04.08.10 WEINE 17 Einem Freund senden

Kotau vor dem mächtigen Zweigelt

Na? Was soll aus den Beeren einmal werden?Na? Was soll aus den Beeren einmal werden?

Alle haben ihn, manche hassen ihn, viele lieben ihn, so manch einer braucht ihn. Zum Überleben. Die Rede ist von der österreichischen Traditionsrebsorte Zweigelt, die in den zwanziger Jahren des letzten Jahrhunderts tatsächlich von einem gewissen Dr. Friedrich Zweigelt aus den Sorten Blaufränkisch und Sankt Laurent gezüchtet wurde und heute Österreichs zweitwichtigste Rebsorte nach dem Grünen Veltliner ist. Eine Nationaltraube sozusagen.

Doch der Zweigelt beherrscht mehr als die Rolle des Austrobeaujolais: Alte, tiefwurzelnde Reben ergeben einen charaktervollen, extraktreichen Wein, der durchaus in der Lage ist zu zeigen, was er transportieren kann. Und trotzdem: Wäre ich vor kurzer Zeit noch zu einer Zweigeltverkostung geladen worden - egal von wem - ich hätte wahrscheinlich nicht einmal dankend abgelehnt. Wenn die Verkostung auch noch so genannte "extreme" Weine im Programm gehabt hätte, dann hätte mich die Vision des Grauens vom überholzten, pseudointernationalen Kirschmarmeladen-Wein bis in meine Träume verfolgt.

Also gar kein Zweigelt?

Falsch, denn ich hatte neulich eine nachhaltige Begegnung mit dem Winzer Christian Tschida. Der lebt in Illmitz, einem prominenten Weinort im österreichischen Burgenland. Und er keltert Zweigelt.

Weine aus Handarbeit

„Bei mir haben die Rebstöcke nichts zu lachen, sie sind in ständigem Konkurrenzkampf mit der Begrünung. So gesehen herrscht permanent Ausnahmezustand, denn künstliche Bewässerung gibt es keine" sagt Tschida (mit fast sadistischem Grinsen) und schenkt einen Schluck seines "Zweigelt 2007" ein. „Wollen die Stöcke den Kampf um Wasser und lebenswichtige Nährstoffe nicht verlieren", so Tschida, "dann müssen ihre Wurzeln in die Tiefe. Das Resultat sind kleine und konzentrierte Trauben, die auch bei Vollreife ihre Nervigkeit behalten."

Genau das schmeckt man. Es ist alles nachvollziehbar.
"Spontanvergärung?" frage ich.
„Was sonst?" sagt Tschida .

Die Reben für Tschidas Zweigelt sind knappe 40 Jahre alt. In diesem Alter tritt die Sorte allmählich in den Hintergrund, es geht in den verbleibenden Lebensjahren der Pflanze um den ganzen Weingartenkosmos an sich.
"Ich pfeif auf die weithin bekannte Sortentypizität!", sagt Tschida.

Querkopf quasselt? 

Worte eines Querkopfs? Nein, eines genialen Querdenkers. Worte, die ich so ähnlich schon von der elsässischen Weinlegende Marcel Deiss hineingesagt bekam, der auch so ein Ausnahmewinzer ist.

Was sich da bei Tschida im Glas auftut, ist etwas Fremdes, etwas Packendes, etwas, was so noch nicht da war. Eine Frucht von kühlen Kräutern, die komplex und dunkelbeerig ist. Der erste Schluck ein Komplex aus eleganter Struktur und kraftvoller Finesse. Mit feinster Konzentration, die sich ganz nach hinten zieht und dort (ohne zu ermüden) hängen bleibt. Ich spüre das Verlangen nach der ganzen Flasche. Nicht ein Hauch von Marmelade, genial.

"Ja, das Zeug ist groß, das hat wirklich alles: Trinkvergnügen, Kraft, Finesse.", sage ich, mich nüchtern denkend, im Versuch, meine sich ansammelnde Euphorie zu bändigen. Dann wird die Flasche leer. Schnell.

  • Tschida 2007 von Christian Tschida in Illmitz. Die Fakten: 100% Zweigelt, 28 Monate in Holzfässern (500 und 1.000 Liter), 13,00 % Alkohol für 33,00 Euro (also nicht günstig, aber wertvoll) ab Weingut
  • Falls ausverkauft, dann für 45,00 Euro im Weinshop Wagner

Der Captain empfiehlt außerdem auch noch weitere hervorragende Weine aus seiner Heimat Österreich.

 



DruckversionPDF-VersionEinem Freund senden Share this
Kommentare 17

Kommentare

Hans Martin Gesellmann ???

Der Herr hat wohl noch nie alte Ried Hallebühls getrunken, oder?

Über Schwarz Rot kann man dieskutieren, aber ein interessanter Wein ist er auf jeden Fall.

Der Zweigelt von Christian Tschida ist wirklich sehr gut, aber er macht ihn ja auch schon ein paar Jahrgänge lang so und nicht erst jetzt...

Blaufränkisch ist glaube ich schon die wertigere Sorte, aber Zweigelt als so unnütz abzutun finde ich doch etwas überheblich...

naja, wie gesagt sollte der Herr mal Hallebühl 92 trinken und sich dann weiter äussern...

beste Grüße,

Missbrauch melden!   Bitte einloggen, um zu bewerten!  
Matrose Clemens

Hans Martin (wir kennen einander vom Jeitler..) Hallebühel schön und gut - trotzdem würde ich die bisher von mir verkosteten im vergleich zu den Weinen von Tschida als eher flach bezeichnen - mineralisch ja, diesen wunderbaren Trinkfluss, kombiniert mit Finesse und vor allem Wucht am Gaumen hat er allerdings nicht - viel mehr entsprechen sie für mich eher den klassischen Kirschwässerchen..
Auf Schwarz Rot habe ich ja ohnehin im Text schon angespielt.
Grundsätzlich bin ich was den Blaufränker betrifft eher bei dir aber über den berichten ja dzt eh alle also warum ich auch?

Missbrauch melden!   Bitte einloggen, um zu bewerten!  
Der Captain (unterwegs)

Der Captain ermahnt den Matrosen, wenn er antwortet, doch bitte auf den Antwort-Button zu drücken. So bekommt der andere Poster Nachricht von der Antwort..

Missbrauch melden!   Bitte einloggen, um zu bewerten!  
Hans Martin Gesellmann

@Clemens: ja, ich weiß das wir uns kennen :) ich kann trotzdem nur empfehlen einmal Hallebühl 92 oder 93 zu probieren, es gibt auch gute Flaschen vom 97er welcher dann auch mal die ganzen großen Blaufränkisch oder BF dominierten Weine bei Blindproben in den Schatten gestellt hat. Weiters solltest du Zweigelt & More von Feiler Artinger bzw. die seltenen Flaschen vom Zweigelt Alte Reben vom Pauli Achs probieren...

Missbrauch melden!   Bitte einloggen, um zu bewerten!  
Gast

ich kann dieses loblied nicht ganz nachvollziehen.
Zw bleibt im gesamten eine durchschnittssorte mit nicht gerade berauschendem potential. dass es weltweit immer
wieder weinmacher gibt die auch aus solchen trauben tolle
weine machen ist klar. aber gerade bei hallebühel sieht man
ganz deutliche jahrgangsunterschiede und da zeigt sich dass es halt trotz all des hypes nur ZW ist. ich denke mir dass es nicht sehr viele leute geben wird die dieses risiko eingehen
und dann 33€ und mehr für so einen wein bezahlen.
Da ist man mit BF wahrscheinlich besser bedient zb Triebaumer
Oberer Wald oder Mariental, das halte ich für weitaus wertiger und verlässlicher.
lg c.kulinator

Missbrauch melden!   Bitte einloggen, um zu bewerten!  
Hans Martin Gesellmann

@Gast: Jahrgangsunterschiede sind doch nicht schlecht, oder?

Ich kann nur die vielen Blindverkostungen erwähnen, bei denen Hallebühl oder auch andere Zweigelt-dominierte-Cuvées die ach so gelobten BF Wein klar distanziert haben, speziell bei solchen, die Zweigelt genauso meiden, wie der geschätzte Autor dieses Berichtes oder der Teufel das Weihwasser :)

@Triebaumer Weine: bitte kommen Sie mir hier nicht mit Verlässlichkeit! Gerade beim Mariental hat sich der Stil deutlich gewandelt! Ich hab diese Vertikalen von 87 bis aktueller Jahrgang ja doch schon einige Male mitgemacht und kenne den Winzer mittlerweile auch recht gut... Die Weine sind teilweise grandios, aber bei weitem nicht alles...

beste Grüße,

Missbrauch melden!   Bitte einloggen, um zu bewerten!  
Matrose Clemens

ich kann mich den worten hans martins nur anschließen! um gottes willen zum glück ist jeder jahrgang anders - wenn jeder marienthal gleich wäre - was hätte er uns denn noch zu offenbaren - auch ich habe vertikalen dieses weins mitgemacht, hab selbst noch 86er im keller, liebe ihn und muss trotzdem feststellen dass es jahrgänge wie 92 gibt die keinen großen spaß mehr machen.
wo passiert denn gerade ein hype? ich würde eher sagen dass es trotz dieses hypes meistens nur ein blaufränkischer ist und das blaufränisch wie alle sorten (und wirklich alle!!) einfach nur eine durchschnittssorte bleibt die international wie alles aus österreich ein hoch durchlebt und auch wieder weniger trendy sein wird um dann wieder mehr geschätzt zu werden usw.. die einzigen die glauben dass ihr blaufränkischer so grandios ist sind doch wir österreicher selbst und wir tun es zurecht - trotzdem wäre es angebracht die kirche im dorf zu lassen und nicht zu erwarten oder gar zu hoffen dass die lage dürrau (ist mir als erstes eingefallen!) die nächste la tache und der loibenberg (detto) der nächste scharzhofberg ist. freuen wir uns doch einfach darüber guten wein (welcher auch immer) trinken zu dürfen.. Prost!

Missbrauch melden!   Bitte einloggen, um zu bewerten!  
Hans Martin Gesellmann

Lieber Clemens! Sorry, Blaufränkisch IST eine große Sorte! Sie kann nämlich ihr Terroir transportieren! Wahr ist, das sie wahrscheinlich auf relativ wenige Gebiete beschränkt bleiben wird, aber das ist doch beim Nebbiolo auch so :)

Missbrauch melden!   Bitte einloggen, um zu bewerten!  
Christian Segers (via facebook)

...diese rebsorte hat felix austria sich verdient ! / -)) !!

Missbrauch melden!   Bitte einloggen, um zu bewerten!  
Daniel Gahleitner (via facebook)

Tschida ist doch Süßweinkaiser?

Missbrauch melden!   Bitte einloggen, um zu bewerten!  
Matrose Clemens

Es sind derer (Tschidas) mehrere. Christian Tschidas Sortiment ist ein eher straffes, Rotwein dominiert. Der Winzer ist für seinen kompromisslosen Hang zur Qualität bekannt und nebenbei auch Präsident des "Club Batonnage" (Mitglieder sind u.a. Gerald Kracher, Erich Scheiblhofer und Markus Altenburger), die gemeinsam den "Batonnage" (ein österreichischer Kultwein der in kleinsten Mengen hergestellt wird) produzieren.

http://www.batonnage.com

Missbrauch melden!   Bitte einloggen, um zu bewerten!  
Thomas H.

Also ich kann Hans Martin Gesellmann nur recht geben und bestätigen.
Aber nicht nur Hallebühl ist meist grandios, auch andere Zweigelts (zB: aus Carnuntum oder auch Leth´s Gigama, und auf Pöckl sollte man auch nicht vergessen) sind wunderbar. Aber mir scheint derzeit ist eben der Blaufränkische mehr in Mode.
Ja, Tschidas gibt es mehrere und zu Batonage: hatte ihn einmal im Glas (blind), mein erster Eindruck: Marmelade aus Australien. Kann aber jetzt nicht mehr sagen welcher Jahrgang und ob sich das jetzt geändert hat. Mein Ding ist das jedenfalls nicht. Und ich denke es ist ein wenig übertrieben zu sagen dies sei ein Kultwein (nur weil es wenige Flaschen davon gibt und dafür eine Menge Geld verlangt wird!).
Aber es wird schon ein paar geben die auch sowas kaufen.

Missbrauch melden!   Bitte einloggen, um zu bewerten!  
Matrose Clemens

Man muss allerdings dazu sagen dass Tschidas Weine nichts mit dem Batonnage zu tun haben - im Gegenteil - Tschidas Wein ist wie schon erwähnt von schlanker Struktur die sich am Gaumen mächtig entwickelt und (wegen der Säure) einen wunderbaren Trinkfluss hat - alles Attribute die auf den "fetten" Batonnage mit 15 % nicht zutreffen - "Tschida Illmitz" hat nicht mal 13 %, trotzdem Substanz und ist das genaue Gegenteil von Marmelade!!! Einfach probieren..

Missbrauch melden!   Bitte einloggen, um zu bewerten!  
Der Captain (unterwegs)

Kann das bestätigen, gestern hier in Berlin nachgetrunken..

Missbrauch melden!   Bitte einloggen, um zu bewerten!  
Lüder Machold ?!

Es ist eine interessante und spannende Diskussion, ob und wenn, warum Zweigelt die weniger hochwertige autochtone Rebsorte Österreichs ist als der Blaufränkisch.
Letzten Endes wird es so einfach auch nicht zu beantworten sein, da Geschmäcker ja bekanntlich so verschieden sind...Aber es ist einfach so, dass weingeschichtlich der Blaufränkisch in Österreich - sicher auch zum Teil durch die Altweinlegende des Mariental 1986 vom E.T. - als besonders hochwertig und lagerfähig gilt. Der Zweigelt hingegen ist eher eine Rebsorte, die viel Ertrag bringt, wenn man ihn lässt oder wenn die Rebstöcke nicht sehr alt sind und damit spanne ich nun den Bogen zu Christian Tschida und seiner Zweigeltinterpretation.
Wenn man einmal die Möglichkeit hatte, die Weingärten der Familie Tschida vor der Ernte zu sehen und sich bei den fast 40 jährigen Reben auf die Trauben konzentrieren konnte, wird auch einem unbefleckten Novizen aufgefallen sein, dass dort relativ wenig Beeren pro Traube zu finden sind, welche sich zudem noch sehr lockerbeerig und klein präsentieren, dass man fast Mitleid bekommen müsste, wollte man dem Winzer einen hohen Ertrag wünschen...
In jedem Fall bleibt klar, dass man Zweigeltreben entweder Ertragsbeschränkungen unterziehen oder sie sehr alt werden lassen muss, um das gewünschte Ergebnis zu erzielen. Von so einem geglückten Ergebnis kann man sich am besten überzeugen, wenn man sich eine Flasche Tschida Illmitz 07 nimmt, öffnet, sich ein Glas einschenkt und davon trinkt, dann wird man auch feststellen, dass hier eine ganz eigene, tiefgründige und vor allem sehr trinkfreudige und feinnervige Zweigeltinterpretation gelungen ist.
Daher, bevor man einen Zweigelt einfach nur, weil er ein Zweigelt ist, abqualifiziert, sollte er probiert werden, dann kann man immer noch, konkret und nicht pauschal, Kritik an dem üben, was man im Glas hat und einem eventuell nicht schmeckt!

Missbrauch melden!   Bitte einloggen, um zu bewerten!  
Hans Martin Gesellmann

Schwarz Rot hat auf jeden Fall seine Berechtigung, auch hier hat sich ja der Stiel des Weines recht interessant entwickelt!

Missbrauch melden!   Bitte einloggen, um zu bewerten!  

Kommentar hinzufügen


Neuen Kommentar schreiben
Der Inhalt dieses Feldes wird nicht öffentlich zugänglich angezeigt.

Sicherheitsabfrage
Matrose, beantworten Sie bitte die unten stehende Frage. Ihre korrekte Antwort behindert automatische Störporgramme gegen das Schiff.
Bild-CAPTCHA
Enter the characters shown in the image.
* = Pflichtfeld