In der großen weiten Weinwelt gibt es manche Persönlichkeiten, die bei jeder Gelegenheit im Rampenlicht stehen. Die in der Gastronomie, im Einzelhandel und in der Öffentlichkeit an allen Fronten präsent sind. Wenn ich an deutschen Wein denke, fallen mir da beispielsweise die Namen Robert Weil oder Markus Schneider ein.
Es gibt aber auch die verborgenen Könner. Tüchtige Winzer, die mit Elan und Hingabe ihrem Beruf nachgehen, ohne darum viel Aufhebens zu machen. Man kennt sie, schätzt sie und übersieht sie trotzdem. Einer von diesen Winzern war Heinz Schmitt.
Heinz Schmitt übernahm 1983 das elterliche Weingut in Leiwen an der Mosel, in einer Zeit, in der es um den Moselriesling gar nicht gut bestellt war. Das Schönheitsideal bei Weinen hatte sich nach dem Glykolweinskandal schlagartig geändert. Auf einmal waren nicht mehr die lieblichen Prädikatsweine gefragt, sondern die trockenen Weine. In einer Region, deren Ruf damals noch mehr auf seinen fruchtsüßen Preziosen beruhte als heute, kam diese Kehrtwende denkbar ungünstig.
In seinen Wanderjahren - u.a. zwei Jahre in Kalifornien - hatte Schmitt gelernt, worauf es bei der Bereitung hochwertiger trockener Weine ankommt und wie man auch große Betriebe effizient bewirtschaftet. Und er kannte das gewaltige Potenzial der vergessenen Schiefersteillagen an der Mosel, mit den von je her unterschätzten Weinbergen wie dem Mehringer Zellerberg oder dem Neumagener Rosengärtchen quasi vor seiner Haustür.
Während viele andere die beschwerlichen Arbeiten an den Steilhängen des Moseltals aufgaben, wuchs das Gut von Heinz Schmitt. Aus einem 3,5 ha Familienbetrieb wurde ein Unternehmen mit 22 ha Rebfläche - in internationalen Maßstäben ein Kleinbetrieb, für Moselverhältnisse von mehr als stattlicher Größe. Schmitt war bekannt für seine Rieslinge, die im Idealfall von vollmundiger Saftigkeit sind und mitunter etwas an schwarzen Tee erinnern.
Eine seiner besten Lagen war der Schweicher Annaberg, ein majestätischer Steilhang unweit von Trier, der anders als die meisten Lagen der oberen Mittelmosel nicht von grauem, sondern von rotem Schiefer, gepaart mit Grauwacke und Rotliegendem, geprägt ist, was den Weinen oft eine prägnante, fast schon kräutrig-tabakige Würze verleiht. In dieser Lage finden sich auch eine Vielzahl alter Reben mit niedrigen Erträgen, deren Wurzeln sich über die Jahrzehnte tief in den Moselschiefer eingegraben haben. Einige von diesen gehören Weinliebhabern wie dem ehemaligen saarländischen Ministerpräsidenten Peter Müller oder der renommierten Sommelière Christina Fischer, die in Absprache mit Schmitt einzelne Parzellen gekauft und an diesen verpachtet hatten.
Jeder, der einmal in einem der typischen Steilhänge an der Mosel herumgekraxelt ist, kann sich problemlos vorstellen, wie gefährlich die Arbeiten dort sein können. Am 04. September 2010 traf es Heinz Schmitt, der mit seinem Traktor und seinem Spritzanhänger im Steilhang des Köwericher Laurentiusbergs tödlich verunglückte. Schmitt wurde nur 49 Jahre alt. Er hinterließ bei seinem Tod eine Frau und zwei Kinder. Ihnen hinterließ er die Rebfläche, die in vollem Ertrag stand, die Lese stand vor der Tür. Und er hinterließ die Leiwener Winzerin Sandra Berweiler, mit der Schmitt - wie das Leben so spielt - eine außereheliche Beziehung unterhalten hatte.
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Malerische Steillage: Schweicher Annaberg. (Foto: Areks) 





Was für ein Roman! Ich werde die Drehbuchabteilung des ARD benachrichtigen. Ein wackerer und genialer Winzer kommt tragisch ums Leben, die Geliebte und seine Frau streiten ums vinophile Vermächtnis und treten mit Ihren Weinkreationen gegeneinander an. Bitte nicht falsch verstehen - ich will mit meinem Kommentar niemanden verletzten. Aber diese Story hat das Zeug zur TV-Serie.