06.08.11 WEINE 0 Einem Freund senden

Spanien: heute gibt es Obst

Diese Reben stehen zwar in der Rioja, sind aber trotzdem hübsch anzusehen. (Foto: telmorodriguez.com)Diese Reben stehen zwar in der Rioja, sind aber trotzdem hübsch anzusehen. (Foto: telmorodriguez.com)

Um Spanien machte ich viele Jahre lang einen ziemlich großen Bogen. Gerecht war das nicht. Schließlich haben es die vielen guten Erzeuger des Landes nicht verdient, für labbrige weiße Wässerchen und flüssigen angekokelten Vanillepudding in Sippenhaft genommen zu werden.

Also Spanien. Draußen wird es jetzt wieder schöner, über Berlin kommt die Sonne wieder raus - also bleiben wir bei weiß. Für derartige Gelegenheiten haben spanische Önologen vor rund 40 Jahren ein kleines Juwel entdeckt. Denn bis dahin wurde die besonders in der Region Rueda verbreitete autochthone Rebsorte Verdejo in erster Linie für stark oxidierte, sherryartige Weine verwendet. Erst durch High-Tech-Verfahren bei Lese, Transport und Pressung konnte das Potenzial dieser extrem sauerstoffempfindlichen Rebe für nuancierte, frische Weißweine erschlossen werden.

Für seinen Basa Blanco 2010 hat Telmo Rodriguez noch 10 Prozent Viura (auch unter dem Namen Macabeo bekannt) und 5 Prozent Sauvignon Blanc hinzugefügt.

Herausgekommen ist ein äußerst blumiges, aber trockenes Getränk, das zu mehr als nur Durstlöschen taugt. In die Nase steigt zunächst die Sauvignon-Pampelmuse (Achtung: nicht Grapefruit, wie man hier nachlesen kann). Am Gaumen machen sich Ananas und ein wenig Galiamelone bemerkbar, ergänzt durch ein paar frische Kräuter und zusammengehalten von straffer, aber angenehmer Säure.

Allzu kräftige oder salzige Speisen kann man diesem zarten Gebilde wohl nicht zumuten. Mit mildem Frischkäse gefüllte Brioches wären sicherlich einen Versuch wert, doch dieser süffige Wein trinkt sich auch so ganz gut weg - am besten mit 8 Grad Celsius Temperatur.

Und er muss auch weg, denn er lebt von seiner Jugend. Ich bekomme spontan schlechte Laune, wenn ich mir ausmale, wie die soeben geöffnete Flasche in drei oder fünf Jahren schmecken wird.

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