwohl der Sauvignon die erklärte Lieblingstraube des Juniors ist. Kann aber auch sein, dass der Captain einfach einen steirischen Geschmack hat. Also selber probieren. Der 2010er Gutsriesling aber ist der absolute Hammer. Man muss ihn haben. Einfach so.
- 2010 Riesling für 4,90 Euro ab Hof







Die Nahe: wieder so eine romantische deutsche Kulturlandschaft... 






kann ich unterschreiben! gestern in der kalkscheune in berlin bei generation riesling probiert, bisher war nahe für mich eher randgebiet für deutschen riesling, ein fehler! beim sauvignon war die nase vielversprechend, was danach kam leider enttäuschend ... aber gutsriesling, roter schiefer und domberg trocken (2009) waren grandioser stoff!!!