16.06.11 WEINE 10 Einem Freund senden

Zum Steine Erweichen: kühner Riesling

Vater und Tochter Kühn. Aber wozu die Gänseblümchen? (Fotos: Weingut Peter Jakob Kühn)Vater und Tochter Kühn. Aber wozu die Gänseblümchen? (Fotos: Weingut Peter Jakob Kühn)

Bitter enttäuscht von der österreichischen Rieslingszene und ihren Freunden, fasste ich vor kurzem den Entschluss, mich an den Ursprung zu begeben. Dorthin, wo alles begann. An einen Ort, an dem sich noch alles um die beste aller Rebsorten dreht. Ich will mich ja nicht der Langeweile widmen. Davon habe ich schließlich in der Heimat genug. Davon und vom schlechten Riesling.

So begab es sich also, dass ich meine Provianttasche packte und Richtung Deutschland segelte. Die deutsche Weißweinwelt genießt in Österreich keine Aufmerksamkeit. Die besten Weißweine der Welt, so die breite Meinung in Österreich, kommen aus dem eigenen Land. Das Marketing funktioniert, es wird nichts anderes als Österreich getrunken wird, was zu einem erheblichen Anteil der exzellenten Arbeit der Organisation Österreichische Wein Marketing (ÖWM) zu verdanken ist. Finde ich auch gut so.

Trotzdem (oder deshalb) Deutschland. Ich, der Ösi, suchte nach einem ganz besonderes Haus im Rheingau. Eine Region, die schon Weltklasse war, als Amerika und China als Märkte noch nicht erschlossen waren. Einst waren die Weine dieser Region die teuersten der Welt. Heute sind die großen Rieslinge dieser Region eher vinophilen Querdenkern bekannt. Uns soll‘s recht sein.

Intellektuelles Teufelszeug

Prächtig jauchzend vernahm ich einen kühnen, wohlklingenden Namen: Peter Jakob Kühn. Er verarbeitet seine Trauben in Oestrich. Schon bei den ersten Annäherungen an die Weine dieses Hauses wird man besonders eines begreifen: dieses Teufelszeug ist so intellektuell wie spannend und zuletzt doch so leicht verständlich wie alles andere.

Kosten Sie einen der Rieslinge. Ich verspreche Ihnen, es wird plötzlich alles klar werden. Man muss sich danach nicht mehr die Fragen stellen: warum biologischer Weinbau? Warum Spontangärung? Es reicht einfach, die Weine zu kosten, die eine oder andere Stunde (oder auch den einen oder anderen Tag) zu warten, nochmals zu kosten und dann zu trinken. Hier beginnt das Verlangen nach der Unendlichkeit, um den flüssigen Wahnsinn erahnen zu können.

Seite 1/2 >


DruckversionPDF-VersionEinem Freund senden Share this
Kommentare 10

Kommentare

DURST

Wahnsinnskerl. Wunderschöne, lässige Weine. Vorbild.

Missbrauch melden!   Bitte einloggen, um zu bewerten!  
Gast ...Irritiert.

Überall schwule Jubelperser. Ach wie ist der neue Cork scheisse.

Missbrauch melden!   Bitte einloggen, um zu bewerten!  
frohnau

Ja genau - Jubelperser; genau der Eindruck befiel mich beim Lesen dieses Beitrages auch. Kühn baut ab - seit 2008 verlässt er wieder seinen Pfad des Eigensinns und produziert Weine für den Durchschnittskonsumenten (ein Weinhändler berichtete mir, dies sei Ergebnis der Beschäftigung eines neuen jungen Mannes im Keller) - sei es wie es sei: das 2009er-Gefälligkeitsprodukt schob Kühn im Gespräch noch auf den Jahrgang, aber 2010 (gelungene BSA hin oder her) kommt so gefällig und restsüss daher, dass ich nicht nur den "Maat" als inkompetent zu bezeichnen nicht länger zögere, sondern diesen Wein als Opfer kommmerzieller Interessen, ergo untrinkbar, einschätze.

Missbrauch melden!   Bitte einloggen, um zu bewerten!  
Nasenbär

Ich seh das anders und ein Säurejahr wie 10 mit Zucker etwas puffern als durchaus gut und der Tradition entsprechend! Kühn ist genial! Seine 09er, egal ob animalischer Nikolaus oder super strukturierter Doosberg einfach gut! Die Zeit wird's richten, ihr werdet sehen. Der Maat hat recht!

Missbrauch melden!   Bitte einloggen, um zu bewerten!  
Wine-Dealer

Also Kühns Weine aus 2008 und 2009 als Gefälligkeitsprodukte zu bezeichnen finde ich schon reichlich kühn. Mir haben sie nicht gefallen, aber nicht weil zu glatt sondern eher weil zu wenig "trinkig".

Dies ist 2010 ganz anders, unglaublich geschliffene Weine, perfekter Säureabbau, ohne den Jahrgang zu verschleiern, der kleine Jakobus ein echter PLV-Hit!

Bevor die Topweine im September kommen, würde ich aktuell sagen, Kühns 2010er sind die Kollektion des Jahres im Rheingau.

Missbrauch melden!   Bitte einloggen, um zu bewerten!  
labello

Bezüglich Ösi-Riesling muss ich als Ösi entschieden widersprechen. Wer schon die 2010-er von Walter Buchegger, Karl Fritsch, Sepp Gritsch, etc. gekostet hat, kann so nicht denken bzw. schreiben.
p.s.: Das Gejaule wg. des Abgangs des Captains geht mir auf den Geist. Gebt den Maats eine Chance !

Missbrauch melden!   Bitte einloggen, um zu bewerten!  
Georg Weidmann verstimmt

Nun lese ich ja schon eine ganze Zeit bei den Weinabenteuern des Captain Cork und seiner Crew mit, aber jetzt komme ich nicht mehr umhin ein Fass auf das Deck zu rollen, und dieses in Form eines Kommentars zu öffnen.

Captain weg, neuer Cork Scheiße, schwule Jubelperser, inkompetenter Maat. Nun kann man ja sicher über vieles diskutieren und verschiedener Meinung sein, dies aber ausgerechnet an den Weinen von Kühn festzumachen halte ich, dezent formuliert, für unseriös!

Kühn Weine polarisieren seit Jahren, und das auf allen Ebenen der Weinkennerschaft. Dies hat aber mit dem Abgang des Captain in etwa so viel zu tun, wie eine Vitaminüberversorgung mit Skorbut.

So, und jetzt geh ich in meine Kombüse...

Missbrauch melden!   Bitte einloggen, um zu bewerten!  
Thomas Schwarz (via Facebook)

...träum heut noch vom 08er Doosberg ! Meine Kati hat letztens "einen" Riesling aufg'macht, der sogar ihr g'schmeckt hat - Schlehdorn 09 - seufz !!!!!!!!

Missbrauch melden!   Bitte einloggen, um zu bewerten!  
Maat Mally (via Facebook)

welch köstlicher wein das war - es lebe sepp muster, oder hat den der ewald tscheppe mitgebracht?

Missbrauch melden!   Bitte einloggen, um zu bewerten!  
Master at Arms

Ich denke auch, dass es P.J. Kühn zu den ganz Großen im Rheingau gehört. Wäre Schade, wenn das durch die momentan etwas erhitzte CC-Situation in Frage gestellt würde.
Wie seine gehobenen Weine des 10ers schmecken, werden wir sehen. Diese Weine präsentieren sich im Jahr der Füllung meist noch stwas unruhig. Ich würde mir ein valides Urteil zu den 2010ern erst 2012 zutrauen. Alles was ich an Weinen aus 2008 und 2009 getrunken habe war sehr gut und absolut eigenständig. Mein absoluter Lieblingswein von Kühn ist übrigens der Landgeflecht.

Missbrauch melden!   Bitte einloggen, um zu bewerten!  

Kommentar hinzufügen


Neuen Kommentar schreiben
Der Inhalt dieses Feldes wird nicht öffentlich zugänglich angezeigt.

Sicherheitsabfrage
Matrose, beantworten Sie bitte die unten stehende Frage. Ihre korrekte Antwort behindert automatische Störporgramme gegen das Schiff.
Bild-CAPTCHA
Enter the characters shown in the image.
* = Pflichtfeld