Lange Zeit war es still um den König der Weine, den Wein der Könige. Diesen Ruf hatte die Sorte lange Jahre. Eine weiße Traube. Der Zierfandler. Im späten Mittelalter wurde der Wein in ganz Europa teuer gehandelt. Und Napoleon Nummer 3, der autoritäre Bürgerkönig, erklärte ihn bei der Pariser Weltausstellung 1857 zu einem der weltbesten Weine. Damals galt das aus berufenem Munde.
Man könnte meinen, die Traube sei mit den Habsburgern untergegangen. Denn nach deren Machtverlust war Funkstille. Riesling und Burgunder übernahmen die Weltweinherrschaft. Doch die Enklave blieb. In Gumpoldskirchen.
Gumpoldskirchen? Nie gehört?
Gumpoldskirchen liegt 20 Kilometer südlich von Wien und gehört zum kleinen und außerhalb Österreichs größtenteils unbekannten Weinbaugebiet Thermenregion. Am Fuße des 650 Meter hohen Anningers, dem höchsten Hügel dieser Alpen, herrscht ein einzigartiges Mikroklima, eine positive Anomalie.

Permanente Winde zwischen den Ebenen im Osten und dem Bergland im Westen lassen die Trauben nach Tau und Regen rasch trocknen. Die so genannte Thermenlinie sorgt in den Weinbergen für eine durchschnittlich drei Grad höhere Bodentemperatur (und manchmal auch für Erdbeben). Man merkt das, wenn im Winter der Schnee fehlt. Die Thermenregion hat also viel von einer südlichen Weinregion. Slowenien, Kroatien, Italien. Und das kaum 20 Kilometer hinter Wien.
Hier keltert man ausgeprägt reife Weine. Und das Wechselspiel aus hoher Reife und markanter Säure garantiert ein wunderbares Trinkvergnügen. Und große, bekömmliche Säfte.
Johanna und Johannes Gebeshuber besitzen hier ein Weingut. Sie sind Spezialisten für autochthone Sorten. All ihre trockenen Weine sind Cuvées aus autochthonen Trauben. Das ist in dieser Region beinahe einzigartig.

Was ist autochthon hier? Die Weißweine aus der erwähnten Traube Zierfandler beispielsweise (der irrtümliche Namensgeber des kalifornischen Zinfandel). Oder die Weine aus Rotgipfler (trotz des Namens kein Rotwein). Beide Sorten reifen sehr spät. Und der Zierfandler ist wegen seiner dünnen Schale auch noch besonders heikel.
Rotgipfler? Zierfandler? Nie gehört
„Große Weine können nur aus Herausforderungen entstehen", sagt Johannes Gebeshuber, "verzichtet man auf Botrytis wird es auch interessant..."
Der rare Zierfandler (weltweit nur ein paar hundert Hektar) ist eine Kreuzung aus Rotem Veltliner und Traminer. Deswegen ist er meist unglaublich aromatisch. Er und der ebenso seltene Rotgipfler (ein paar Dutzend Hektar mehr), haben ein unglaubliches Alterungspotenzial. Der Winzer muss das nur erkennen. Leider tun das wenige. Lieber keltert man Literware. Für den Heurigen. Obwohl ein Schatz vergraben liegt. Viele Wiener finden gerade diese Verweigerung bewundernswert.
- Die weiße Reserve 2008 von Gebeshuber reift im großen Holzfass und ist eine Cuvée aus Zierfandler und Rotgipfler. Fünfzig zu Fünfzig. Der Wein blieb 4 Stunden auf der Maische und hatte keinen biologischen Säureabbau. In der Nase ganz laute Mangofrucht, blitzsauber, fast stählern. Ein Wein mit grandiosem Zug zum mehr. Viel Druck und ein wunderbares Säurespiel. Großes Lagerpotenzial. Vibrierend. Fantastisch. Für 11,60 Euro bei Wineselection (per Mail, der Wein ist noch nicht im Online-Angebot).

- Die "große Reserve" 2008 von Gebeshuber - wieder halb Zierfandler, halb Rotgipfler - blieb genauso lange auf der Maische, wie ihr kleiner Bruder, stammt jedoch aus den besten und ältesten Lagen des Weinguts. Der Wein kam nach der Maischestandzeit 18 Monate zu gleichen Teilen in neue Barriques und neue größere 500 Liter-Fässer. Nach Vorbild der Burgund. Diese Spitzencuvée der Gebetshuber zeigt enorme Kraft und eine wunderbar elegante Geschmeidigkeit. Das drängende Holz ist sehr gut integriert, wegen der Jugend des Weins jedoch aber noch dezent spürbar. Also weglegen. Auch hier riecht man ansprechend reife Mangonoten und etwas Ingwer. Ein unglaublich reifer Wein mit monumentalen Ansätzen. Nahe dem großen Burgunder. Unsterblich. Um wohlfeile 21,60 Euro. Bei Wineselection ebenda (Deutschlandversand). Gebeshuber-Weine auch bei Oxhoft.
Der Captain empfiehlt seinen Matrosen außerdem auch einmal einen Blick auf andere Weine aus Österreich zu werfen.







Johannes Gebeshuber in seinem Laub. Alle Fotos von Christoph Liebentritt 






... ein bisschen ösilastig der Blog :-?