Riesling kann man eigentlich immer trinken. Aber natürlich hat die edelste der deutschen Rebsorten mehr verdient, als nur einfach weggeschluckt zu werden, finde ich. Längst hat sich rumgesprochen, dass Riesling einer der feinsten Speisebegleiter ist, die man sich überhaupt denken kann.
Dabei kommt ihm sein Facettenreichtum zu gute. Von knochentrocken-stahlig-mineralisch, über pralle exotische Fruchtkörbe, bis hin zu nahezu barock-opulenten edelsüßen Kunstwerken - es gibt immer den richtigen Riesling zur richtigen Gelegenheit. Man muss ihn nur finden.
Riesling zu Edelfischen, zu hellem Geflügel, zu Spargel oder in restsüßen Varianten zu thailändischen oder indischen Gerichten gelten mittlerweile als Klassiker. Bei einer Präsentation des Weingutes Van Volxem kam vor einigen Jahren zu einer gereiften Spätlese ein kräftig gewürzter Blutwurststrudel auf den Tisch. Seitdem weiß ich, wie bestimmte edle Rieslinge an Majoran andocken können.
Der Weg in den Riesling-Genussolymp muss nicht besonders kompliziert oder gar teuer sein. Kleiner Tipp: wer dort sucht, wo es sowohl der Pflanze, als auch dem Winzer weh tut, ist meistens auf der richtigen Spur.
Der Bremmer Calmont an der Moselschleife zwischen Neef und Ediger-Eller ist so eine Adresse. Karger, von Gestein durchsetzter Schieferboden und eine Hangneigung von bis zu 65 Grad machen den Weinbau dort nicht unbedingt vergnügungssteuerpflichtig. Auch deswegen sind derzeit nur 14 von insgesamt 22 Hektar auf diesem höchsten Weinberg Europas bewirtschaftet, da kostendeckende Preise für Steilstlagenweine ohne VDP-Adler oder andere Marketing-Elemente nicht so einfach zu erzielen sind. Billig geht hier gar nicht.
Ganz gut etabliert hat sich am Calmont (neben anderen) das Familienweingut Laurentiushof. Der zum Ökoverband Ecovin gehörende Betrieb bewirtschaftet insgesamt 4,5 Hektar und davon ein Hektar terrassierte Steillagen auf dem Calmont. Vom Jahrgang 2010 gibt es eine feinherbe Riesling Spätlese und eine trockene Abfüllung, und die heißt, wie sie schmeckt: URGESTEIN. Ein spontanvergorenes, ungeschöntes, reduktiv ausgebautes Tröpfchen aus einem bekanntermaßen sehr schwierigen Jahrgang.
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Und der Zander, der hat Zähne.. (Foto: K.-U. Häßler) 





Ich frage mich, was die Mitgliedschaft bei Ecovin tatsächlich bedeutet. Öko kann ja alles heißen.