24.10.10 WEINE 8 Einem Freund senden

Hier Bier: Ein Fürscht, kein Fürschterl

Schön, gut, teuer, BierSchön, gut, teuer, Bier

Stellen Sie sich vor, die Dame des Herzens ist endlich eingetroffen. Ein erstes Rendezvous in der Höhle des Löwen. Also in ihrer rasch aufgeräumten Junggesellenbude. Aus der alten Hi-End-Anlage tönt dezent Cooljazz, im offenen Kamin (nachträglich eingebaut) knistert ein Feuerchen: Die Dame ist ein einziges Lächeln.

Mit weltmännischer Geste rückt der Hausherr den leicht idiotisch aussehenden Seidenschal zurecht und greift in die silberne Schale, wo auf Crush-Eis eine Flasche ruht. Er blickt ihr in die Augen: „Möchtest Du ein Bier?"

Bevor Sie jetzt „Aaahhrgh - was für ein Stilbruch" ausrufen, sollten Sie weiterlesen und erfahren, WELCHES Bier auf Eis liegt. Er hat freilich, dem Anlass entsprechend, nicht irgendein Bräu eingekühlt. Sondern etwas Besonderes, das exklusive, seltene und sauteure „1598 Fürst Wallerstein Edition Privée". Gott, wie cool.

Das edle Getränk erfreute früher ausschließlich die Mitglieder des schwäbischen Fürstenhauses von, zu und irgendwie Oettingen-Wallerstein und ihre persönlichen Gäste. Heute, in Zeiten der abgeklärten Monarchie, darf jeder das außerordentliche Bier genießen. Jeder, der neunzig Euro ausgeben will.

So teuer, wie teurer Champagner 

Dafür bekommt er das Bier aber auch in der getönten Champagnerflasche. Der Sud für die Edition Privée wird nur einmal im Jahr von Hand angesetzt. Dies natürlich unter der persönlichen Aufsicht seiner Durchlaucht des Fürsten. Die Anzahl der Flaschen ist limitiert. Limitation ist immer ein gutes und ein schlechtes Zeichen. Gut, weil man weiß, dass hier auf Qualität geschaut wird. Schlecht, weil der Spaß teuer wird.

Im Glas ein bernsteinfarbenes Gebräu mit rotem Reflex, gekrönt von einem cremigen, elfenbeinfarbigen Schaum. Das Mousseux ist fein. Das Bier duftet zart malzig mit einem Hauch Rauch im Hintergrund. Aus dem vielschichtigen Aromen-Spektrum ragen Ingwer, Trockenfrüchte und Roggenbrot heraus. Danach noch reife Orangen und Lebkuchen. Finalisierend auch Karamell und, retronasal, eine Idee Gewürznelke und etwas Tabak. Der Antrunk ist von mittlerer Rezenz, vollmundig und ausgewogen.

Das Wasser aus der Champagne, die Hefe auch

Die Schüttung besteht aus Gersten- und Weizenmalzen von regionalen Mälzereien in Schwaben, Mittel- und Oberfranken. Der Aromahopfen kommt aus Spalt (Mittelfranken), das weiche Brauwasser und der Hefestamm aus der Champagne. Die Edition Privée wird drei Mal vergoren, das bringt Dichte und Aromenvielfalt.

Am Gaumen dann etwas weiße Schokolade, eine Nuance kandierter Veilchen und fruchtige Süße. Der Nachhall ist sehr elegant, das Bier klingt mit feinem Schmelz und einer zarten Malzbittere aus. Großartig.

Die ideale Trinktemperatur liegt bei 6 Grad Celsius, die Glasempfehlung des Hauses Wallerstein lautet: „Aus dem Süßweinglas der Serie The First von Zwiesel". Nun ja, ich kann mir ein etwas größeres Glas vorstellen.

Der Weltmann mit Seidenschal hat selbstredend einige passende Gerichte vorbereitet, etwa Blauschimmelkäse aus Kuhmilch mit frischem Roggenbrot, Doppelrahmkäse mit Früchtebrot oder einem würzig-fruchtigem Chutney, lauwarme glacierte Hühnerleber (eher was für ihn), oder gleich einen gebratener Fasan.

  • 1598 Fürst Wallerstein Edition Privée (0,75 Liter, 23 % Stammwürze, 9 % Alkohol) für 90,00 Euro ab Brauerei


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Kommentare 8

Kommentare

Stephan Lappas (vie facebook)

Dekadent ;-)

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Sepp Wejwar (vie facebook)

geht jetzt zu einer matinee. nicht ohne seidenschal. auch wenn die bobos meinen, das sei lachhaft.

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Gast ob's eigentlich noch geht?

Captain,

bitte lass gut sein jetzt. Kein Bier der Welt ist 90 Tacken wert. Obwohl, doch: wenn ich für das Geld 6 Kästen bekomme.

Dein ansonsten zutiefst ergebener
Leutnant zur See

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jack

meine fresse, neunzig euronen für ein bier und ich ich habe schon mit dem freund der tochter stunden lang auf dem bouleplatz gestanden.
oh, oh, da werde ich doch das nächste mal meine connections spielen lassen.....
neunzig, in worten, für ein bier. wie zum teufel kommt ihr an solch grazy vergnüglichkeien?

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Bieraculix ...philosophisch

Die Frage ist die gleiche wie bei den sündig-teuren Rotweinen: Schmeckt das fürstliche Bier wirklich 200x besser als das Dosenbier vom Hofer/Aldi oder geht es nicht einfach darum, sich und andere mit einem solchen Gourmetbier zu belohnen, zu zeigen vielleicht, dass man es sich "leisten" kann und fachsimpeln zu können über die besonderen Rohstoffe, die Rezeptur, die Lagerbedingungen usw. und sich so als Biermaniac zu outen?

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5Terre why not...

@biergott
danke für die mutige & exklusive empfehlung ... der genuss bleibt sicher für immer in erinnerung, auch wenn das "einzige lächeln" schon längst weg ist;-)

@ div. kommentare ...
wo bleibt die offenheit & neugierde etwas neues zu entdecken

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@biergott
danke für die mutige & exklusive empfehlung ... der genuss bleibt sicher für immer in erinnerung, auch wenn das "einzige lächeln" schon längst weg ist;-)

@ div. kommentare ...
wo bleibt die offenheit & neugierde etwas neues zu entdecken

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Get_Stuffed ...balanced...

@5Terre;

Wo Offenheit und Neugierde bleiben? Bei 90 Tacken ganz klar im Geldbeutel. Hallo...es geht um BIER.

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