10.08.11 WEINE 2 Einem Freund senden

Auxerrois gegen die Bürokraten

Stephan Steinmetz, der Weinmacher, beim Weinmachen. (Fotos: der-weinmacher.de)Stephan Steinmetz, der Weinmacher, beim Weinmachen. (Fotos: der-weinmacher.de)

Nein, niemand muss sich Sorgen machen, dass ich schlagartig in bitterer Armut versunken bin. Auch braucht man nicht befürchten, dass ich vor lauter Gier nach Alkohol jetzt alles in mich reinschütte, was dreht.
 
Derartige Mutmaßungen könnten nämlich aufkommen, weil es heute am Schiff um einen „Tafelwein" geht, der künftig nur noch „Wein aus Deutschland" heißen darf.

Doch allmählich scheren auch immer mehr gute Winzer aus der Qualitätspyramide des deutschen Weinrechtes aus. Wie zum Beispiel Stephan Steinmetz aus Wehr an der Mosel. Der hat nach eigener Aussage „keine Lust auf den bürokratischen Krempel", der für den Qualitätswein von Nöten ist - und macht lieber tolle Weine. Wie etwa einen 2010er Auxerrois, der von seinem jahrgangstypischen Spiel (langer Regen im Spätsommer) zwischen markanter Säure (eher untypisch für Auxerrois), wenig Restzucker (knapp 3 Gramm  pro Liter) stoffigen, fruchtsüßen Extrakten und einer herrlichen Frische lebt. Kein großes Beeren-, Steinobst- oder Kräuterkino, dafür traubig wie der Biss in eine reife Weinbeere.

Und das alles mit sehr schlanken 11,5 Prozent Alkohol. Denn Steinmetz erlag nicht der Versuchung, die im Vergleich zu den Vorgängerjahrgängen geringeren Mostgewichte durch heftige Zuckerzugabe (Chaptalisierung) vor der Vergärung zu kaschieren. Kurz und gut: hier haben wir einen swingenden Spaßwein für unbeschwerte Momente, den man auch einem nicht zu salzigen Hühnerfrikassee zumuten kann. Denn irgendwie klappt das mit den Kapern und den Erbsen ganz hervorragend.
 
Überhaupt sollten wir froh sein, dass es dieses Weingut überhaupt noch gibt. Stephan Steinmetz wäre schließlich nicht der erste moselfränkische Winzersohn gewesen, der die vom Vater geplante Stilllegung des in 6. Generation familieneigenen Guts mit einem Schulterzucken zur Kenntnis nimmt. Doch glücklicherweise hat der Junge es 1993 im zarten Alter von 22 Jahren gewagt, den 5,5 Hektar großen Betrieb in eigener Regie zu übernehmen. Für die südliche Mosel zweifellos ein Glücksfall, denn Steinmetz gilt dort mittlerweile als einer der Protagonisten einer neuen Winzergeneration, die das alte Image des Gebiets als Produktionsstätte für billige Fassweine gewaltig aufpoliert haben.

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Kommentare 2

Kommentare

Christian Becher (via Facebook)

dem steinmetz seine weine find ich gut.

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Charlie

Schaumlägerei ist wenn man Prädikate Schaumschlägerei nennt und Lagenbezeichungen irrelevant (besonders wenn es im Artikel dann doch um Lagen geht)

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