Zuerst die Katastrophe: Das Label, das Etikett dieses Weins spottet jeder grafischen Moderne. Wie ist es heutzutage noch möglich, seinen Wein in eine derartig grausam schlecht gestaltete Flaschen zu betten? Ebenso schrecklich ist der Webauftritt des Winzers Peter Schreiber. Das erinnert an die Fünfziger-Jahre der Netzkultur, also an 1996. Bedauerlich.
Bedauerlich auch deswegen, weil der Wein nicht bei jenen Konsumenten ankommt, die ihn wahrscheinlich gerne freudig konsumieren würden. Der Wein hat alles eines Bringers, auch eines Mitbringsels. Gerne würde man diesen Spätburgunder Spätlese 2005 in einer anderen Flasche und mit einem anderen Etikett bei Freunden abends auf den Tisch stellen. Nur: So nicht.
Das kann man ändern. Und der Wein kann auch ruhig um einen Euro teurer werden, denn die sechs Euro, die er jetzt kostet, sind letztlich zu wenig, so erfreulich das für den Konsumenten auch sein mag.
Günstig, gut. Und schlecht verkauft
Peter Schreiber ist ein Weinmacher in Rheinhessen. Und er ist ein Weinmacher der zweiten Reihe, also einer der vielen, die in die erste Reihe der Klassenbesten drängen. Das Handwerk kann er, sagt der Captain, da fehlt nicht viel nach ganz oben. Das zeigt vor allem dieser Spätburgunder, der gleichfalls beweist, dass die Klimaerwärmung dem deutschen Rotwein immens gut tut. Vergleichbare Spätburgunder aus den Achtzigern beweisen das (wiewohl es auch damals schon Ausnahmejahre gab).
Im Glas ein dunkler, nicht allzu fetter Saft. Bei 16 Grad getrunken. Auf der Terrasse. Bei Kälte im Mai. Der Spätburgunder kommt von Gundheimer Sonnenberg, wächst auf einer West-Ost-Lage, auf leichtem Hang und sandigen Lehm. Offene Vergärung in Bütten, dann kommt der Saft in ein großes 104-jähriges Holzfass und nach dem biologischen Abbau der Säure in kleines Holz (Barriques). Hier experimentiert Schreiber mit amerikanischer, französischer und Pfälzer Eiche. Oft gehen solche Vielschichtigkeiten schief, hier aber gelingt alles.
Ein fester, eleganter Wein um kein Geld
In der Nase sehr elegante Rösttöne vom Holz, viel Kirsche, viel grünes Gras, etwas Tabak, kalter Rauch, Heidelbeere, Brombeere, etwas Zitronengras. Im Mund dann ein frischer, trinkfreudiger Wein, noch jung und grün (erstaunlich für 2005), feste Struktur, verhaltene und sehr elegante Holzaromatik (wohl von der amerikanischen Eiche), wenig Gerbsäure, Eleganz auch im hinteren Gaumen, wenngleich dort nicht mit extrem langen Nachhall. Dicht dran an einem großen Wein. Für sechs Euro (!).
Deswegen landet er bei uns in der Schnäppchenecke mit einer dringenden Kaufempfehlung. Und: Der Captain rät zur Selbstüberlistung. Flasche auf, schnell in die Karaffe, Flasche wegwerfen (runter tragen, damit man sie nicht mehr sehen muss). Die Karaffe auf den Tisch und schöne Burgundergläser servieren. Bei 18 Grad und nach etwa einer Stunde wird man staunen, in welcher Preisklasse man diesen Spätburgunder vermuten wird
- Spätburgunder Spätlese 2005 von Peter Schreiber für 6,00 Euro ab Weingut (Bestellung per Mail).
Der Captain hört (und sieht) den großartigen Song Bloodbuzz Ohio von The National







Im Burgunder wühlen: Hier Paul Achs aus dem Burgenland 




Ich kenne das Weingut Peter Schreiber seit Jahren und kann nur sagen, er hat tolle Weine. Ist auch ein super Typ ;)