Der alte Hut sitzt in der Wachau noch immer schief. Wie wäre es, wenn man sich auf der Suche nach Authentizität und Sortentypizität auch mal in die Hände eines richtigen Wachauers begibt. Und nicht, wie die letzten beiden Male, in die Hände der Zugereisten. Sein Name: Martin Mittelbach.
Mittelbachs Weingut, der Tegernseerhof, verfügt über eine ausgesprochen lange Tradition. Der Betrieb wurde 1176 vom Kloster Tegernsee errichtet und ist seit sechs Generationen im Besitz der Familie Mittelbach. Lange genug, um als Familienbetrieb wahrgenommen zu werden. Und nicht als Geschäft der Kirche.
Bis vor geraumer Zeit bewegte sich der Tegernseerhof noch zwischen den Weinbaugebieten Kremstal und Wachau. Ein Umstand, der die Familie Mittelbach daran hinderte, Mitglied bei der etwas verknöcherten, aber immens wichtigen Vereinigung "Vinea Wachau" zu werden. Die besonders strengen Statuten dieses Vereins sehen vor, dass die verarbeiteten Trauben aller Mitgliedsbetriebe ausschließlich aus der Wachau stammen dürfen.
Ausnahmen. Für die Regel
Ausnahmen stellen hier nur kleine Mengen aus benachbarten Katastralgemeinden dar. Die wohl bekannteste Ausnahme ist die Lage Pfaffenberg bei Stein. Die Weine, die aus Trauben des Pfaffenberg gekeltert wurden, dürfen auch nicht Smaragd genannt werden. Sie tragen, wie fast überall, das Prädikat Kabinett und sind bei gleicher Qualität ein bisschen billiger zu haben, als die gleichwertigen Smaragde der Wachau.
Seit kurzem nun verpachtet Mittelbach seine weiter entfernt gelegenen Kremstaler Weingärten. So konnte er der Vinea Wachau beitreten. Ein längst fälliger Schritt für eine derart großes Weingut mit einem derart großen Anteil von Weingärten in der Wachau.
In ihrer wunderbar schlanken Machart sind die kräftigen Weine von Mittelbach Grenzgänger zwischen den beiden wichtigsten Kategorien Federspiel und Smaragd. Vor allem, wenn man den geringen Alkohol dieser Weine zur Kenntnis nimmt.
Viel Kraft, wenig Alkohol. Wie es dem Maat gefällt
Widmet man sich den anderen Komponenten, etwa Mineralität, Komplexität, Struktur und Säure, so wird man schnell feststellen, dass man es hier nicht mit schwachbrüstigen Weinen zu tun hat. Viel mehr sind Mittelbachs Kreszenzen ausgesprochen mineralische Langstreckenläufer, die vor allem ihren Lagen- und Sortencharakter perfekt wiedergeben wollen. Mittelbach liegt hier genau im neuen Mainstream, die Differenz jeder Lage im jeweiligen Wein perfekt darzustellen.
Zuerst der Grüne Veltliner
Beginnen wir mit einem Grünen Veltliner Mittelbachs, mit dem 2009er aus der Lage Loibenberg. Der Loibenberg, 1257 das erste Mal urkundlich erwähnt und so eine der ältesten Weinlagen Österreichs, ist die größte Terrasseneinzellage der Wachau. Südausrichtung und Urgesteinsboden lassen keine Zweifel aufkommen, warum man so oft von der "Loibenberger Wucht" spricht. Genau das findet man auch im Loibenberg Smaragd von Mittelbach. Allerdings auf neue, auf konträre Art.
Nur 13 % Alkohol, dazu eine rauchige Mineralität, Karamell, verhalten weißer Pfeffer und eine glasklare, sehr nüchterne Kraft im Mund. Massiv, engmaschig, dann wieder saftig, leicht, trinkfreudig. Anspruchsvoll und ausdauernd. Aber nicht fett. Gesamt gesehen einfach grandios. Und ein guter Begleiter von Deftigem wie Backhendl oder Zwiebelrostbraten.
Dann der Riesling
Setzen wir fort mit einem Riesling aus Mittelbachs Lieblingslage, dem Steinertal. Die Lage Steinertal liegt in einem Kessel und hat ein paar Hektar der mineralreichsten Böden der Wachau. Also all das, was man für einen aussergewönlichen Wein braucht. Aber auch all das, was von den Konsumenten Anspruch und Bewusstsein verlangt. Einfach so trinkt man der Steinertal nicht.
Mittelbachs Weingärten neigen sich in der Lage Steinertal ausschließlich nach Südosten. Besonders hervorzuheben ist, dass es sich beim Riesling Smaragd 2009 um einen der leichtesten Weine des Weinguts handelt. Und um einen der leichtesten Smaragdweine der Wachau. Die 12,5 % Alkohol stellen in dem Prädikatsbereich eine absolute Ausnahme dar.
Der Wein ist elegant, hat enormen Biss und ist zur Langlebigkeit verdammt. Mineralisch derart engmaschig, dass er selbst nach ein paar Stunden nicht einfach zu beschreiben ist. Immer wieder kühl, straff, strahlend und doch zurückhaltend - die Rieslingsfrucht steht noch lange nicht im Vordergrund. Doch mit den Jahren wird sie kommen.
Der sehr freundlich kalkulierte Preis motiviert den Captain, etwas mehr vom Steinertal einzukaufen. Ein Teil der Flaschen sollte getrost im Keller vergessen werden. Der Captain weiß, dass wir alle nicht unendlich alt werden. Aber der Riesling Steinertal 2009 verdient es, dass wir die nächsten Jahre ohne Blessuren überleben.
- Tegernseerhof Grüner Veltliner Loibenberg 2009 für 16,90 Euro bei Belvini
- Tegernseerhof Riesling Smaragd Steinertal 2009 für 23,90 Euro bei Wagners Weinshop
Da sowohl der Captain abwesend ist und Maat Mally sich auf Landgang befindet, kramt der Zahlmeister ein herzerreissendes Stück Musikgut zum Thema Wachau aus der Schiffsbibliothek, schaut verträumt über die Spree und denkt sich ins Donautal...
Der Captain empfiehlt seinen Matrosen außerdem noch mehr Weine aus Österreich.







Martin Mittelbach steht auf seiner Terrasse und schaut in Richtung Donau 





Die Weine vom T-Hof gefallen mir in ihrer stilistik auch immer sehr gut. Besonders schön der gemischte Satz Zwerithaler oder der GV Steinriegel der aufgrund seiner komplexität gar nicht immer direkt als GV zu erkennen ist. Darüberhinaus arbeitet dort eine deutsche Kellermeisterin, die sich mit der "keinebotrytisintrockenenweinen"Philosophie gut arrangieren kann :-)