24.01.11 WEINE 2 Einem Freund senden

Experiment: Roter Sekt aus Disneyland

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Zweigelt! Sekt!!! Waaas? Der Captain kann manchmal richtig grausam sein, wenn er will, dass einer am Schiff eine ganz bestimmte Flasche verkostet, die er gar nicht kosten will. Ich sollte also dieses Gesöff verkosten. Mir schauderte es. Was folgte war infantiler Trotz: Ich trinke meinen Zweigelt nicht. Nein, meinen Zweigelt trink ich nicht. Ich mag ja fast alles, aber bitte, bitte verschont mich mit dem Zweigelt. Und dann auch noch ein Sprudel. Rotsekt erinnert mich an meine Kindertage und den an Sonn- und Feiertagen unvermeidlichen „Faber rot". Nachmittags. Bei der Oma. Grausam, auch wenn ich damals sicher nicht mehr als einen Fingerhut probieren durfte. Der Geschmack hat sich eingebrannt.

Und jetzt ein Zweigelt-Sekt. Das klingt nach Plüsch und Routinesex. Nur mein Respekt (und des Captains Folterkammer ganz unten hinter dem Brackwassertank) lässt mich zum Glas greifen. Und siehe da: Autoritäre Befehlstrukturen können eine gute Sache sein. Sie verhelfen zu Erlebnissen, die man möglicherweise sonst verpasst hätte. Dieser Ösi-Schampus kommt vom Steininger aus Langenlois, auf dem Teller liegt ein üppiges Stück Wildterrine, dazu gibt es Pfifferlinge und etwas Feldsalat. Eine sensationell gute Paarung.

Das Weingut Steiniger ist Mitbegründer des austriakischen Wein-Disneyland „Loisium" und seit gut 20 Jahren Garant für außergewöhnliche Schaumweine. Fabelhaft sein Sekt vom Grünen Veltliner. Aber nicht wirklich exotisch. Das machen auch andere. Dafür gibt es auch so verrückte Sprudler wie Rosé-Sekt vom Cabernet Sauvignon, trockenen Muskatellersekt oder eine gewöhnungsbedürftige schäumende Version vom Sauvignon blanc. Und eben dieser Sekt hier vom Zweigelt. Dieser Brot- und Buttersorte, mal üppig-beerig, mal stengelig-grün, die noch nie mein Herz erwärmen konnte. Doch der Sekt ist eine Wucht: Der kräftige Alkohol von 13,5 % lässt ihn wie einen gestandenen roten Stillwein wirken. Dazu ein für Schaumweine geringer Restzucker von nicht einmal 5 Gramm pro Liter. Das sind seriöse Maße.

Mit Pinot geht´s leichter

Aber ein Problem bleibt: Tannin und Perlage zusammen können enorm rustikal wirken. Deshalb geht Rotsekt vom Pinot Noir meist leichter, als von anderen Rebsorten. Steininger fährt beim Grundwein ein anderes Programm, als man es von den meisten deutschen Rieslingsekten oder den klassischen Champagnern kennt: Während die Grundweine dort sehr spezielle Tropfen darstellen, die als Stillweine meist eine Zumutung sind und nur durch die Flaschengärung ihre Metamorphose von der Raupe zum Schmetterling erfahren, verwendet Steininger hochgradige Grundweine, denen die zweite Gärung eine dritte Dimension verleiht. Auch das Hefelager ist eher von kurzer Dauer. Die rund 12 Monate im Keller ergeben eher frische und von der Frucht geprägte Schaumweine.

Herr Steininger empfiehlt, seinen Sekt zu dekantieren. Ein Rat, den ich aber nur dann befolge, wenn es auch was zu essen gibt. Viel wichtiger ist, dass sie nicht in einer Flöte eingequetscht werden, sondern ihren Weg in ein ganz normales Weißweinglas finden.

Ein sonderbarer, guter Sekt

Der 2007er schmeckt schon ganz wunderbar, auch wenn ein paar weitere Monate Flaschenreife nicht schaden würden. Der Sekt duftet stark nach Holunder und dunkler, schwarzer Kirsche mit einem Hauch von frisch gemahlenen Kaffeebohnen. Auch eine Spur Zimt mischt sich in dieses Bild einer Kaffeetafel mit Schwarzwälder Kirschtorte. Dabei ist das Bukett gar nicht süß, sondern eher herb. Mit dem Akzent auf der Holunderfrucht. Das eher dezente, feine Mousseux harmoniert perfekt mit dem feinkörnigen Tannin. Die grobe Zweigeltfrucht schein von den zigtausend Perlen wie weggebügelt und weicht einem saftigen Beerenton mit Nelke und Bitterschokolade. Ein dichter, fast molliger Sekt, der sich in vielen Rollen gefällt.

  • 2007 Zweigeltsekt brut von Steininger, in Deutschland für 17,00 Euro über Oesiwein

Der Captain empfiehlt seinen Matrosen außerdem einmal einen Blick auf weitere Weine aus Österreich zu werfen.



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Kommentare 2

Kommentare

Gast jenseits des Rheins ...heiter

Witzig ! An den Geschmack von Faber rot erinnert sich mein Gaumen auch noch, obwohl man den ja eigentlich nur ein- zweimal genippt hat. Dieser rote Zweigeltsekt macht neugierig, damit könnte ich direkt meine französischen Freunde verblüffen, oder muss man dafür einen weiteren Erlebnishorizont haben als die geschmacklich konventionnell geeichten Franzosen? Was meint Ihr?

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Der Captain (auswärts)

Ich glaube, dass dieser Sekt, so gut er sein mag, nur ganz wenige Franzosen interessiert. Wie alle ausländischen Weine..

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