11.06.10 WEINE 6 Einem Freund senden

Zwei Ösis. Eye, must have...

Leer rüber Mann!Leer rüber Mann!

Der Captain wartet auf den Installateur (Klempner), denn der Durchlauferhitzer auf dem Schiff hat seinen Geist aufgegeben. Das ist bei der brütenden Hitze von geringer Bedeutung, einzig der ewig nörgelnde Erste Offizier hat sich über die kalte Dusche beschwert. Der Captain hingegen schwelgt von zwei Weinen, die er gestern noch einmal nachverkostet hat. Ein Sauvignon aus dem Arschjahr 2008. Und einen Zweigelt aus einer Region, die bislang nicht mit großartigen Rotweinen aufgefallen ist.

Der Sauvignon kommt von Neumeister aus der Südoststeiermark. Die Familie Neumeister hat vor Jahren in Straden ein kleines Paradies hingestellt, ein extrem schön gestaltetes und unauffällig in die Landschaft gelegtes Weingut. Und ein erschwingliches Gourmet-Restaurant der regionalen Sonderklasse. Die Weine sind durchgehend hochwertig, die Neumeisters sind die Premiumwinzer der Region. Federführend. Leider wird die Südoststeiermark immer noch mit der Südsteiermark verwechselt. Der Captain klärt auf: Es handelt sich um zwei völlig verschiedene Gebiete mit geringen klimatischen und etwas deulicheren geologischen Unterschieden.

Die südoststeirischen Weine haben oft weniger Säure und ein bisschen mehr Kraft, sie ähneln den Weinen der slowenischen Steiermark, einer bislang unentdeckten Region, die vor allem mit gewaltigen Gewürztraminern punkten kann. Diese Sorte ist leider noch nicht in der Südoststeiermark heimisch geworden. Der Captain kennt bislang nur das Experiment von Ploder-Rosenberg, doch darüber ein anderes Mal.

Ein Sauvignon, kalt wie das Messer eines Messerwerfers

Denn wir wollen nicht über Gewürztraminer sprechen, sondern über den Sauvignon Ried Klausen. Aus dem Jahr 2008. Nun ist 2008 ein umstrittenes Jahr, doch im Angesicht mancher 2009er-Weine fallen die 2008er wie erwartet deutlich ab. Der neue Jahrgang ist einfach krass besser. Eben deswegen sollte man große Rieslinge aus 2008 noch einige Zeit liegen lassen, das Alter wird ihnen gut tun. Das beweisen unzählige alte Rieslinge und Veltliner, die der Captain im Laufe seiner Trinkerkarriere getrunken hat. Aus verdammt schlechten Jahren wie 1991, 1997 oder 1994. Alle waren fünfzehn Jahre später ein großer Genuss. Da gilt die alte Regel: In schlechten Jahren nur von guten Produzenten kaufen. Und liegen lassen.

Doch bevor wir wieder abschweifen: Der 2008er Sauvignon Klausen von Neumeister (13 % Alkohol) spiegelt ein durchschnittliches Jahr wieder, das in der Südoststeiermark deutlich besser ausgefallen ist, als anderswo in Österreich. Im Glas ein sehr heller Saft, fast noch grün. In der Nase dann herrliche frische Mineralik und wenig Sortencharakter. Granit, Kiesel, Urgestein, elegante Kälte, stahliger Schliff, wie ein stahlblaues Messer, das auf einen Holzpflock zufliegt. Ziiiiiiing!

Etwas Zitrus, viel helle Kräuter, Menthol, Gänseblümchen, Löwenzahnblätter, Gras. Kein dunkler Ton. Im Mund dann zuerst eine mittlere Wucht, im Abgang jedoch die volle Länge. Hier auch etwas dunklere Farben und Anklänge. Ein wenig Karamelkruste einer Creme Bruelée.

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Fazit: Ein großer Wein aus einem mittleren Jahr. Jetzt gut zu trinken. Sicher auch noch lagerfähig, doch der Captain weiß nicht, ob der Wein sich noch verbessern kann. So großartig hell, klar und fruchtig wie er ist. Dennoch: Der Sauvignon Klausen ist kein Sommerwein, sondern ein Wein zu Fisch und hellem Geflügel. Oder zu Pasta, Ach egal, trinkt ihn wozu ihr wollt.

Ein Zweigelt, der selbst den Winzer fassungslos macht

Der Zweigelt heißt "Unfassbar" und wurde 2007 in die Fässer gefüllt. Wahrscheinlich war die Familie Arndorfer aus dem niederösterreichischen Strass im Strassertal selbst verwundert, dass ihnen ein derartig unfassbarer Wein gelungen ist. In einer Region, die bislang nicht mit großartigen Rotweinen vorstellig wurde.

Der Zweigelt ist eine sehr fruchtige und oft auch harte Sorte, die mitunter fantastische Weine bringen kann. Meistens jedoch tut sie das nicht und wird deswegen gewinnbringend in Cuveés verwurstet. Gute, reinsortige Zweigelt sind selten. In Österreich hat zudem der Blaufränkische das Thema Rotwein besetzt.

Um so spannender, was die Familie Arndofer da abgeliefert hat. Der Zweigelt stand lange auf der Hefe und wurde danach in verschiedene französische Eichenfässer abgefüllt. Man hat also herumprobiert und nachgesehen, was dabei rauskommt. Ein bisschen Blindflug also. Und ein bisschen Instinkt.

Aber nach zwei Jahren war klar, dass die vier Fässer exzellente Ware lagern. Und weil vier Fässer nur ganz wenige Flaschen sind, hat man sich bei Arndorfer entschlossen, den Wein nur an einen Vertrieb abzugeben, an die Salzburger Gastronomen und Händler des Restaurants Magazin.

Im Glas ein tiefdunkler Wein (14 % Alkohol), der mittlere Schlieren am Glasrand zieht und kaum Licht durchlässt. In der Nase dann kräftige Aromen nach Himbeere, Kirsche und derart aromatisiertem belgischen Bier. Dann etwas Tabak, ein wenig Erde, zurückhaltende Mineralik, ein frisch gewaschenes Geschirrtuch, Abfall von einem Bleistiftspitzer und viel sehr elegant eingebundenes Fass. Überhaupt ist dieser Wein eines der besten Beispiele, wie man Barriques einsetzen soll. Bei Arndorfer hat man jene betörende Mitte gefunden, die das Holz im Zaum hält. Fantastisch.

In Mund dann ein Italiener, ein Wein aus dem Friaul. Oder aus Veneto. Ein voller und eleganter Mund. Etwas frische und fischgeruchlose Tinte vom Tintenfisch. Eine Spur laktisch. Dann aber eine volle Breitseite Beeren, Beeren vor der Gärung, kein Rumtopf. Großartig.

Fazit: Ein Rotwein, der Österreich als Rotweinland fester stehen lässt. Und ein Wein aus einer Region, die mit solchen Weinen bislang nicht gesegnet war. Klimaerwärmung und junges Instinktwinzertum machen es jetzt möglich. Der Zweigelt steht vor seinem Comeback, der Blaufränkische darf sich vorsorglich schon mal fürchten. Sein Thron ist in Gefahr.

  • Sauvignon Blanc Erste Lage Ried Klausen 2008 für 17,50 Euro bei Vincent Becker und bei Weinshop.at. Und für erstaunliche 15,50 Euro beim Weingut selbst.
  • Zweigelt 2007 Unfassbar von Arndorfer für 25,00 Euro exklusiv bei Magazin Salzburg (Christan Ortner).

Der Captain empfiehlt außerdem noch mehr hervorragende Weine aus Österreich.



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Kommentare 6

Kommentare

Christoph Neumeister (via mail)

Bezugnehmend auf Slowenische Stmk und Gewürztraminer:

Gewürztraminer aus der Klöcher Region ist schon seit Jahrhunderten heimisch und hatte in der ersten
Hälfte des letzten Jahrhunderts neben Elsaß und dem Südtirol (zu Recht) einen gleich hohen Stellenwert.

Leider in den letzten 60 Jahren nicht mehr.

Ich benenne mittlerweile eine Situation, in der es jemanden zu gut geht um sich weiter zu entwickeln,
das ‚Klöch-Syndrom’.

LG, Christoph

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Clemens Maria Mally via Captain Cork interessiert

hallo christoph

ich vertreibe eure weine im raum oberösterreich - wir haben bei unserer wunderbaren hausmesse auch geplaudert

das klöch-syndrom ist ein symptomatisch für die ganze steiermark - jung zugängliche weine - viel aromahefe...

eure sachen sind einfach kommerz - darum mag ich sie auch, ich verkaufe sie gut!

trinkentu ich sie aber bis auf wenige ausnahmen nicht.

macht eigenständige sachen - im moment seit ihr davon wahrscheinlich weiter weg als die mittelburgenländer dem richtigen blaufränkischen..

gute n8

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francid ...sich am kopf kratzend!

Einerseits versteh ich das mit dem "Klöch Syndrom" ja schon, aber andererseits finde ich es schon unfair die gesamte Winzerschaft über einen Kamm zu scheren.

1. Klöch: zB. Stefan Müller ist wirklich innovativer Winzer von dem in Zukunft noch viel zu hören sein wird und

2. Steirmark: Da passiert extrem viel. Natürlich wird von den "Großen" ein gewisser Geschmacksstil (für die Masse) produziert, aber auch die bleiben in der Entwicklung nicht stehen und versuchen einen Stil zu finden welcher der Region bzw. dem Winzer entspricht.

Weiters finde ich es sehr einseitig bei der Steirmark einen Einsatz von Aromhefe (Gerade bei Sauvignons eh nicht nötig) zu kritisieren, wenn im Weinviertel jeder zweite GV schon eine Sauvignon Aromatik aufweißt!!!

Und sowieso Weine vom Neumeister als "Kommerz" zu bezeichnen erinnert mich ein bisschen an die ewig jammernden Fans von Indiebands die auf einmal einen Major-Plattenvertrag bekommen haben.
Nur weil die Weine/Musik auf einmal erfolgreich ist bzw. einer breiteren Masse zur Verfügung steht, heißt das nicht, dass sie auf einmal schlecht sind.

mfg
Franz

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Martin Arndorfer (via mail)

....nachdem im Betrieb bei uns zwei Generationen arbeiten haben wir auch zwei vershiedene Etiketten und auch 2 verschiedene web sites. Die Verlinkung ist leider auf jene meiner Eltern, die mich zwar unterstützen, aber mit Zweigelt unfassbar sonst nichts zu tun haben. richtiger link wäre auf www.martin-arndorfer.at

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Clemens Maria Mally via Captain Cork

das mit dem sauvignon blanc veltliner ist schon sehr richtig - sind allerdings auch in der wachau zu finden wobei das gar nicht zur diskussion steht..

probier doch mal moarfeitl & co - da ist außer holz nur holz mit von der partie - das wird sich NIE einbinden..

abgesehen davon glaub ich schon dass aus den produkten die aromahefe spricht, erstens weils eh genauso schmecken (gerade bei den classics..) wie alle anderen auch, zweitens probier die sachen doch einfach - ich frag mich dort jahr für ja wieviele katzen da drübergrannt sind..

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cn

das war mail als berichtigung an den captain gedacht mit einem nicht ernst gemeinten seitenhieb auf die glorreiche vergangenheit von klöch den 1. würde ich mir nie erlauben alle über einen kamm zu scheren (und wenn, dann wirklich alle) und 2. schon gar nicht stefan müller

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