Rheinhessen. Unendliche Weiten an Rebland, über die man hier an Bord schon lesen durfte. Unendliche Weiten, die gelegentlich Zunder für Gesprächsstoff geben. Die vinophilen Hardliner, zu denen ich mich in dieser Angelegenheit zur Abwechslung mal nicht zähle, verachten die Weine jenseits der Rheinfront. Für die ist alles von dort charakterloser Bauernfusel und Massenplörren von Böden, die maximal für Kartoffeln taugen. Und manche sehen nicht mal dafür eine reelle Chance.
Flache Lagen mit unspannenden Böden und dann noch riesigen Erträge. Das wirft man dieser deutschen Kornkammer vor. Manchmal liest man auch, dass man vielschichtigen Riesling nur in traditionsreicheren Gebieten keltern kann. Allerdings: Rheinhessen ist ein traditionsreiches Weinbaugebiet mit einer mehr als 2.000 Jahre alten Geschichte. Es ist eine Region, der Monokulturen so fremd sind wie Weinschlösser, wie Kollege Dirk Würtz neulich in einem seiner Kommentare unter unserem Herrgottspfad-Beitrag anmerkte. Die findet man in anderen Gegenden. Die Region war eben einstmals bäuerlicher. Im Hügelland wurde alles ausgepflanzt: Obstbäume, Rüben und dazwischen auch Wein. An traditionellem Weinbau mangelte es Rheinhessen wirklich nie.
Für mich sind die dort entstehenden Weine nicht gesichtslos. Deswegen, weil viele rheinhessische Winzer es inzwischen auch nicht mehr sind. Sie sind es, die ihren Babys Terroir und Leben einhauchen. Solche Winzer - so scheint es mir - regnet es in Rheinhessen geradezu vom Himmel. Warum also nicht aus dem Vollen schöpfen, wenn man es kann, und von diesen Winzern berichten?
Ganz einfach: weil Deutschland im Moment ein Luxusproblem hat. Offensichtlich hat man zu viel guten Riesling. Von anderen Regionen zu berichten, drängt nicht, wenn man in den altbekannten Gebieten wie Mosel oder Rheingau noch immer genug spannenden Wein finden kann, der kaum Geld kostet.
Dieses Problem kenn ich in Österreich nicht. Deswegen freu ich mich besonders über den folgenden Wein: Harxheimer Riesling 2010 von „Werther-Windisch". Für mich eine absolute Entdeckung und das nicht nur, weil dieser Riesling so sagenhaft günstig ist. Nein, er ist auch ordentlich kompromisslos, komplex und ausgesprochen delikat. Ein Wein, wie ich ihn eben mag.
Das Weingut Werther-Windisch findet man in Mommenheim im rheinhessischen Hügelland. 1980 übernahm Hans-Albert Windisch von seinem Schwiegervater einen landwirtschaftlichen Mischbetrieb. Von dieser Zeit an wurde der Fokus immer stärker auf den Weinbau gelegt. Inzwischen umfasst der Betrieb stattliche elf Hektar Rebfläche in den Mommenheimer, den Harxheimer und den Selzener Weinbergen. 90 % der Weingartenfläche sind mit weißen Rebsorten bepflanzt, der Löwenanteil davon mit Silvaner. Diesen pflegt das Familienweingut seit Generationen. Mehr dazu aber ein anderes Mal.
Inzwischen hat man auch Sohn Jens Windisch ins Boot geholt. Der Geisenheim-Student ist im Weingut der Protagonist in Sachen Innovation und zeichnet für den Weinausbau verantwortlich.
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Roihesse-Hügelland. Ein bisschen fad schaut´s schon aus... 





Ja da tut sich wirklich einiges in Rheinhessen im Fahrwasser von Keller, Wittmann & Co.
So ganz richtig ist das mit der Bodenbeschaffenheit des Schlossbergs ("sandige Lehmböden") aber nicht, wie mir ein dort Ansässiger erklärt hat. Gerade der Schlossberg ist nämlich alles andere als homogen, mit unterschiedlichsten Bodenarten alle paar Meter, der Flurbereiningung sei gedankt. Und beim Börnchen sieht's im Prinzip nicht anders aus, letztendlich ist's eh der gleiche Berg, der nur durch die Straße nach Mainz getrennt ist.