Franken. Ich schätze die Region, denn dort wächst viel Silvaner. Und Silvaner ist meine liebste Abwechslung wenn ich einmal keinen Riesling trinken will. Das ist zwar selten der Fall, kommt aber vor. Leider läuft vieles falsch in Franken, denn die Franken trinken fast alle ihre Weine vor Ort. Das klingt zuerst sehr vernünftig, lähmt aber den Ehrgeiz und die Leistungsbereitschaft der Winzer. Deshalb folgt jetzt ein Porträt zweier Weinmacher, die sich richtig anstrengen. Und die es wagen, einen großartigen Silvaner in die Burgunderflasche zu stecken.
2005 trafen Olaf Stintzing und seine Frau Brigitte Günzel-Stintzing eine Entscheidung fürs Leben und für den Wein. Weinbau LandArt (nicht zu verwechseln mit dem österreichischen Unternehmen gleichen Namens) wurde aus der Taufe gehoben. Olaf Stintzing hat seine Erfahrungen unter anderem bei Johner, Dr. Crusius und Künstler gesammelt. Nicht die schlechtesten Adressen für gute Anregungen.
Trotzdem schmecken Stintzing-Günzels Weine völlig verschieden. Verschieden von allem, was ich an fränkischem Wein kenne. Insbesondere aber anders als alle Silvaner, die auf dem Markt sind. Der Name Weinbau statt Weingut signalisiert: hier zählt der Weinberg. Riesling und Silvaner aus alten Anlagen bilden den Mittelpunkt der Arbeit Stintzings. Vor drei Jahren wurde auch Grüner Veltliner gepflanzt, der für die Familie deshalb so interessant ist, weil er das ganze Spektrum vom Tisch- bis zum Spitzenwein bedient. Grüner Veltliner aus Franken! Das wird einige österreichische Winzer interessieren.
Der beste Silvaner Stintzings heißt „Erdrauch". Die Trauben stammen aus einem 80 Jahre alten Weinberg, sie werden nach der Lese mit ein bis zwei Tagen Maischestandzeit traktiert und teilweise über zwei Wochen auf der Maische vergoren. Nach dem biologischen Säureabbau, der den Wein runder und cremiger schmecken lässt, lagert der „Erdrauch" rund 9 Monate auf der Vollhefe, ein Teil im großen Holzfass aus Spessarteiche (wie auch Stinzings einfachere Rieslinge und Silvaner ausschließlich im großen Holz ausgebaut werden), ein anderer Teil in Barriques. Der Wein wurde unfiltriert gefüllt.
Keine hohle Phrase
„Erdrauch" ist also keine hohle Phrase ist. Klar, man hätte den Wein sicher auch „vom Muschelkalk" nennen können. So wie Riesling andernorts „vom Schiefer" heißt. „Erdrauch" trifft es aber viel besser. Denn der Wein spiegelt etwas vom Boden wider, auf dem er gewachsen ist. Und da ist in der Tat eine erdige Würze, eine rauchige Mineralität, die an Speck, an Rauchfang, an Tannenholzfeuer erinnert. Der Wein ist ein glyzerinschwangerer Brocken Silvaner, eine wahr gewordene hypothetische Mischung aus weißem Hermitage, Meursault und einer badischen Auslese vom Traminer. Das gilt für Struktur und Aromen.
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Letzter Herbst ist lange her... 





Seine Leber wird sich freuen!