2010 wird - was die Spitzenqualitäten betrifft, an denen ein Jahrgang qualitativ zu messen ist - ein bombastischer und sehr langlebiger Weißweinjahrgang. Das steht für mich inzwischen außer Zweifel. Der warme, trockene Herbst machte es möglich.
Trotzdem ist 2010 eins dieser Jahre, in denen die Weine ihre Kritiker an der Nase herumführten. Die erreichte Reife im Weingarten war zwar gut, allerdings war der Sommer kühl und forderte von den Produzenten einiges an Geduld und Nerven ein.
Kaum waren die Sommermonate erreicht, sank die Temperatur. Anstelle von Wärme gab's in erster Linie Regen. Und (zack!) kamen auch schon die ersten Meldungen über den „Arschjahrgang". Das ist er auch. Aber nicht für uns Konsumenten. Nur die Winzer erwischte es, denn die Mengen waren ausgesprochen gering.
Dann folgten erste Prognosen nach der Lese. Die fielen auch nicht gerade positiv aus. Pointierte Polemik von Leuten, die sich anmaßen, schon in frühesten Stadien der Weinwerdung Urteile über etwas abzugeben, was gerade erst zu entstehen beginnt. Ich lästere doch auch nicht über eine ganze Oper, nur weil mir der erste Ton missfällt, oder?
Säure und Härte sind Eigenschaften, die den Wein zu Beginn vorübergehend mal nicht besonders wohlschmeckend erscheinen lassen. Kalkuliert man dazu allerdings aromatisch reife Trauben, Extrakt (durch minimalen Ertrag) und Struktur, spricht dies für einen günstigen Alterungsverlauf. Man hätte also bereits im Herbst 2010 eine durchaus günstige Prognose abgeben können. Das macht allerdings keinen Krawall.
Ich sage: 2010 ist ein Jahr für Checker. Also solche, die was vom Weinmachen verstehen. Im Gegensatz zu 2009.
Aber gehen wir noch weiter zurück und blicken auf den Jahrtausendjahrgang 2003. Den feierten erst alle, um ihn inzwischen verpönt abzulehnen. Die meisten Weine aus diesem heißen Jahr sind inzwischen säurelose Marmeladen. Damals haben sich viele an den so zugänglichen Alkoholbomben herzhaft erfreut. Jetzt hasst man das einst so geliebte Teufelszeug.
Ich glaube nicht, dass 2009 ein ähnliches Schicksal ereilen wird. Dafür waren die Jahre 2003 und 2009 zu verschieden. Inzwischen sollten wir aber wissen, dass Wein in der Jugend auch mal etwas ruppig schmecken darf, vielleicht sogar muss. Und auch Säure braucht.
Jedem, der meint, es fehle den Weinen aus 2010 an Körper und sie hätten zu viel Säure, der möge sich ein paar gute Rieslinge aus 2010 beiseite legen, um in 10 Jahren belehrt zu werden.
Die wirklich großen Burschen des Jahrgangs werden auch die 2009er überleben. Ich hoffe, dass man bei den Vergleichsverkostungen in 10 Jahren dann an mich denken wird.
Kein unbekannter hier am Schiff ist das Weingut Karl Schäfer aus Bad Dürkheim. Man sprach schon gelegentlich über das pfälzische Traditionsweingut. Zum Beispiel hier oder hier.
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Traute Trauben 2010 - gute Ernte bei schlechtem Ertrag? (Fotos: Weingutschaefer.de) 





Auch in der Weinwelt wiederholt sich eben die Geschichte. 2005 war auch so ein Jahr, dass damals alle hassten. Ich hab von Leuten gehört, die sich in Restaurants weigerten (glasweise) Weine aus 2005 zu trinken. Natürlich lauter ahnungslose, die in irgendwelchen Medien aufschnappten, dass der Jahrgang "ach Gott so schlecht" war.
Erst kürzlich tranken wir ein paar tolle (knackige!!) Rieslinge aus 2005. Ihr gemeinsamer Nenner war die Frische die sie versprühten. Auch bei ihnen gilt: diese Weine werden älter als die in den Himmel gelobten 2006er die inzwischen deutlich reifer schmecken als die Weine aus dem kühlen Vorjahr.
Vielleicht sollte die Mannschaft mal die unnötige Jahrgangsthese v. Klimek über Board werfen.. Die ist nämlich Nährboden für solchen Schnickschnack.
Nebenbei ist in Bordeaux alles anders. Bei denen wars nämlich gar nicht so kühl und balanciert wie bei uns. Dort schmecken die Weine eher nach Napa als nach Frankreich..