Die deutsche Mannschaft ist im Halbfinale. Und während der Erste Offizier jubelt, ein Preuße wie er im Buche Friedrichs des Soldatenkönigs steht, beginnt der Captain mit dem Fingernägelkauen. Er hasst das. Die Aufregung. Wird Deutschland weiterkommen? So wie die Mannschaft gegen Argentinien spielte, sollte der Europameister Spanien kein Problem darstellen. Denn der zeigte sich reichlich unmotiviert gegen Paraguay. Doch die Spanier vertrauen nicht auf die Hand Gottes, sie sind Pragmatiker. Und werden nicht ohne Taktik aufmarschieren.
Der Captain, in Deutschland auch nur Gast, hofft, dass Deutschland weiterkommt. Denn dann bleibt diese fröhliche Sommerstimmung erhalten, die einem im Land der Grübler und Selbstzweifler eher selten anzustecken droht. Wenn die Deutschen aber Weltmeister werden, denn fährt der Captain für ein paar Tage nach Italien. Denn im Siegestaumel ist dieses Land schwer auszuhalten.
Der Cava steht im Mittelfeld
Egal, jetzt ist man am Schiff mal aufgeregt. Und am Sonntag, schlechtestenfalls am Mittwoch, ist alles vorbei. Dann ist wieder Sommer as usual. Der Captain hat zur Feier des Halbliterfinales sein Programm geändert. Heute und morgen gibt es zwei Weine der Woche, Weine aus Spanien und Deutschland. Beide Länder Scholle großer und bedeutender Winzer. Den Anfang macht Spanien. Mit einem Cava, dem Champagner der Iberer.
Cava, das ist der Saft, den man lange gerne und oft getrunken hat. Vor allem Ende der Achtziger Jahre, als Barcelona groß in Mode kam. Und mit Barcelona die katalanisch-spanische Lebensart mit ihrem dramatisch designten Ambiente. Der Cava, den der Captain heute zum ersten Wein der Woche dieser Woche macht, ist ein Relikt dieser Zeit. Ein moderner Cava, mit einem modernen Schriftetikett. Ein ideales Mitbringsel für Fleckhaus-Jünger unter uns bekannten Art-Direktoren (Art-Direktor = so eine Art Direktor).
Irgendwann in den vollkommen durchgedrehten Nuller-Jahren (Kriegsgeilheit meets Geldgeilheit) kam Cava aus der Mode. Und an seine Stelle kam das Comeback des Champagners. Cava hatte Champagner einst abgelöst, weil er günstiger und fruchtiger war. Dafür weniger elegant. Weniger Kohlensäure, so schien es, dafür mehr Eindruck. In den Nuller-Jahren wurde das Sparen abgesagt und der Cava auch. Darunter litten die gar nicht so günstigen edlen Cavas, wie dieser Rimarts Brut Grand Reserve, den der Captain während des Schreibens weitersüffelt.
Vom Apero zum Speisenbegleiter: Ein Mutation
Die Grand Reserve wird aus den lokalen Sorten Xarel.Lo (ein chinesischer Geheimagent), Macabeo und Parellada gekeltert. Finalisiert wird mit 15 % Chardonnay, sonst wäre der Wein zu bäuerlich. Im Glas ein mittelheller Saft, hohe Schaumbildung, zurückhaltende Kohlensäure. In der Nase viel Mineralität, angenehm bittere Töne, Mandel, feuchtes Holz aus dem Sägewerk, eine junge Walnuss nach dem Öffnen. Dann Aprikose, etwas Feige, Zitrone, Zichorie, ein Bachufer in den Alpen. Im Verlauf immer mehr vegetale Töne. Die Kohlensäure beruhigt sich zunehmend und der Rimarts nimmt den Charakter eines leicht perlenden Weins an. Er mutiert vom Apero zum Speisenbegleiter. Und sollte so verstanden werden.
Im Mund dann viel mehr Kraft und Druck, als bei einem herkömmlichen Cava oder Champagner. Eine starke Zitrusnote, gepaart mit Himbeere und etwas Cassis. Doch wesentlich ist die Stärke dieses Weins, der sehr lange am Gaumen nachklingt und sich in Erinnerung ruft. Deswegen süffelt der Captain nun die zweite Flasche. Um sich zu erinnern.
Fazit: Ein großer Schaumwein, kaum mit Champagner zu vergleichen, mit einer sehr eigenständigen Note, sehr männlich, sehr mineralisch. Eine Ausnahme.
- Rimarts Brut Grand Reserve für 15,95 Euro bei Karstadt
Der Captain rät auch einmal einen Blick auf die anderen Weine der Woche zu werfen.







Unten drunt ist´s selten bunt... 





Cavas meist unterschätzt