Alle haben ihn, manche hassen ihn, viele lieben ihn, so manch einer braucht ihn. Zum Überleben. Die Rede ist von der österreichischen Traditionsrebsorte Zweigelt, die in den zwanziger Jahren des letzten Jahrhunderts tatsächlich von einem gewissen Dr. Friedrich Zweigelt aus den Sorten Blaufränkisch und Sankt Laurent gezüchtet wurde und heute Österreichs zweitwichtigste Rebsorte nach dem Grünen Veltliner ist. Eine Nationaltraube sozusagen.
Doch der Zweigelt beherrscht mehr als die Rolle des Austrobeaujolais: Alte, tiefwurzelnde Reben ergeben einen charaktervollen, extraktreichen Wein, der durchaus in der Lage ist zu zeigen, was er transportieren kann. Und trotzdem: Wäre ich vor kurzer Zeit noch zu einer Zweigeltverkostung geladen worden - egal von wem - ich hätte wahrscheinlich nicht einmal dankend abgelehnt. Wenn die Verkostung auch noch so genannte "extreme" Weine im Programm gehabt hätte, dann hätte mich die Vision des Grauens vom überholzten, pseudointernationalen Kirschmarmeladen-Wein bis in meine Träume verfolgt.
Also gar kein Zweigelt?
Falsch, denn ich hatte neulich eine nachhaltige Begegnung mit dem Winzer Christian Tschida. Der lebt in Illmitz, einem prominenten Weinort im österreichischen Burgenland. Und er keltert Zweigelt.
Weine aus Handarbeit
„Bei mir haben die Rebstöcke nichts zu lachen, sie sind in ständigem Konkurrenzkampf mit der Begrünung. So gesehen herrscht permanent Ausnahmezustand, denn künstliche Bewässerung gibt es keine" sagt Tschida (mit fast sadistischem Grinsen) und schenkt einen Schluck seines "Zweigelt 2007" ein. „Wollen die Stöcke den Kampf um Wasser und lebenswichtige Nährstoffe nicht verlieren", so Tschida, "dann müssen ihre Wurzeln in die Tiefe. Das Resultat sind kleine und konzentrierte Trauben, die auch bei Vollreife ihre Nervigkeit behalten."
Genau das schmeckt man. Es ist alles nachvollziehbar.
"Spontanvergärung?" frage ich.
„Was sonst?" sagt Tschida .
Die Reben für Tschidas Zweigelt sind knappe 40 Jahre alt. In diesem Alter tritt die Sorte allmählich in den Hintergrund, es geht in den verbleibenden Lebensjahren der Pflanze um den ganzen Weingartenkosmos an sich.
"Ich pfeif auf die weithin bekannte Sortentypizität!", sagt Tschida.
Querkopf quasselt?
Worte eines Querkopfs? Nein, eines genialen Querdenkers. Worte, die ich so ähnlich schon von der elsässischen Weinlegende Marcel Deiss hineingesagt bekam, der auch so ein Ausnahmewinzer ist.
Was sich da bei Tschida im Glas auftut, ist etwas Fremdes, etwas Packendes, etwas, was so noch nicht da war. Eine Frucht von kühlen Kräutern, die komplex und dunkelbeerig ist. Der erste Schluck ein Komplex aus eleganter Struktur und kraftvoller Finesse. Mit feinster Konzentration, die sich ganz nach hinten zieht und dort (ohne zu ermüden) hängen bleibt. Ich spüre das Verlangen nach der ganzen Flasche. Nicht ein Hauch von Marmelade, genial.
"Ja, das Zeug ist groß, das hat wirklich alles: Trinkvergnügen, Kraft, Finesse.", sage ich, mich nüchtern denkend, im Versuch, meine sich ansammelnde Euphorie zu bändigen. Dann wird die Flasche leer. Schnell.
- Tschida 2007 von Christian Tschida in Illmitz. Die Fakten: 100% Zweigelt, 28 Monate in Holzfässern (500 und 1.000 Liter), 13,00 % Alkohol für 33,00 Euro (also nicht günstig, aber wertvoll) ab Weingut
- Falls ausverkauft, dann für 45,00 Euro im Weinshop Wagner
Der Captain empfiehlt außerdem auch noch weitere hervorragende Weine aus seiner Heimat Österreich.







Na? Was soll aus den Beeren einmal werden? 





Der Herr hat wohl noch nie alte Ried Hallebühls getrunken, oder?
Über Schwarz Rot kann man dieskutieren, aber ein interessanter Wein ist er auf jeden Fall.
Der Zweigelt von Christian Tschida ist wirklich sehr gut, aber er macht ihn ja auch schon ein paar Jahrgänge lang so und nicht erst jetzt...
Blaufränkisch ist glaube ich schon die wertigere Sorte, aber Zweigelt als so unnütz abzutun finde ich doch etwas überheblich...
naja, wie gesagt sollte der Herr mal Hallebühl 92 trinken und sich dann weiter äussern...
beste Grüße,