21.04.11 WEINE 3 Einem Freund senden

Der 2010er Report von Maat Eschenauer (2)

Da stehen viele herum. Links oben, der Dritte ist Maat Eschenauer...Da stehen viele herum. Links oben, der Dritte ist Maat Eschenauer...

Gestern habe ich mit der Mosel abgeschlossen, heute gehen wir gleich an die Nahe. Die Nahe ist 2010 leider sehr heterogen. Das heißt: die meisten Rieslinge schmecken verschlossen und die wenigen Burgunder scheinen die Säure nicht sehr gut verpackt zu haben. Die besten Rieslinge kommen von Diel (hier ein fester, schmelziger „Eierfels") und Gut Hermannsberg, jene mit eleganten trockenen und fast verspielten, restsüßen Rieslingen. Überraschend auch, dass sich das Weingut „prinzsalm" (Früher Salm-Dalberg'sches Weingut) nach einigen Jahren in der Hand des Juniors so schnell wieder sehr gut darstellt. Kompakt und saftig die beiden Rieslinge „Grünschiefer" und „Vom Roten Schiefer".

Württemberg 2010

Württemberg 2010 zeigt sich ähnlich uneinheitlich wie die Pfalz. Die besten Weine kamen von Schnaitmann, Ellwanger und Adelmann. Alle drei mit fast geschlossen guten Ergebnissen aus den Sorten Sauvignon blanc, Riesling und Weißburgunder. Schnaitmanns Grau-Weiss spielte den Ausreißer nach oben. Ein spannender Saft mit Potential.

Rheinhessen 2010

Auch Rheinhessen scheint die Säure des Jahrgangs gut getan zu haben. Der Könner Philipp Wittmann präsentiert souverän gemachte Rieslinge. Aber auch schon der einfache Silvaner ist spannend. Wagner-Stempels Siefersheimer Silvaner hingegen ist mehr als ein einfacher Zechwein: geschliffen, cremig und mit einer herrlichen Würze. Der beste Silvaner, den ich probieren konnte.

Battenfeld-Spanier hat das Jahr auch in eine Frischzellen-Kur verpackt. Die Weine schmecken konzentriert und am Punkt (wie in den letzten Jahren auch), lassen sich aber für meinen Geschmack schon jetzt wesentlich schöner trinken. Es fehlt das „überfeinerte", dafür hat der Spaß massiv Einzug gehalten. Kühling-Gillot glänzen zudem mit zwei beispielhaften Ortsweinen aus Oppenheim und Nierstein. Frucht, Schmelz, Säure - was will man mehr? Vielleicht noch den gemischten Satz von Riesling und Gewürztraminer. Auch sehr fein. Meinetwegen muss es nicht bei dem einen Experiment bleiben.

Franken 2010

Dem fränkischen Silvaner scheint der Jahrgang gut bekommen zu sein. Aber es gab auch eine Reihe von extrem behandelten Weinen, die einfach „leer" schmeckten. Leer und ausgelaugt. In Franken fiel das leider besonders auf. Doch nun zu den guten, den reifen, konzentrierten und saftigen Weinen: Bickel-Stumpf mit zwei beispielhaften, sehr typischen Bodenweinen und dem schönen „Gemischten Satz". Bei Wirsching herrschte die gewohnte Lässigkeit im Glas. Die Silvaner sind nie aufregend, aber tolle Essensbegleiter und jedes Jahr sehr gut. Bei Castell auch Gewohntes, leider die gewohnte Langeweile. Das Weingut Fürst mit seinen Bauhausweinen: klar, stringent, kühl, so auch dieses Jahr. Juliusspital sehr heterogen, das Weingut scheint mir aber auf einem guten Weg zu sein. Rucks Kalb Silvaner: ein kantiger, ernsthafter Wein, ebenso die frische gefüllten Silvaner von Paul Weltner: die Lage Küchenmeister offen und animierend, der Julius-Echter-Berg fest und streng. Das wird groß! Zehnthof-Luckert mit einem fabelhaften Müller-Thurgau und eher feinen Silvanern, die einiges an Zeit brauchen werden.

Euphorie?

Klingt das nach Euphorie? Wenn ja, dann habe ich das Thema verfehlt. Euphorisch bin ich sicher nicht. Vielmehr überrascht von der guten Leistung der besten Winzer. Überrascht, was nach den tatsächlich widrigen Bedingungen des Jahres an feinem Wein in der Flasche landete. Also: kein „Arschjahrgang"? Aber hörte man genau hin, klang das dann doch nicht nach einem guten Jahr. Die Sorge über Menge, Preise und Entwicklung der Weine - auch jener, die jetzt gut schmecken - das alles bewegt viele Winzer, Händler und Gastronomen. „Einfach ist anders", So kann man 2010 auf den Punkt bringen.



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Kommentare 3

Kommentare

DURST

Gut probiert Löwe! Feine Franken Analyse.

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pascal

Ich bin verwundert, wie sehr doch die den Jahrgang prägende Säure bei den Geschmackseindrücken hier unerwähnt blieb - wurde sie wirklich als nicht störend empfunden? Dass dies ein Jahrgang der sehr guten Winzern werden wird, schien mir als Hypothese vorweg einleuchtend - doch wer mögen diese Winzer sein? Ich habe bislang nur einen entdeckt - die Gebrüder Luckert. Was der Zehnthof als Liter-Silvaner und M-T mit 12 % auf die Flasche gebracht hat, ist erstaunlich - kompakt , dicht , harmonisch, Trinkspass aus einem Guss, nie und nimmer als 2010er-Weine zu erkennen. Im Kabinett-Bereich setzt sich das fort, da lassen Weine mit 12,5/13% die Muskeln spielen, schmecken voll reif und stecken den Jahrgang lässig weg - eine ganz erstaunliche Leistung, die diesen Weingut weit von der fränkischen Gefälligkeits-Linie abhebt. Von dieser setzen sich Jahr für Jahr auch die Gebrüder Schmitt ab, deren "Trockene Schmitts" zeigen, was durchgegorene Weine an Qualität zu bieten haben. Und auch 2010 zeigen Silvaner und M-T, welche Anlagen in ihnen zu erschmecken sind. Gleichwohl-hier muss sich die Säure noch besser einbinden (erst recht bei der sehr reschen Scheurebe).

Gegenbeispiele für die Probleme 2010: Das fränkische Weingut am Ölspiel, bis dato für solide, seriöse Weine zu günstigen Preisen bewährt (und voriges Jahr im GM entdeckt) mag als Beispiel dafür dienen, dass hohe Säure bei niedrigen Alk.-Werten in diesem Jahr kaum trinkbar ist. Das gilt bei viel Frucht im Glas auch für (auch 2010 von Pigott hoch gelobten) Wagner-Stempels-Gutsweine. Das Probepaket von 6 Rebsorten zeigte Weine mit viel prägnanter und eindimensionaler Frucht, deren Reife die heftige Säure nicht zu überdecken vermochte. Kein Nachkaufreflex, manches landete im Ausguss.
Insofern fürchte ich, dass des Captains Pauschal-Verdamnis weitgehen Bestätigung erfahren wird (mindestens im Segment bis 10 EUR, das Butter und Brot der deutschen Winzer bleiben sollte).

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ChezMatze

Ich muss zugeben, dass ich jetzt mal spontan und ohne großes Nachdenken kommentiere. Insofern ist immer Vorsicht geboten ;) Aber was mich viel mehr stört als eine prägnante Säure im Brot & Butter-Wein (das ist nämlich Jahrgangscharakter), ist die aufgesaugte, weggelaugte Säure nebst anderen Nachbehandlungsmaßnahmen, die gerade in diesem Segment zu dem befürchtet flachen Einheitsbrei führen. Das ist dann gar kein Charakter mehr.

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