Bitter enttäuscht von der österreichischen Rieslingszene und ihren Freunden, fasste ich vor kurzem den Entschluss, mich an den Ursprung zu begeben. Dorthin, wo alles begann. An einen Ort, an dem sich noch alles um die beste aller Rebsorten dreht. Ich will mich ja nicht der Langeweile widmen. Davon habe ich schließlich in der Heimat genug. Davon und vom schlechten Riesling.
So begab es sich also, dass ich meine Provianttasche packte und Richtung Deutschland segelte. Die deutsche Weißweinwelt genießt in Österreich keine Aufmerksamkeit. Die besten Weißweine der Welt, so die breite Meinung in Österreich, kommen aus dem eigenen Land. Das Marketing funktioniert, es wird nichts anderes als Österreich getrunken wird, was zu einem erheblichen Anteil der exzellenten Arbeit der Organisation Österreichische Wein Marketing (ÖWM) zu verdanken ist. Finde ich auch gut so.
Trotzdem (oder deshalb) Deutschland. Ich, der Ösi, suchte nach einem ganz besonderes Haus im Rheingau. Eine Region, die schon Weltklasse war, als Amerika und China als Märkte noch nicht erschlossen waren. Einst waren die Weine dieser Region die teuersten der Welt. Heute sind die großen Rieslinge dieser Region eher vinophilen Querdenkern bekannt. Uns soll‘s recht sein.
Intellektuelles Teufelszeug
Prächtig jauchzend vernahm ich einen kühnen, wohlklingenden Namen: Peter Jakob Kühn. Er verarbeitet seine Trauben in Oestrich. Schon bei den ersten Annäherungen an die Weine dieses Hauses wird man besonders eines begreifen: dieses Teufelszeug ist so intellektuell wie spannend und zuletzt doch so leicht verständlich wie alles andere.
Kosten Sie einen der Rieslinge. Ich verspreche Ihnen, es wird plötzlich alles klar werden. Man muss sich danach nicht mehr die Fragen stellen: warum biologischer Weinbau? Warum Spontangärung? Es reicht einfach, die Weine zu kosten, die eine oder andere Stunde (oder auch den einen oder anderen Tag) zu warten, nochmals zu kosten und dann zu trinken. Hier beginnt das Verlangen nach der Unendlichkeit, um den flüssigen Wahnsinn erahnen zu können.







Vater und Tochter Kühn. Aber wozu die Gänseblümchen? (Fotos: Weingut Peter Jakob Kühn) 





Wahnsinnskerl. Wunderschöne, lässige Weine. Vorbild.