12.05.10 WEINE 9 Einem Freund senden

Deutscher Burgunder aus zweiter Reihe

Im Burgunder wühlen: Hier Paul Achs aus dem Burgenland Im Burgunder wühlen: Hier Paul Achs aus dem Burgenland

Zuerst die Katastrophe: Das Label, das Etikett dieses Weins spottet jeder grafischen Moderne. Wie ist es heutzutage noch möglich, seinen Wein in eine derartig grausam schlecht gestaltete Flaschen zu betten? Ebenso schrecklich ist der Webauftritt des Winzers Peter Schreiber. Das erinnert an die Fünfziger-Jahre der Netzkultur, also an 1996. Bedauerlich.

Bedauerlich auch deswegen, weil der Wein nicht bei jenen Konsumenten ankommt, die ihn wahrscheinlich gerne freudig konsumieren würden. Der Wein hat alles eines Bringers, auch eines Mitbringsels. Gerne würde man diesen Spätburgunder Spätlese 2005 in einer anderen Flasche und mit einem anderen Etikett bei Freunden abends auf den Tisch stellen. Nur: So nicht.

Das kann man ändern. Und der Wein kann auch ruhig um einen Euro teurer werden, denn die sechs Euro, die er jetzt kostet, sind letztlich zu wenig, so erfreulich das für den Konsumenten auch sein mag.

Günstig, gut. Und schlecht verkauft

Peter Schreiber ist ein Weinmacher in Rheinhessen. Und er ist ein Weinmacher der zweiten Reihe, also einer der vielen, die in die erste Reihe der Klassenbesten drängen. Das Handwerk kann er, sagt der Captain, da fehlt nicht viel nach ganz oben. Das zeigt vor allem dieser Spätburgunder, der gleichfalls beweist, dass die Klimaerwärmung dem deutschen Rotwein immens gut tut. Vergleichbare Spätburgunder aus den Achtzigern beweisen das (wiewohl es auch damals schon Ausnahmejahre gab).

Im Glas ein dunkler, nicht allzu fetter Saft. Bei 16 Grad getrunken. Auf der Terrasse. Bei Kälte im Mai. Der Spätburgunder kommt von Gundheimer Sonnenberg, wächst auf einer West-Ost-Lage, auf leichtem Hang und sandigen Lehm. Offene Vergärung in Bütten, dann kommt der Saft in ein großes 104-jähriges Holzfass und nach dem biologischen Abbau der Säure in kleines Holz (Barriques). Hier experimentiert Schreiber mit amerikanischer, französischer und Pfälzer Eiche. Oft gehen solche Vielschichtigkeiten schief, hier aber gelingt alles.

Ein fester, eleganter Wein um kein Geld

In der Nase sehr elegante Rösttöne vom Holz, viel Kirsche, viel grünes Gras, etwas Tabak, kalter Rauch, Heidelbeere, Brombeere, etwas Zitronengras. Im Mund dann ein frischer, trinkfreudiger Wein, noch jung und grün (erstaunlich für 2005), feste Struktur, verhaltene und sehr elegante Holzaromatik (wohl von der amerikanischen Eiche), wenig Gerbsäure, Eleganz auch im hinteren Gaumen, wenngleich dort nicht mit extrem langen Nachhall. Dicht dran an einem großen Wein. Für sechs Euro (!).

Deswegen landet er bei uns in der Schnäppchenecke mit einer dringenden Kaufempfehlung. Und: Der Captain rät zur Selbstüberlistung. Flasche auf, schnell in die Karaffe, Flasche wegwerfen (runter tragen, damit man sie nicht mehr sehen muss). Die Karaffe auf den Tisch und schöne Burgundergläser servieren. Bei 18 Grad und nach etwa einer Stunde wird man staunen, in welcher Preisklasse man diesen Spätburgunder vermuten wird

  • Spätburgunder Spätlese 2005 von Peter Schreiber für 6,00 Euro ab Weingut (Bestellung per Mail).

Der Captain hört (und sieht) den großartigen Song Bloodbuzz Ohio von The National

 



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Kommentare 9

Kommentare

Sabine Ich...finde Winzer aus der 2 Reihe super

Ich kenne das Weingut Peter Schreiber seit Jahren und kann nur sagen, er hat tolle Weine. Ist auch ein super Typ ;)

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Saarwein

Stimmt, das Etikett ist potthässlich. Der Wein ist einer der besten Weine von dem Weingut, aber ich kann das bei mir nicht verkaufen. Obwohl billig.

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Saarwein

Habe vergessen die Musik ist super. gestern und heute. Mehr davon bitte.

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Flavia

Der Wein verkauft sich allerdings trotz des wenig anmutenden Etiketts gut - man darf nicht vergessen, es gibt Menschen mit anderem Geschmack.
Davon abgesehen, Peter Schreiber hat natürlich auch noch ganz andere Weine, die ebenfalls hervorragend sind und die modern gestaltet sind.
Der 2009ner Jahrgang steht in Kürze zum Kauf bereit und die sind sehr schön designt - man stellt sie gerne auf den Tisch.

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Frank Seiffarth

der webauftritt ist nicht nur unübersichtlich, sondern es fehlt auch die wichtigste information, die die seite eines winzers wenigstens bieten sollte: eine übersicht über seine weine ... (denn die will er doch eigentlich verkaufen, sollte sie also bekanntmachen!). da ist dann der hinweis unter "news", ihm doch auf twitter zu folgen bzw. die facebookseite zu besuchen - beides ohne verlinkung - einfach nur noch lächerlich! schade eigentlich, wenn eine internetseite so wenig durchdacht gemacht wird - 14 jahre nach 1996 ... der spätburgunder klingt auf jeden fall spannender!

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zykan ...
Weingut Peter Schreiber

Ich danke Ihnen für Ihre rege Kritik an meinen Etiketten und Homepage. Wer Öffentlichkeit hat muss auch mal Hiebe einstecken. Ein Betrieb muss wachsen und sich stetig verbessern. Zugegeben: Da Wein, Etiketten und Hompage aus einer Hand kommen und der Wein aus meiner Sicht zunächst einmal mehr Aufmerksamkeit haben sollte, -denn dafür bin ich Winzer - bleibt auch mal etwas auf der Strecke - gerade in einem " Einmann - Flaschenweinbetrieb " mit 14 Hektar Weinbergen.
Ich hoffe jedoch, daß der schlechte Auftritt den Genuss nicht schmälert und verbleibe mit dem Versprechen der Verbesserung.....

mfG Peter Schreiber

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kuehlesblondes

Ein Wein für einen echten bad-hair-day. Man fühlt sich wie das Etikett, etwas lädiert, aber nach ein paar Gläsern liegt das Haar auch wieder. Zumindest gefühlt.

Stimmt, der Internetauftritt könnte einen Shop vertragen oder zumindest eine Auflistung des Angebotes. Herr Schreiber sagt durchaus zu Recht, er wäre eben Winzer und der Wein stehe an erster Stelle. Gut so. Weiter so. Aber in einen Betrieb gehören in heutigen Zeiten leider neben Fachwissen auch kaufmännisches Know-How (hier nicht bestritten) und Marketing. Lesen und lernen, lächeln und winken.

Besserung ist gem. Kommentar gelobt. Ich freue mich auf das was kommt.

(Die schwarze Triologie, auf der Website kurz besprochen, war übrigens superlecker)

mfg
sabine

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Statuskrah

Sagte ich schon einmal, wie egal mir das Design von Weinetiketten ist? Wenn nur die wichtigsten Informationen (Weingut, Wein, Jahrgang) auf EINER Seite der Flasche untergebracht sind, und zwar in einer Größe, die man auch im Halbdunkel des Weinkellers lesen kann, wenn man einmal die Lesebrille vergessen hat? Und sagte ich auch schon, dass diese einfachen Kriterien die wenigsten Etiketten zufriedenstellend erfüllen? Alle, die ein Muster brauchen, wie ein Weinetikett funktionieren muss, kaufen sich bitte eine Flasche von Gernot Heinrich.

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