15.08.11 WEINE 8 Einem Freund senden

Wein der Woche: Herrgottspfad

Schöne Landschaft. Schöne Winzer. Schöner Wein. (Foto: weingut-beckerlandgraf.de)Schöne Landschaft. Schöne Winzer. Schöner Wein. (Foto: weingut-beckerlandgraf.de)

Rheinhessen ist bekannt für seine junge und dynamische Weinszene. Es ist, um es auch für unsere österreichischen Matrosen anschaulich zu machen, sehr mit dem Weinviertel vergleichbar. Also ein Hort spannender Weine für günstiges Geld. So ein typisches rheinhessisches Weingut ist zum Beispiel Becker-Landgraf im uns bekannten Gau-Odernheim, auch bekannt als Zufluchtsstätte vom Rettungslotsen Dirk Würtz. Hier ist Rheinhessen hügelig bis lieblich romantisch. Es ist dort eine ziemlich waldlose Gegend, was durchaus seinen Reiz haben kann. Da sieht man heute schon, wer morgen kommt. Beruhigend, oder?

Weingut Becker-Landgraf ist, wie man es nur unschwer vermuten kann, ein Zusammenschluss. Julia Becker übernahm ihr elterliches Weingut 2003. Nur kurze Zeit später, noch im selben Jahr, heiratete die Winzerin Johann Landgraf und das Weingut bekam den Namen Becker-Landgraf. Sie nennen das selbst ohne falsche Bescheidenheit "die Kraft der doppelten Leidenschaft". Einen Punkt schon mal für so viel Pathos!

Beide sind keine Quereinsteiger, waren lange am Weingut ihrer Eltern beschäftigt und fingen demnach nicht bei Null an. Und genau das merkt man den Weinen der Becker-Landgrafs auch an. Da sind Könner im Spiel, die ihren hauseigenen Stil gar nicht erst lang finden müssen, weil sie ihn nämlich schon beherrschen. Ihr Sortiment zeichnet sich oftmals durch eine sauber gemachte Art aus, ohne dabei auf Eleganz und Konturen zu verzichten.

Einen Wein aus ihrem Sortiment will ich zum Wein der Woche küren, weil er so gar nicht dem Typus des schlanken, feinen Rieslings entspricht, sondern eher dem Gegenteil. Ich meine den 2009er Riesling "Herrgottspfad" von Becker-Landgraf. Manchmal dürstet es mich nämlich nach kräftigen Speisebegleiter-Weinen, die durch ihren schieren Extraktreichtum so manch scharfes asiatisches Gerichte begleiten können, ohne dabei kläglich unterzugehen. Feingliedrige Mosel-Riesling-Kabinette würden sich bei solchen exotisch-scharfen Aromen völlig die Zähne ausbeißen. Nicht so der Riesling "Herrgottspfad" aus 2009, der einen prächtigen Begleiter für diese Art von Küche abgibt.

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Kommentare 8

Kommentare

Gast ...liest Bunte

Die schöne Winzerin erinnert irgendwie an Stephanie zu Guttenberg.

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Hedonist beschwipst

Ich trinke auf die Dame. Sie soll so alt werden wie mein Riesling Gottesacker aus 2001. Der verwest schneller im Keller.

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Gast

Ich finde nicht Radiohead überbewertet, sondern Weine aus Rheinhessen, v.a. aus dem Wonnegau. Da gibt es eine Menge Leute, die sehr gute Weine hinkriegen: Keller, Dreißigacker, Seehof, das hier behandelte Weingut, Battenfeld-Spanier/Kühling-Gillot und an der Spitze Wittmann und manchmal, mit viel Glück und nach sehr langer Lagerung auch Groebe. Echte Klassiker, die einen berühren, die eine zeitlose Klasse zeigen, findet man aber nur selten. Vielleicht liegt es auch an der langweiligen Landschaft im rheinhessischen Hügelland, aber irgendwie finde die Rieslinge aus dieser Gegend so ein bisschen gesichtslos.

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Gast

da haben sie aber schon eine menge weingüter aufgezählt. ich finde besonders rieslinge abseits dieser aufgezählten weingüter aus r.h. immer ein bisschen dick auf den rippen. das geht aber je nach einsatzgebiet ok.

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Gast

Der vorige Beitrag spricht mir aus der Seele: Der Wonnegau-Riesling ist zumeist easy-drinking, leicht verständlich, kräftig, fruchtig, alkoholisch, mundfüllend, nicht säurebetont, im besten Fall tabakig. Er spricht den Riesling-Neuling bzw. eine breite Konsumentenschicht an, wird gut vermarktet, hat sicherlich viele ehrgeizige junge Winzer in kurzer Zeit auch merkantil erfolgreich werden lassen (kein deutschen Anbaugebiet hat in den letzten 10 Jahren derartige Preissteigerungen durchsetzen können). Alles schön und gut - aber spannende, langlebige, herausfordernde, vielschichtige Rieslinge muss ich halt in den traditionsreichen Anbaugebieten ausserhalb der umgewandelten Äcker suchen. Für Rheinhessen finde ich nur schade, dass die Rheinfront (mit wirklichem Potential gerade in den Rotschieferlagen) für mich qualitativ ein weisser Flecken geworden ist, nachdem sie noch in den 90-iger Jahren mit Gütern wie Gunderloch, St. Antony, Heyl zu Herrnsheim zu den Vorreitern im Qualitätsdenken gehörte.

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Dirk Würtz ...bestens

Wie kommt Ihr denn alle immer darauf, dass in Rheinhesssen nur Weine auf "umgewandelten" Äckern angebaut werden? So etwas gibt es, keine Frage, aber das ist nicht die Regel. In Rheinhessen wächst traditionell seit ewigen Zeiten Wein, an den fast immer gleichen Plätzen. Wenn Ihr Euch einmal die Historie des heutigen Rheinhessens anschaut, werdet Ihr sehen, dass das schon immer eine "Kornkammer" war, in der einfach alles wuchs, auch Wein. Aus diesem Grund gab es auch immer und immer wieder kriegerische Auseinandersetzungn, gerade um die Gegend rund um Alzey, zu der auch Gau-Odernheim gehört. Das Problem ist einfach, dass der Adel hier keine Schlösser gebaut hat, wie beispielsweise im Rheingau, sondern einfach "nur geerntet" hat.
Rheinhessen ist das größte deutsche Anbaugebiet und sicherlich, dass gebe ich unumwunden zu, nicht das beste. Hier wird nach wie vor überwiegend Menge produziert. Natürlich ist in den letzten zehn, fünfzehn Jahren viel passiert und es wird auch sicherlich noch einiges mehr passieren. Die enormen Preissteigerungen sehe ich auch, oft finde ich sie gerechtfertigt, manchmal auch nicht. Aber das wird der Markt ganz von selbst regulieren.
Was in den letzten Jahren hier in Rheinhessen extrem gut funktioniert hat, war das Marketing. Das hat viel geholfen und viel zu einem neuen Image beigetragen. Das ersetzt natürlich in keinem Fal die Qualität, dass ist klar. Aber in Sachen Qualität, und das wird wohl keiner ernsthaft bestreiten wollen, hat sich viel getan. Selbst im Fassweinbereich. Ich verkoste sehr viele Fasswein und ich kann Euch sagen, im Vergleich zu anderen großen Gebieten, sind wir da in Rheinhessen mittlerweile ganz weit vorne.
Rheinhessen war übrigens auch ein dankbares Thema für die Weinjournalie. Hier konnte man quasi fast täglich eine tolle Entdeckung machen.
Und bevor ich es vergesse: Gau-Odernheim gehört NICHT zum Hügelland und auch nicht zum Wonnegau. Wir sind einfach in Rheinhessen. Im Niemandsland, wenn man so will...

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Dirk Würtz

Ich habe noch etwas vergessen, was ich dem letzten @Gast noch sagen wollte: Es gibt sie, die langlebigen und charaktervollen rheinhessischen Rieslinge, nicht nur an der Rheinfront. Du würdest Dich wundern.. ich habe mich nämlich auch schon öfter gewundert. Ich hatte gerade kürzlich auf einer Probe zahlreiche solche Weine aus dem Hinterland und die waren richtig gut! Dafür interssiert sich nur leider so gut wie niemand...

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Master at Arms

Es ist ja auch so, dass es in Reinhessen ähnlich wie Trier lange eine Tradition der Versteigerungen gab. Westhofen, Osthofen und viele andere Orte abseits des Roten Hangs werden in der Literatur der 50er und 60er Jahre wirklich gepriesen. Von daher ist die dort wachsende Qualität kein ganz neues Phänomen. Gibt dort eben auch wirklich gruselige Massenerzeuger.

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