31.08.11 WEINE 7 Einem Freund senden

Kochkurs: steiler Za(h)nder

Und der Zander, der hat Zähne.. (Foto: K.-U. Häßler)Und der Zander, der hat Zähne.. (Foto: K.-U. Häßler)

Riesling kann man eigentlich immer trinken. Aber natürlich hat die edelste der deutschen Rebsorten mehr verdient, als nur einfach weggeschluckt zu werden, finde ich. Längst hat sich rumgesprochen, dass Riesling einer der feinsten Speisebegleiter ist, die man sich überhaupt denken kann.

Dabei kommt ihm sein Facettenreichtum zu gute. Von knochentrocken-stahlig-mineralisch, über pralle exotische Fruchtkörbe, bis hin zu nahezu barock-opulenten edelsüßen Kunstwerken - es gibt immer den richtigen Riesling zur richtigen Gelegenheit. Man muss ihn nur finden.

Riesling zu Edelfischen, zu hellem Geflügel, zu Spargel oder in restsüßen Varianten zu thailändischen oder indischen Gerichten gelten mittlerweile als Klassiker. Bei einer Präsentation des Weingutes Van Volxem kam vor einigen Jahren zu einer gereiften Spätlese ein kräftig gewürzter Blutwurststrudel auf den Tisch. Seitdem weiß ich, wie bestimmte edle Rieslinge an Majoran andocken können.

Der Weg in den Riesling-Genussolymp muss nicht besonders kompliziert oder gar teuer sein. Kleiner Tipp: wer dort sucht, wo es sowohl der Pflanze, als auch dem Winzer weh tut, ist meistens auf der richtigen Spur.

Der Bremmer Calmont an der Moselschleife zwischen Neef und Ediger-Eller ist so eine Adresse. Karger, von Gestein durchsetzter Schieferboden und eine Hangneigung von bis zu 65 Grad machen den Weinbau dort nicht unbedingt vergnügungssteuerpflichtig. Auch deswegen sind derzeit nur 14 von insgesamt 22 Hektar auf diesem höchsten Weinberg Europas bewirtschaftet, da kostendeckende Preise für Steilstlagenweine ohne VDP-Adler oder andere Marketing-Elemente nicht so einfach zu erzielen sind. Billig geht hier gar nicht.

Ganz gut etabliert hat sich am Calmont (neben anderen) das Familienweingut Laurentiushof. Der zum Ökoverband Ecovin gehörende Betrieb bewirtschaftet insgesamt 4,5 Hektar und davon ein Hektar terrassierte Steillagen auf dem Calmont. Vom Jahrgang 2010 gibt es eine feinherbe Riesling Spätlese und eine trockene Abfüllung, und die heißt, wie sie schmeckt: URGESTEIN. Ein spontanvergorenes, ungeschöntes, reduktiv ausgebautes Tröpfchen aus einem bekanntermaßen sehr schwierigen Jahrgang.

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Kommentare 7

Kommentare

Gast ...kritisch

Ich frage mich, was die Mitgliedschaft bei Ecovin tatsächlich bedeutet. Öko kann ja alles heißen.

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sturmlotse Balcerowiak

Das bedeutet immerhiin Verzicht auf Petizide, artenreiche Begrünung etc. Natürlich sind Bioweine nicht per se gut. Der Urgestein ist es aber Am besten Sie probieren ihn.

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Zanderfreak ...hungrig

Endlich mal jemand der den besten deutschen Binnenfisch zu würdigen weiß und auch zubereiten kann. Den Wein vom Laurentiushof werde ich wohl mal probieren müssen.

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Gast ...korrigierend

Nicht der höchste, sondern der steilste Weinberg Europas. Den höchsten findet man im Wallis.
Weiss es auch nicht besser, habe es nur in der HP des Winzer's nachgelesen.

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tellbertini

Na also, es geht doch auch ohne ideologische Indoktrination

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sommelier CH höchster weinberg

der ist in visperterminen, auf nahezu 1200 m über dem meeresspiegel. es werden einheimische, vergessene sorten angebaut: heida, im unterwallis païen gennannt, lafnetscha, himbertscha und der gletscherwein rèze, man nennt ihn so, weil man von da aus die oberwlliser gletscher bestaunen kann. der anbau dieser weissen sorten beginnt bei ungefähr 600 m und geht dann hoch bis 1200 m wobei in dieser luftigen höhe nur noch wenige ha stehen.

der beste winzer dafür ist die Cave Chanton in visp, joseph maria chanton und sein sohn mario haben diese wunderbaren weine im sortiment. in den winter- oder sommerferien im oberwallis lohnt es sich vorbei zu schauen.

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Zahlmeister ...bewundernd

Potzplitz! Dieser Matrose weiß aber Bescheid. Herkommen, Mann!

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