Was ist los in Italien? Wie tickt man in der Gegend, in der die teuersten Weine des Landes wachsen? Business as usal, scheint es. Touristen aus Deutschland, der Schweiz und England sind immer noch auf der Suche nach Supertuscans. Der Unterschied: Heute sucht man Schnäppchen. Doch kann ein Sassicaia, ein Ornellaia, ein Schnäppchen sein?
Kann er. Hauptsache, der Italiener behält seine Bella Figura. Die Flasche Ornellaia 2006 (und ab nächster Woche auch 2007) kann man von 160,00 Euro auf 130,00 herunterhandeln; eine Flasche Sassicaia 2007 von 110,00 Euro auf 90,00. Das Gleiche gilt für Masseto und andere Größen der Gegend. Zwanzig bis dreißig Euro pro Flaschen sind drin. Von ähnlichen Verhandlungen darf man im Bordeaux nur träumen. Die Händler dort bleiben stur auf Linie. Generelle Hoffnung: Der Chinese kauft.
Der Captain sammelte Teile seiner Mannschaft um sich und kostete vor Ort ein paar der teuersten und besten Weine der Welt. Mal sehen, was das Zeug taugt. Denn heute muss der Captain ja seinen eigenen 2009er mischen. Da hilft ein Blick auf die ganz großen Gewächse.
Fangen wir gleich mit der wichtigsten Neuerscheinung an, dem Sassicaia 2007 (Cabernet Sauvignon, Cabernet Franc), der dieser Tage in die Vinotheken kam. Flasche auf und in die Gläser damit. Im Glas der Captains sammelt sich ein leicht oxidativer Wein, in der Nase Kirsche, verhaltenes Holz, Liebstöckl, Waldboden, nasse rote Erde, Balsamico, danach ein Zucken der Säure: Fixierbad in der Dunkelkammer. Doch im Finale elegant.
Am Gaumen eine kleine Enttäuschung: Zuerst Kirsche und Waldboden, dann aber kaum weitere Spannung, etwas plump, breit, Tannine, jedoch ein eleganter Fasscharakter. Überholzt ist ein Sassicaia nie. Auch der Alkohol wird nicht stechend (im Gegensatz zu anderen Weinen der Region). Aber kein langer Abgang, kein Langstreckenläufer. Nach einer halben Stunde in der Karaffe stirbt die am Beginn nicht uninteressante Nase den fetten Tod der spannungsfreien Breite. Zwetschke im Zinken und am Gaumen. Zum Ende hin ist der Sassiacaia 2007 nur Powidl (ein böhmisches Zwetschgenmus). "Wenn das der beste Wein Italiens sein soll", sagt des Captains Önologe, "dann haben die Italiener keine Ahnung, was in ihrem Land noch so wächst."
Zum Beispiel der Grattamacco 2006 (eine Cuveé aus Cabernet Sauvignon, Merlot und Sangiovese), eine anderer, etwas unbekannterer Supertuscan. 2006 gilt in der Region allgemein als besseres Jahr. Der Grattamarco ist zuerst sehr plump, riecht nach Plastik und Apotheke, doch er öffnet sich schnell und liefert dann Weichsel, Dörrzwetschke, Brombeere, auch Stachelbeere und Minze nach. Auffallend schöne und elegante Säurestruktur. Am Gaumen viel Terroir, ein sofort erkennbarer Italiener. Viel Eisen, viel Beerenfrucht, gut eingebundenes Holz, wenig Tannine, wieder viel Säure. Kein großartiger Wein, aber eine gute Flasche, die freilich viel zu teuer verkauft wird.
Danach der Guado al Tasso 2006 (eine Cuvée aus Cabernet Sauvignon, Merlot und Syrah), einer der bekanntesten Exportschlager der Region. So wirkt er auch. Im Glas findet sich ein eindeutig kalifornischer Wein, fruchtig, nach Cassis durftend und überbordend alkoholisch (ein anhaltender Nachteil). Der Alkohol (14 %) sticht in der Nase, die ohne diesen Stich interessante Noten von Tannenzweigen, rote Grütze, Ribisel, Minze und Salz liefern könnte. Mit der Zeit wird die Nase eine Spur eleganter, das hilft dem Wein aber nur wenig.
Denn am Gaumen bleibt er plump und alkoholisch. Ein Wein der alten Neunziger-Machart, unbeeindruckt von allen neuen Stilistiken. Diese Geradlinigkeit muss ja nichts Schlechtes sein; nichts besser, als ein Weinmacher, der sich und seinem Stil treu bleibt. Doch hier will man den amerikanischen Markt bedienen und passt sich gnadenlos an. Der Guado ist als Toskaner nur bedingt zu erkennen (freilich bricht sich der typisch toskanische Terroirton irgendwann seinen Weg durch den kalifornischen Dschungel), er bleibt uneindeutig und unentschlossen. Nur Kraft soll er haben, das ist sein Merkmal. Kraft durch plumpes Holz. Im Mund lange präsent. Jedoch ganz anti-italienisch. Keine Bella Figura. "Die 95 Punkte im Wine Spectator", sagt des Captains Önologe, "sprechen Bände. Das ist kein italienischer Wein."
Morgen: Die besseren und billigeren Supertuscans. Plus dem Klassenbesten. Der noch Jahre ein Streber bleiben wird.
- Sassicaia 2007 für sehr gute 119,00 Euro bei Internetoase
- Grattamacco 2006 für 41,00 Euro bei Superiore
- Guado al Tasso 2006 für 75 Euro bei ebenfalls bei Superiore
Der Captain weiß auch noch mehr über italienische Weine zu berichten.







Frühling beim Captain. Das Unkraut muss weg... 





Sehr interessant. Wieder ein paar kosteuronen gespart. Muss ja nicht sein. Obwohl der Sassicaia interessiert mich schon, nach diesen Anmerkungen....
Bin schon sehr gespannt auf morgen!
lg
el hottino