Ein herrlicher Sonntag im September. Die Sonne brennt auf das Festzelt nahe bei Wien, in dem es inzwischen wärmer als 30 Grad sein muss. Die Musik macht gerade Pause, viele Gäste verlassen den Ort, einige bleiben sitzen. Nicht viel los hier zur Stunde. Hinter den beiden großen Tresen stehen zwei Schankkräfte gelangweilt herum, warten auf ihren nächsten Einsatz.
Dann entdeckt mein müdes Auge durch die lichten Reihen DAS. Eine Vielzahl vorgezapfter Maßkrüge steht in Reih und Glied - sicher schon seit einiger Zeit. Seitdem ich das Zelt betreten habe, wurde offenbar kein einziges Bier verkauft. Nach langen Minuten, in denen die letzte Kohlensäure aus den lauwarmen Lacken entwichen sein muss, kommt endlich ein Kellner zur Schank und bestellt eine Maß. Was ich dann mit ansehen muss, bringt mein Bierherz zum Stillstand. Die Dame hinter dem Tresen nimmt zwei halb volle Krüge und schüttet die gelbe Flüssigkeit derart in einen dritten, dass wenigstens ein bisschen Schaum entsteht. Die so präparierte Maß reicht sie dem Kellner, der damit davontrabt.
Schrecklich. Aber warum eigentlich genau?
Bier ist ein Frischeprodukt. Gutes Bier (die Marke, die hier im Zelt ausgeschenkt wird, ist exzellent) muss ausnahmslos direkt gezapft werden. Nur so kann die dem Bier eigene und für uns Bierfreunde faszinierende Mischung aus Geschmack und Rezenz wirken. Ja, Rezenz. So heißt jener Frischeeindruck, der beim Antrunk begeistert und durch Kohlensäure, Kühle und Hopfenbitterkeit entsteht. Denn wir Bierverrückte wollen, dass unser Leibgetränk nicht nur geschmacklich, sondern insgesamt überzeugt.
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Achtung, nicht lange rumstehen lassen...! (Foto: Biersepp) 



Also... das hat mich jetzt doch geschockt.
Wenn wir hier ein Fest haben, dann wird auch vorgezapft, aber nur, wenn es wirklich pressiert. Weil man sieht, dass die Servierdüse schon angedampft kommt und man gleich welche raushauen muss.
Wenn sich einer der zapfenden dann verrechnet hat, dann wird es halt selber getrunken. Auf Bier ist soviel Marge, das verträgt sich mit der Vereinskasse. Und damit keine Leber kaputt geht, wird schön reihum verteilt. Böse Zungen behaupten, dass wir uns regelmässig "verrechnen".