Um eines mal in aller Deutlichkeit klar zu stellen: unserem Biermaat, dem Biersepp, will ich nicht ganz freiwillig das Bierfeld überlassen. Dafür liegt mir das Thema Bier einfach zu sehr am Herzen. Dabei will ich ganz sicher nicht des Biermaats angestammten Platz am Sonntag (jaaaaa, jeder zweiter Sonntag ist Biertag) einnehmen. Soll er ihn behalten - es gibt ja weiterhin genug über Wein zu erzählen.
Was mich allerdings in seltener Regelmäßigkeit zum Bier schwenken lässt, ist eine gewisse Weinsättigung. Da geht dann für kurze Zeit nichts mehr. Kein Weiß, kein Rot und Rosé schon mal gar nicht. Aber was trinken will man ja trotzdem. Da sitzt man in der Koje und hat Lust, etwas zu schmecken, zu beurteilen, zu dechiffrieren, einem Gesöff die Aufmerksamkeit schenken, die man sonst nur vergorenem Rebsaft gibt. Nur bitte, bitte heute mal keinen Wein.
Zeit für ein gutes Bier, sage ich dann immer. Nicht diese Allerweltsbiere aus dem Büdchen oder gar aus der Plastikflasche, sondern Kenner-Biere kleiner Brauereien - liebevoll mit Herz und Muße gebraut und nicht nach Jahresabschlussbilanzen. Leider ist so etwas noch immer schwer in deutschsprachigen Ländern zu bekommen. Spezialbiergeschäfte sind in den meisten Großstädten weit verstreut, die Auswahl oft spärlich.
Dieser Zustand ist aus Sicht des Handels aber auch verständlich: warum sollte er sich Biere verquerer fränkischer Kleinstbrauereien ins Regal stellen, die eine Haltbarkeit von vielleicht einem halben Jahr haben? Die besseren Biere gar nur bis zu 4 Wochen, da die nicht auf Deubel komm raus auf haltbar geprügelt wurden. Also - warum sollte der Händler sich, das Mindesthaltbarkeitsdatum vor Augen, ein anständiges Sortiment an Nischenbieren aufbauen - für die vielleicht auch gar nicht die Nachfrage da ist?
Deutschland, abseits der klassischen Bierregionen, war da bisher ein ziemliches Trauerspiel. Bier (vornehmlich Pils) wird zumeist achtlos weggetrunken. Gelegenheiten dazu gibt es ja genug: vor der Glotze, auf der Stehparty, in der muffigen Altherren-Kneipe. Ohne sonderliche Wertschätzung. Aber mit dem Anspruch, möglichst angenehm und lecker zugedröhselt zu werden. Kühl und unkompliziert muss es sein, das klassische gepflegte Pils der Deutschen. Und Weizenbier muss nach Banane schmecken. Altbier dunkel sein und Kölsch fruchtig.
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Bier aus Köln. Aber kein Kölsch! Wasn dat? 





Wer in Berlin ist, sollte unbedingt auch mal zu Hops & Barley in Freidrichshain gehen. Der Typ dort hat die Schnauze auch gestrichen voll von Massenbieren. http://www.hopsandbarley-berlin.de/