21.09.11 WEINE 4 Einem Freund senden

Wie man sieht: guter Wein = glücklich

Geschwister Jeanette und Abrie Bruwer, Eigentümer von Springfield Estate (Foto: VIF) Geschwister Jeanette und Abrie Bruwer, Eigentümer von Springfield Estate (Foto: VIF)

Das ganze Schiff spricht wieder mal von Weinen aus Übersee. Alle wollen sie Südafrika und mich damit beeindrucken. Ich mag dieses Zeug in den seltensten Fällen. Die wenigsten Weine aus der Neuen Welt erscheinen mir individuell - auch wenn sie reintönig und gut gemacht sind. Ich bin halt eine unverbesserliche Zicke.

Ich mag eben keine Weine, die außerhalb Europas gekeltert wurden. Warum sollte ich? Ich brauche sie nicht mögen, wir haben in unserer alten Welt genug Spitzenzeug und das ist in Wahrheit viel besser als der fette Rest aus Übersee. So, und jetzt kommt die Überraschung: ich gebe zu, dass bei all dieser Ablehnung dann trotzdem (oder gerade deshalb) nichts - wirklich nichts - mich mehr euphorisiert als die Entdeckung eines Spitzenweins aus der Neuen Welt. Da werde ich plötzlich zum Columbus und brülle „Land in Sicht!" Das ist das schöne an meinem Beruf. Man kann immer wieder überrascht werden.

Springfield Estate hatten wir ja schon mal an Bord. Ich empfahl damals einen Cabernet dieses südafrikanischen Weinguts. Allerdings fügte ich hinzu, dass mich die unnötige Restsüße ihres Rotweins störte. Nun, die gibt's bei folgendem Wein nicht, auch wenn er vom gleichen Produzenten stammt. Diesmal ist es ein Weißwein.

Land in Sicht!

Das Weingut ist in Robertson daheim. Eine Weingegend mit genialem Terroir aus unendlich viel Urgestein. Fans mineralischer Weine sind hier gut aufgehoben.

Springfield Estate um Önologen Bruwer macht Wein auf 150 Hektar. Das meiste entfällt auf hoffnungslos normalen Neue Welt-Sauvignon Blanc. Einen kleinen Teil der Rebfläche hebt sich der Önologe allerdings für private Spinnereien auf. Wie bei dem Wein, der nun folgt:

Er ist wow; einhundert Prozent nach meinem Geschmack - kein Scherz, reinsortig Chardonnay, nicht aus der Burgund und trotzdem spannend!

Natürlich wurde die Gärung ausschließlich mit natürlichen Hefen aus dem Weingarten in Gang gesetzt - sprich: Er wurde spontan in kleinen Eichenfässern vergoren und brauchte dafür einige Zeit.

Dieser Chardonnay, der „Ancienne Methode" heißt und 2006 gekeltert wurde, ist aber nicht nur wegen seiner Vergärung etwas Besonderes. Bruwer füllte sein Experiment ohne den Konservierungsstoff Schwefel und unfiltriert ab. Der Wein hält!

Stöhn, krächz, plätscher...

Die Flasche ist schwer, eine fette Burgunderdose. Kapsel gibt's keine, der Kork wurde mit Wachs versiegelt. Das sieht edel aus. Runter mit dem Wachs und rein mit dem Flaschenöffner, der so spitz auf den Kork ist, wie ich auf den Wein bin.

Während er sich hineinquält, stöhnt er laut und krächzt. Mir ist's egal, er muss da rein und dann raus, sonst wird's nix mit diesem Ausnahmewein. Ab ins Glas, wo er goldgelb hineinplätschert. Erster Atemzug: Holz! Schicken wir ihn doch in den Dekanter zum Planschen und trinken inzwischen ein Glas Riesling, das macht auch Freude.

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Kommentare 4

Kommentare

Gast

Da fragt man sich doch, warum besonders in Deutschland immer noch gut gern so viel Schwefel eingesetzt wird? Ist das Angst oder Gemütlichkeit der Winzer? Auf jeden Fall sehe ich da einen neuen Trend = schwefelfreie Weine.

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Gast

Aus meiner Sicht ein vorsichtig und nicht übermütig oder pauschal (juhu, schwefelfreie Weine) zu bewertender Trend. Nur die, die wirklich gutes Traubenmaterial verwenden und bei denen vom Weinberg bis in die Flasche alles sorgfältig geschieht, können es sich m.E. erlauben, keinen Schwefel einzusetzen. Ich hatte schon eine ganze Menge fehlerbehafteter, ungeschwefelter Weine, bei denen flüchtige Säuren vorhanden waren. Auch ist die Fehleranfälligkeit bei ungeschwefelten Weißweinen erheblich größer als bei ungeschwefelten Rotweinen. Das Prem-Ox Problem bei Chardonnays aus dem Burgund wird (auch wenn es noch nicht entschlüsselt ist) oft darauf zurückgeführt, dass der Schwefeleinsatz dort in der Phase, die vorzeitig oxidierte Weine hervorgebracht hat, erheblich zurückgefahren wurde.

Hinzu kommt, dass das Risiko erheblich steigt, wenn man die Weine nicht gut lagert. Die meisten Winzer raten dazu, ihre ungeschwefelten Weine nicht über 14 Grad Celsius zu transportieren oder zu lagern. So gute Konditionen haben nicht alle im Keller. Ich persönlich nehme einen moderaten Schwefeleinsatz zugunsten einer größeren Sicherheit auch für längere Lagerung unter nicht immer perfekten Bedingungen gerne in Kauf, da ich die Nachteile der Schwefelung nicht als erheblich empfinde.

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Gast ...fragend

Hallo spitze Zicke,
wollte nur mal fragen was ab September mit täglich wieder 2 Artiklen ist?
Oder seid ihr bereits wieder am Umstrukturieren?

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Zahlmeister ...antwortend

Geduld - das kommt. Muss halt gut vorbereitet sein.

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