29.12.10 WEINE 14 Einem Freund senden

Schampus: Es muss 3 beste geben

Zis Bottles must noch wait...Zis Bottles must noch wait...

Ja. Ich mag Champagner. Und ja, ich halte ihn für kein überhebliches Getränk ausgebuffter Eliten, keine Trinksignatur der Finanzmarktjongleure. Und ja, ich halte es für falsch, dass Champagner vor dreißig Jahren in den Massenmarkt ging. Er hätte Luxus bleiben sollen.

Denn der Massenmarkt hat den großen Häusern nicht viel eingebracht. Das kann man freilich auch völlig anders sehen, denn die Gewinne von Moet-Hennesy oder Veuve-Clicquot haben sich in den letzten zwanzig Jahren nahezu vervierfacht. Da werden sie die aktuelle Krise schon überstehen. Doch war es früher so, dass das Geld in den Häusern verblieb, ist es heute längst an die Aktionäre ausbezahlt. Oder am Kapitalmarkt verloren. Nein, es war nicht gut, dass Champagner Massenware wurde.

Ich bin alt genug, mich an viele "einfache" Champagner zu erinnern, die noch den exklusiven Champagner-Geschmack hatten, der den Abstand zu einfachen Sekten, aber auch zu Schaumweinen nach Champagnermethode ausmachte. Champagner war einfach einzigartig. Das hat sich in den letzten Dekaden auffällig geändert.

Dafür gibt es zwei Gründe. Erstens: Viele Winzerhäuser und Schaumweinhersteller setzen vermehrt auf Qualität und Diversifikation, was vor allem auch mit den höhren Verdienstmöglichkeiten zu erklären ist. Und zweitens: Die Champagnerhäuser haben in der Massenproduktion zunehmend auf Qualität verzichtet. Man darf inzwischen vermuten, dass sehr große Häuser zwei bis vier Qualitäten abfüllten. Und für die neuen Märkte (Russland, China) gibt es eventuell (bitte beachten, dass es sich hier nur um kolportierte Vermutungen handelt) minderwertigere Ware.

Den Abstand mit dem ersten Schluck klar machen

Das bedeutet, dass man heute von den großen Häusern nicht mehr jene Champagner erwarten darf, die einen großen Abstand zu anderen Schaumweinen schon beim ersten Schluck klar machen. Denn trotz der Krise bleibt die Qualität - gelinde gesagt - mangelhaft. Trotz der Krise wird immer noch viel zu viel Champagner produziert. Und trotz der Krise, die nun auch die mittlerweile fast bedeutungslosen Häuser Heidsieck torkeln lässt, versucht man den Markt weiter zu stabilisieren. Besser Schieflage als Untergang. Ich glaube aber, Untergang wäre besser.

Ich glaube, es sinken nur die unsinkbaren Schiffe. Und übrig bleiben jene kleinen Häuser, die immer schon akzeptable und einwandfreie Ware geliefert haben. Wobei wir unter "kleine Häuser" auch Kellereien verstehen müssen, die jährlich zwischen 700.000 und zwei Millionen Flaschen füllen. Wenn nicht sogar mehr.

Und von diesem Mittelstand der Champagnerfüller kommen seit Jahren schon die besten einfachen Champagner, die man Novizen vorsetzen muss, damit sie verstehen, wie Champagner einst schmeckte. Und unter Novizen verstehe ich auch jene Leute, die den billigen Champanger der letzten Jahre schlürften. Sie dürfen von vorne beginnen.

Selbstredend sind die drei relevanten Häuser in Familienbesitz. Hier gilt die eiserne Regel: "Wenn man eine Bank braucht, ist es meistens schon zu spät". Soll heißen: Man hat die Knete für Expansion oder Durchhaltephase auf der Seite. Und ist dementsprechend gelassen. Dementsprechend gelassen kann man sich auch der Stabilität der Champagner widmen. Und wenn es sein muss auf ein paar tausend Flaschen verzichten. Hauptsache ein Pol-Roger erinnert immer an einen Pol-Roger.

Die großen drei

Zum Beispiel Pol Roger. Man kann zum zweitausendsten Male erzählen, dass Sir Winston Churchill (nach dem auch eine Jahrgangscuvée des Hauses benannt ist) jeden seiner Siege mit Pol-Roger begoss; man kann wiederholt erwähnen, dass Pol-Roger der britischste aller französischen Schaumweine ist (trotz komplett fehlender Oxiation). Alles schönes Geschwätz, doch jedes Glas Pol-Roger Brut macht für mich die Welt der Champagner wieder klar.

Denn kein anderer Champagner erklärt so viel von Champagner, wie der ganz einfache Pol-Roger Brut. Sicher, das Haus hat auch andere hervorragende Weine; etwa den Blanc de Blancs 1999. Doch der Brut ist derartig feinperlig, fruchtig, cremig, blütenduftig und elegant, wie kein anderer einfacher Champagnger. Er ist die (zugegeben kostspielige) Einstiegsdroge in die Welt der Champagnger.

Ihm folgt meiner Meinung nach nur noch der Bollinger Brut Special Cuvée, der einfachste Champagner dieses recht großen Traditionshauses. Auch dieser sehr feinperlig und auf Eleganz gebaut, jedoch mit mehr Körper und einem etwas aufdringlicheren (nicht negativ konnotiert) Stil. Ein muskulöser Vertreter, der meiner Meinung nach deutlich von der hohen Qualtät der hierfür verwendeten Pinot-Noir Trauben zehrt, die mehr als 50 % der Cuvée ausmachen. Saftig, fleischig. Und extrem tauglich, um ein Essen zu begleiten.

Extra dry

Dritter im Bunde - und da weiß ich mich einer Meinung mit dem Captain - ist der Gosset Gand Reserve. Nicht der einfachste Wein des Hauses, der nach wie vor nicht aus dem besseren Durschschnitt herausragen kann, sondern schon eine Stufe darüber, ein Niveau höher. Dieser Wein, so hat es auch der Captain erst letztes Jahr beschrieben, hat den suchtmachenden Charakter einer Himbeerlimonade, wie wir sie aus unserer Kindheit kennen. Und er ist richtig trocken. Und hat eine fantastische und animierende Säure.

Das vor allem deswegen, weil Gosset auf den biologischen Säureabbau verzichtet. Das macht die Weine strahliger, intensiver, grüner, säurebetonter, noch eleganter und auch haltbarer. Aber auch fragil. Da kommt es dann auf das Können des Kellermeisters an. Und auf seine Beobachtungsgabe. Denn ohne biologischem Säureabbau muss man ein paar Stunden öfter im Keller stehen. Und alles unter Kontrolle haben.

Erwähnt sei noch, dass dieses Jahr ein paar sehr gute Grundweine in die Champagner einfließen. Das macht dieses Jahr zum Jahr der guten einfachen Champagner. Und ein paar davon kann man auch noch weglegen.

  • Pol Roger Brut in Deutschland für 34.90 Euro bei Karstadt , für unsere Schweizer Leser für 48,00 Franken bei Mövenpick
  • Bollinger Brut Special Cuvée für 34,15 Euro bei Decantalo
  • Gosset Grand Réserve für 57, 65 Euro ebenda

Der Captain betont, dass weder er, noch seine Maate an einer der empfohlenen Flaschen auch nur einen Cent verdienen. Der Captain trinkt Champagner nie zu kalt. Und vor allem aus einem Weißweinglas (Chardonnay).

Außerdem kann der Captain seinen Matrosen auch noch weitere hervorragende französische Weine empfehlen.



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Kommentare 14

Kommentare

Gast ...sehr gut

Hier gibt es den Pol Roger noch online zu bestellen, wer mag: http://www.tvino.de/tvitem/2928191?collection=24059554

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Gast

Auf Amazon gibt es auch Pol Roger zu kaufen:
http://www.amazon.de/Pol-Roger-Champagner-R%C3%A9serve-Flasche/dp/B003P5...

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Thomas Faschingeder deja vu

der captain muss den pol roger schon mal empfohlen haben. warum sonst hätt ich ihn im kühler?
soviel auch zum thema ob die tipps bei den matrosen ankommen...

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Leutnant zur See ...Neugierig

Captain, die Herren Maate,

Wie würde sich denn Ihrer Meinung nach ein Nicolas Feuillatte Grand Reserve ins obige Bild einordnen? Wir sind hier keine ausgewiesenen Kenner des Champagner, empfanden diesen aber als wirklich sehr sehr lecker; vor allem für nur 22 Euro.

Mit besten Wünschen und Grüßen,
Ihr

Leutnant zur See

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Maat Mally aus London

herr leutnant,

billig.. probieren sie den pol roger - ich kann mich da dem maat nur anschliessen!
meine lieblingseinstiegsdroge!!

feuillate ist ein ausgesprochen oxidativer champagner! mehr als die 22 euro ist er nicht wert!

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Der Captain (von auswärts)

Ich muss mich leider der Meinung von Maat Mally anschließen. Früher war das eine exquisite, auch altmodische Marke. Der Boom hat deren Menge verdreifacht. Und das merkt man leider..

Beste Grüße aus Wien nach London und anderswohin

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SinZin wo es schon wein gibt

mir sind einfach leute unsympathisch die bei amazon wein kaufen. im grunde weiss ich das dies dem früheren gedanken des greislers entspricht, aber weinkaufen ist vertrauenssache. wenn man nicht so was wie des captains virtuelle seite kennt verlässt man sich auf jemanden der sich(mehr oder weniger) auskennt.

ansonsten mag ich keine schaumweine, pfui deibl. warum kohlensäure reinpressen wenn auf der anderen seite des weins kohlensäure (auch die natürliche) als schwerer fehler angesehen wird im endprodukt??? naja, damals in der elite und auch heute musste man immer anders sein. hilft, glaub ich.

die armen champagnerhäuser produzieren zu viel in der krise??? trotzdem sind in dieser jahreszeit die keller der verfügbaren brausen leer! zumindest die ich kenne. und manche märkte, wie in den usa, da produzieren sie den eigenen champagner, fast jedes der angestammten champagnerhäuser hat mindestens ein wenn nicht 2 weingüter in kalifornien zur eigenen sektproduktion. mit teilweise happigen preisen, aber auch überraschenden ergebnissen.

die armen champagnerhäuser in der krise. das ich nicht lache. so lange es artikel wie diese gibt ist die krise weit weit weg! frohes neues jahr.

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Robert entspannt - nach Pichler und Dreissigacker gestern Abend

Ich möchte beim Thema Nicolas Feuillatte doch recht deutlich widersprechen: Der Millesime Cuvee 225 ist sehr gut und für einen Palmes d'Or 1997 lasse ich sehr gerne alle vom Maat erwähnten Champagner stehen! Und wenn es dann vielleicht noch der Palmes d'Or Rose, z.B. von 2002 ist ... :-)

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Halluxinfo mit leichter Perlage

Captain, my Captain,
wo ist denn plötzlich der im Dezember 2009 noch von Ihnen gelobte Roederer abgeblieben?

Ich habe mir an den Feiertagen mit meiner Familie ausnahmsweise einen Vintage - Roederer von 2004 gegönnt.

Ein herrlich luxuriöses Vergnügen. Sehr samtig-cremig mit intensiven Aromen von überreifem Obst mit geschmeidiger Säure und gutem Nachhall (nicht nur in der Nase...)

Mit den besten Neujahrswünschen! Carpe diem.

Dr. S. Feiler

bei twitter: Halluxinfo

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Dom Perigord gelangweilt

Gähn.... Pol, Gosset und Bollinger. Supertolle Tipps, die ich auch in der Edeka-Beilage der Lokalpresse hätte finden können. Geht's noch langweiliger? Ach ja... Möt,Wöv,Mercier.

Mal im Ernst, warum tauchen hier keine ordentlichen Winzerchampagner auf sondern nur die großen Häuser, welche die Food'n'Wine Schreiberlinge schon seit Jahr und Tag feiern?

Für alle die obiges auch langweilig fanden:

Selosse V.O.
Diebolt Valois 2002 B2B GC
Moncuit Delos

Sämtlich an Novizen getestet und für gut befunden.

Und im Massenmarkt? Deutz, Jacuesson 7XX, und ja, von mir aus dann eben auch den Feuillatte RP für 19,90 bei uns im real.

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Der Captain

Selosse gefällt mir nicht; Delos kenne ich nicht. Und Jacuesson, Deutz oder Feuillatte finde ich allesamt zum Gähnen..

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sergeant

Sehr schöner Artikel, muss ich doch wiedermal einen pol-roger probieren.

Wir haben uns heuer über die Festtage ein paar Flaschen Ruinart blanc de blancs & rose gegönnt, wie ich finde ein Spitzenchampagner, welcher imho moet, veuve & co leicht in den Schatten stellt.

Aber da champagne nicht wirklich mein metier ist, bin ich über tips immer froh.

Was haltet ihr von Ruinart? Hat er auch durch die "Massenproduktion" gelitten?

lg

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Der Captain (auswärts)

Meiner Meinung nach schon. Die hatten hohe Rednitenerwartungen..

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Nicolas P. Stämpfli perlig

Ich gebe hier meinen Senf dazu: Für perlige und aufregende Momente kann ich als alternative die Linie von HENRIOT empfehlen! Keine Massenware, kein Markenwahn, kein neureichen-gesöff sondern einfach ein klassischer und aufregender Champagner! Fruchtig, perlig,...
Das Weingut HENRIOT gehört noch immer der Familie Henriot (Seit 1808). Kein unromantischer Luxusgüterkonzern welcher den Champagner zur Massenware verdonnert.

HENRIOT gibts unter http://www.vinorama.ch zu kaufen. Leider kenne ich den Markt in Deutschland zu wenig um zu wissen wo man ihn in Deutschland her bekommt.

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