17.02.11 WEINE 11 Einem Freund senden

Leichte Schwester, fetter Bruder

Im Glas ein fetter KerlIm Glas ein fetter Kerl

Der Silvaner könnte für Deutschland das werden, was der Grüne Veltliner für Österreich ist. Beide Trauben haben die gleichen kulturellen Wurzeln. Ein Bauernwein. Und ein einfacher Tischwein. Aber auch ein Wein mit hoher Reputation, ein Wein für Weinenthusiasten. Denn beide Trauben stehen in ihren Regionen häufig auch auf guten Lagen. Und beide fühlen sich auf den unterschiedlichsten Böden wohl.

Nirgendwo kann man das besser erkennen als in Franken. Entlang des Mains wächst der Silvaner auf Buntsandstein, Muschelkalk und Keuper. Aber auch auf den fetten oder sandigen Böden Frankens passt sich der Silvaner an und entwickelt terroirbedingte Eigenheiten. Vor dem Boom der Neuzüchtungen, als man den Weinbau optimieren und den Gewinn maximieren wollte, stand der Silvaner in über 30 Prozent der deutschen Weinberge. Seine Fähigkeit, sich den Böden anzupassen und je nach Bedarf den süffigen Leichtwein oder das komplexe Große Gewächs abzugeben, macht die Sorte so spannend und einzigartig.

Frankens Vorreiter verschrauben Flaschen

Die fränkischen Winzer sind Vorreiter beim Schraubverschluss. Ich begrüße das. Eine verschraubte Flasche ist eine sichere Flasche. Mich entspannen „Schrauber". Vor allem, wenn ich als Gast geladen bin. Nichts ist ärgerlicher als ein Korkschmecker. Wenn dann eine Kontroverse entsteht und jeder am Tisch denkt, man spiele sich wieder als "Weinkenner" auf.

Das Jahr 2009 gilt allgemein als großer Jahrgang. Das ist er auch. Allerdings ziehe ich beim fränkischen Silvaner den Jahrgang 2008 vor. Doch für jenen ist es meist zu spät, er ist ausgetrunken. Von den Franken selber. Er war ein schöner Jahrgang. Genügend Frucht, ausreichend Säure, perfekte, schlanke und mitunter sehr tiefe Weine. Doch was hilft es ihm nachzutrauern? Glücklich kann sich schätzen, wer noch 2008er im Keller hat. Wir greifen jetzt zu 2009.

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Kommentare 11

Kommentare

Gast-roh

Ein schöner, angenehm unaufgeregter Artikel in den stürmischen Bloggerzeiten der letzten Tage. Die Skrew-Story haätte mann vielleicht weglassen können, aber gut.

Um nocheinmal auf das Geschehene zurückzukommen kann vielleicht auf einen Artikel auf SPON verweisen: http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,746085,00.html.

Ich denke, hier kann mann Parallelen zur Bloggerszene erkennen, positive wie negative.

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Schleglmilch

Lese Eschendorfer immer gerne. Kompetente Schreibe für Nischenweine

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Felix Eschenauer

Danke für den Zuspruch, das freut mich! Ein schönes Pseudonym haben Sie mir auch noch verpasst ;-)

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Der Captain (auswärts)

Ein Österreicher wie ich. Die lesen anders. Ehrlich. Ich lach mich tot..

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Charlie

einer der besten Witze bisher bei Captn Krk, indeed, und Recht hat er noch dazu. Dazu gibt es hier die/den/das Pfülben zum anklicken http://www.weinlagen-info.de/?lage_id=1689 als Dank mich daran erinnert zu haben, dass wieder mal kein fränkischer Silvaner in keinem meiner beiden Keller gar nicht mehr vorhanden weil immer zu schnell leer.
"Silvaner is no a nobe grape" * (also auch in dieser Hinsicht wie Grüner Veltliner)

*Egon Müller, mündliche Mitteilung an den Autor

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Schleglmilch

Uijegerl, na das Schreiben und das Lesen, das ist nie mein Fach gewesen. Frei nach Lehars Zigeunerbaron.

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Charlie

Und jetz ganz, ganz im Ernst: wieso Nischenweine?

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Schleglmilch

Viele deutsche Weine und Winzer sind mir unbekannt. Das Angebot hier ist begrenzt, man bekommt Van Volxem oder Herrmannsberg. Aber eben nicht die Nischen.

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Charlie

Verstehe. Wundert mich auch nicht, denn fränkische Silvaner haben in Ö wahrscheinlich ein Problem mit der Positionierung.

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Robert Treffny (via facebook)

Toller Artikel! Danke! Hofmann hat noch viele andere richtig gute Weine zu fairen Preisen im Programm - und der Verkauf ab Hof mit dem Probieren vorher ist absolut angenehm! Hatten gestern seinen Bacchus Spätlese von 2006 im Glas - sehr gut! :-)

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frohnau

Stimmt, was F.E. zu dem Hofmann-Silvaner schreibt - der durch seine Zeilen und 84 M.H.-Punkte für den Wein ausgelöste Kaufreflex (schnurstracks ab Weingut umgesetzt - eine Lieferung binnen < 24 Std. ist ein Rekord) findet seine Befriedigung in einem richtig leckeren Wein, der auf der Messerspitze zwischen Anspruch daran, sich nicht unter seinem Niveau amüsieren zu müssen und allzu offensichtlicher Gefälligkeit gekonnt balanciert. Ein Lichtblick im Franken-Reich, das mir in den letzten Jahren durch allzuviele Fruchtbomben, die Abkehr vom fränkisch-trockenen, unter 3gr Restzucker-Stil und klimawandelbedingt hohen Alkoholgradationen immer mehr verleidet wurde (dem Schreckgespenst "Rheingau" dicht auf der Spur).
Dank für den Tip.

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