Ich mag sie nicht unbedingt, die Weine aus der Wachau. Mit so einem Satz gleich zu Beginn macht man sich nicht unbedingt beliebt. Nun, mir fehlt in letzter Zeit ein bisschen das Trinkvergnügen.
Aber es gibt ja eine neue Wachau. Etwa die Weine von Erich Krutzler. Ja genau, der Krutzler aus dem Südburgenland. Und Slowenien (Marof). Der ist mit Elisabeth Pichler, der Tochter des in der Wachau ansässigen Starwinzers F.X. Pichler verheiratet. Und macht mit Ihr gemeinsam Wein. Weißwein, (fast) nur Weißwein: Crisp, drahtig und langlebig. So wie die Weine von Knoll, früher mal, waren.
In ihrer Jugend sind die Krutzler-Pichler Weine harte Brocken. Überbordend und ungeschminkt ihre Mineralität. Glasklar und fast klirrend ihre Anmutung. Aber je älter diese Weine werden, desto weniger ändern sie sich im Vergleich zu herkömmlichen Weinen der Wachau. Kein Petrolton, keine Hochfärbigkeit, kein klassisches Alter.
Das Alter tut nichts mehr
Das ist jetzt am ersten Jahrgang 2007 von Elisabeth & Erich (von mir schamlos „krutzefix" genannt) sensationell zu sehen. Sicher werden diese Weine zu früh getrunken, zeigen aber gerade jetzt die schönsten Elemente des Neuen. Und Fassproben beweisen: Es wird es aus dem schwierigen Jahrgang 2008 bessere Weine geben; auch die 2009er sind in der Weiterentwicklung fast evolutionär zu nennen. Das ist logisch, denn als Neuer in der Wachau lernt man jede Minute.
Schwierig nur, wenn man so den berühmten Schwiegerpapa als unmittelbaren Mitbewohner hat. Das verpflichtet. Zur komplett anderen Seite der Medaille.

Und zu anderen Lagen, etwa zur „Supperin", unten am Fusse der Dürnsteiner Kirche an der Donau, eingemauert wie ein französisches Clos und schwer zu bearbeiten. Steinig, wie man sich steinig nur vorstellen kann. Steinigt mich nicht, aber dieser Wein könnte in der Wachau ein neues Zeitalter einläuten. Kein Gramm Fett auf den Rippen, jedoch wohlgeformt, ohne Überreizung durch Alkohol, viel Heublumen, Sommerwiese mit Sauerampfer, ein Mönchspfeffer, rosa Grapefruit am Gaumen. Der Grüne Veltliner Supperin 2007 passt hervorragend zu Kutteln nach einem Rezept eines kochenden Metzgers aus Florenz.
Supperin aufgehübscht
Der 2008er Supperin - besser ausgestattet, mehr trainiert und für die Medaillenvergabe auch ein bisserl aufgehübscht - ist in der Nase gleich angenehmer. Mit zunehmender Zeit öffnet er sich im Glas, da fällt die Schminke ab. Es erklärt sich ein Grüner Veltliner, der einem unvermittelt klar macht, wo er gewachsen ist. Eingefriedet von losem Mauerwerk aus der Lage selbst. Abgeholt aus einer mineralischen und üppigen Natur. Und so gibt er sich unverbindlich. Will man nur trinken, stellt er sich nicht in den Weg. Will man mehr erfahren, rückt er auch damit raus. So gehört sich das.
Die Herzstücke des Kellerbergs, vom F.X.-Nachwuchs seit Kindesbeinen an wegen Hitzespiegelungen der Dürnsteiner Ruine „Wunderberg" gerufen, zeigen als Lage einige symptomatische Eigenheiten. Etwa der Riesling 2007: zarte 13 % Alkohol, doch Kraft und Intensität bis in den letzten Tropfen. Und wieder biedert sich nichts an. Nichts Überopulentes, keine „ich bin der beste, ich bin der stärkste"-Attitüde. Nein, es ist einfach nur alles am richtigen Platz. Die Aromen in feiner, zarter und richtiger Dosierung. Knackig durch und durch, frisch wie ein weisser Weingartenpfirsich in Vollreife vor Ort neben dem Baum genossen. Leichte Herbheit, die Pfirsichhaut wird spürbar. Feingliedrig, tänzlerisch, eine Ballerina ohne Bulemie, behändig und flink. Man sieht und spürt jede Ihrer Bewegungen, Ihren Ausdruck und Ihre Wärme. Das führt zwangsläufig zu Gänsehaut. Chapeau!

Und dann haben die beiden auch noch einen Wein für alle Tage. Wunderbar. Den Grüner Veltliner Frauengärten 2008. Frauengärten: Das sind die Weingärten in der Ebene zwischen Weissenkirchen und Dürnstein. Die Weingärten, die von den Frauen der Orte einst leichter erreichbar waren und keine Kletterausrüstung vorraussetzen. Auf diesem Schwemmsandböden-Untergrund mit etwas Urgestein wird es nie eine echte „Mineralität" geben. Aber man kann hier doch einen anspruchsvollen Wein keltern, einen Wein, der Profis genauso fordert wie er normalen Weingenießern einfach nur schmeckt.
Nuss. Lakritze und Capridingsbums
Voilá, gelungen. Grüner Veltliner, wie er eindeutiger nicht sein könnte. Herrliche schwarze Nüsse, etwas Lakritze, Caipirinha, Quittenmarmelade und erstaunlich tiefgründige Würze. Eine Vielschichtigkeit die nicht zu laut wird, eine Süffigkeit, die einem die Umgebung vergessen lässt. Unheimlich, was ein einfacher Veltliner so alles bieten kann.
Bleibt abzuwarten wie sich Krutzler-Pichler weiterentwickeln. Und bleibt zu hoffen, dass die verbesserte & optimierte Weingartenarbeit weiter die Ausdrucksstärke der Weine fördert. Bleibt auch zu hoffen, dass wir Weintrinker die Möglichkeiten haben, uns mit Krutzler-Pichler zu entwickeln. Hin zu einem neuen Weingeschmack, zu einer neuen Wachau.
- Grüner Veltliner Supperin für 25,90 Euro bei Vinorama
- Grüner Veltliner Frauengärten 2008 für 11,40 Euro bei Vinorama
Zur kargen, klosterhaften Ausprägung der Krutzler-Pichler Weine höre ich besonders gerne Musik von der Amparo Sanchez, irgendwie Mexikanerin, nein Spanierin, nein, alles. Sie wird begleitet von den Calexico Musikern Burns & Convertino. Staubig, dreckig und heiss, trotzig und doch Anmutig, frei von Zwängen.
Der Captain empfiehlt seinen Matrosen übrigens auch noch andere hervorragende Weine aus Österreich.







Vater, Mutter, Kind, Wein... 





Ich mag sie ja sehr, die "neuen" Wachauer, wie Krutzler-Pichler ("krutzefix" würd' ich mir patentieren lassen :) ) oder Malberg. Nur preislich ambitioniert ist das Zeug schon sehr. (Auch wenn es es wert ist, aber, he, das sind Newcomer.) Und rar obendrein. Ich wünsch' ihnen den größtmöglichen Erfolg, damit sie einige Nachahmer finden und andere vielleicht doch umdenken. Oder soll ich sagen "zurück"denken?