Gestern habe ich mit der Mosel abgeschlossen, heute gehen wir gleich an die Nahe. Die Nahe ist 2010 leider sehr heterogen. Das heißt: die meisten Rieslinge schmecken verschlossen und die wenigen Burgunder scheinen die Säure nicht sehr gut verpackt zu haben. Die besten Rieslinge kommen von Diel (hier ein fester, schmelziger „Eierfels") und Gut Hermannsberg, jene mit eleganten trockenen und fast verspielten, restsüßen Rieslingen. Überraschend auch, dass sich das Weingut „prinzsalm" (Früher Salm-Dalberg'sches Weingut) nach einigen Jahren in der Hand des Juniors so schnell wieder sehr gut darstellt. Kompakt und saftig die beiden Rieslinge „Grünschiefer" und „Vom Roten Schiefer".
Württemberg 2010
Württemberg 2010 zeigt sich ähnlich uneinheitlich wie die Pfalz. Die besten Weine kamen von Schnaitmann, Ellwanger und Adelmann. Alle drei mit fast geschlossen guten Ergebnissen aus den Sorten Sauvignon blanc, Riesling und Weißburgunder. Schnaitmanns Grau-Weiss spielte den Ausreißer nach oben. Ein spannender Saft mit Potential.
Rheinhessen 2010
Auch Rheinhessen scheint die Säure des Jahrgangs gut getan zu haben. Der Könner Philipp Wittmann präsentiert souverän gemachte Rieslinge. Aber auch schon der einfache Silvaner ist spannend. Wagner-Stempels Siefersheimer Silvaner hingegen ist mehr als ein einfacher Zechwein: geschliffen, cremig und mit einer herrlichen Würze. Der beste Silvaner, den ich probieren konnte.
Battenfeld-Spanier hat das Jahr auch in eine Frischzellen-Kur verpackt. Die Weine schmecken konzentriert und am Punkt (wie in den letzten Jahren auch), lassen sich aber für meinen Geschmack schon jetzt wesentlich schöner trinken. Es fehlt das „überfeinerte", dafür hat der Spaß massiv Einzug gehalten. Kühling-Gillot glänzen zudem mit zwei beispielhaften Ortsweinen aus Oppenheim und Nierstein. Frucht, Schmelz, Säure - was will man mehr? Vielleicht noch den gemischten Satz von Riesling und Gewürztraminer. Auch sehr fein. Meinetwegen muss es nicht bei dem einen Experiment bleiben.
Franken 2010
Dem fränkischen Silvaner scheint der Jahrgang gut bekommen zu sein. Aber es gab auch eine Reihe von extrem behandelten Weinen, die einfach „leer" schmeckten. Leer und ausgelaugt. In Franken fiel das leider besonders auf. Doch nun zu den guten, den reifen, konzentrierten und saftigen Weinen: Bickel-Stumpf mit zwei beispielhaften, sehr typischen Bodenweinen und dem schönen „Gemischten Satz". Bei Wirsching herrschte die gewohnte Lässigkeit im Glas. Die Silvaner sind nie aufregend, aber tolle Essensbegleiter und jedes Jahr sehr gut. Bei Castell auch Gewohntes, leider die gewohnte Langeweile. Das Weingut Fürst mit seinen Bauhausweinen: klar, stringent, kühl, so auch dieses Jahr. Juliusspital sehr heterogen, das Weingut scheint mir aber auf einem guten Weg zu sein. Rucks Kalb Silvaner: ein kantiger, ernsthafter Wein, ebenso die frische gefüllten Silvaner von Paul Weltner: die Lage Küchenmeister offen und animierend, der Julius-Echter-Berg fest und streng. Das wird groß! Zehnthof-Luckert mit einem fabelhaften Müller-Thurgau und eher feinen Silvanern, die einiges an Zeit brauchen werden.
Euphorie?
Klingt das nach Euphorie? Wenn ja, dann habe ich das Thema verfehlt. Euphorisch bin ich sicher nicht. Vielmehr überrascht von der guten Leistung der besten Winzer. Überrascht, was nach den tatsächlich widrigen Bedingungen des Jahres an feinem Wein in der Flasche landete. Also: kein „Arschjahrgang"? Aber hörte man genau hin, klang das dann doch nicht nach einem guten Jahr. Die Sorge über Menge, Preise und Entwicklung der Weine - auch jener, die jetzt gut schmecken - das alles bewegt viele Winzer, Händler und Gastronomen. „Einfach ist anders", So kann man 2010 auf den Punkt bringen.







Da stehen viele herum. Links oben, der Dritte ist Maat Eschenauer... 





Gut probiert Löwe! Feine Franken Analyse.