Ob der Rotgipfler - wie oft behauptet - der „bessere Veltliner" ist? Ich weiß es nicht. Meiner Meinung nach hat der Rotgipfler mehr Facetten, viele Facetten, die der Veltliner gar nicht berührt. Dass er mit dem Veltliner überhaupt verwandt ist, merkt man erst, wenn man sich mit der Nähe beider Sorten befasst. So ist „Weißgipfler" ein altes, heute vergessenes Synonym für den Grünen Veltliner. Abgesehen davon teilen sich die beiden Rebsorten einen Elternteil: den Traminer. Daraus kann man eine gewisse Nähe ableiten. Aber ein Kollege im Geschmack? Es kommt darauf an, ob der Winzer die Nähe anstrebt.
Als ursprüngliche Rebsorte findet man den Rotgipfler heute fast nur noch in der Gegend um Gumpoldskirchen - der kleinen aber feinen Thermenregion im Süden Wiens. Sonst keltert man Rotgipfler in größerer Menge nur noch in der Tschechischen Republik, Spätlesen und Auslesen, auf die man irgendwann einen Blick werfen sollte. Da schlummert unentdeckt grandioses.
Nase rein und man kennt die Sorte
Der Rotgipfler hat einen hocharomatischen Duft. Das ist seine Charakteristik. Und die macht ihn dem Veltliner ähnlich. Veltliner und Rotgipfler erkennt man sofort, wenn man die Nase ins Glas steckt. Wegen seines mächtigen Körpers und dem oft sehr hohen Alkoholgehalt eignet sich der Rotgipfler besonders gut zum Ausbau in Holzfässern. Ganz nach burgundischem Vorbild. Und er tendiert zu einer gewissen rustikalen Derbheit. Das lässt ihn wieder mit Rotweinen in Konkurrenz treten. Eigentlich ist der Rotgipfler ein Allrounder.
Der Spezialist für Rotgipfler heißt Karl Alphart, ein Winzer aus Traiskirchen am Rande des Wienerwalds. Sein Rotgipfler wächst auf Braunerde und Muschelkalk. Alphart keltert sechs verschiedene Interpretationen aus der Sorte. Das sollte seinen Enthusiasmus genügend unter Beweis stellen.
Da gibt es die Lagencuvée „Vom Berg", die man wohl als den einfachsten Sortenvertreter bezeichnen kann. Dann den Rotgipfler „Rodauner" der Terroirwein, den wir gleich näher besprechen. Und dann noch den „Rotgipfler Rodauner Top Selektion" und (wenn es der Jahrgang zulässt) als Krone den „Rotgipfler Rodauner Pur", in den nur reifste und komplett botrytisfreie Trauben kommen. Eine Spätlese und eine Beerenauslese runden Alpharts Rotgipfler-Sortiment ab.
Terroirwein als Muss
Der Rotgipfler Rodauner 2009 wurde in großen, kaum spürbaren Holzfässern ausgebaut. Jahr für Jahr zeichnet ihn - bei veranlagter Üppigkeit - eine feine und prickelnde Mineralik aus. Und er besitzt eine unerkannte Langlebigkeit. Unerkannt deswegen, weil ihn die Leute viel zu früh trinken. Und es auch nicht genügend Flaschen gibt. Der Rotgipfler Rodauner kommt zu wenig unter die Menschen.
Im Glas ein reifes, fast schon dunkles Gelb. In der Nase zuerst eine klare und konzentrierte Mangofrucht. Dahinter auch dezent Vanille und ein tropischer Fruchtsalat aus Melonen, Papaya und Litschi. Aber auch ein paar ganz banale Birnen. Eine Ahnung von Holz, frisch geschnittenes Holz. Neben dem gefällten Baum steht ein Waldarbeiter, der sich gerade aus frischem Tabak eine Zigarette dreht.
Im Mund sehr mollig und viel Extrakt. Auf der Zunge auch ein paar frische Feigen. Sehr edel und doch auch rustikal üppig. Als könne er beide Positionen einnehmen. Auffällig auch die pikante grüne Säure. Und seine rauchige, betont salzige Mineralik. Was für ein gelungener Wein. Wie prächtig und lang sein druckvoller Abgang. Bevor mich das Schwärmen übermannt stelle ich den Rest für den Captain in den Kühlschrank. So schmeckt ein perfekter Alltagswein. Das soll er wissen.
- Rotgipfler Rodauner 2009 (13,5 % Alkohol) für 12,90 Euro bei Boehmewein







Ze happy Alpharts. Kein Wunder, bei diesem Wein... 






Rotgipfler in dieser Qualität ist zweifelsfrei Österreichs heissestes Eisen im weltweiten Wettstreit der besten authochtonen Rebsorten!
Auf Grund der geringen Anbaufläche allerdings wird er immer ein Geheimtipp bleiben!