14.04.11 WEINE 0 Einem Freund senden

Steil und heiß: Douro rot und trocken

Die Trauben muss man treten. Einmaischen à la Douro...Die Trauben muss man treten. Einmaischen à la Douro...

Stundenlang geht es nur bergauf. Vom Flussufer ist man schon ein Stück weit weg gekommen, doch die Hitze schlägt aufs Gemüt. Noch etwa dreihundert Meter sind zu bewältigen, dann kommt man müde und verschwitzt auf der Kuppe an. Normalerweise macht dem erfahrenen Maat so ein Hügel nur wenig aus. Doch hier raubt er alle Kraft. Das liegt auch an der unglaublichen Hitze, die es in dem Tal schon im April haben kann. 28 Grad Celsius - Wahnsinn! Und Regen ist auch schon länger keiner gefallen. Das sieht man an den Böden, die an einigen Stellen sehr trocken sind.

Endlich oben angekommen, hat man einen sehr schönen Blick ins Tal hinunter. Und man sieht weit über den Fluss, der sich in Schlangenlinien durch die Landschaft zieht. Links und rechts an den Hängen der Hügel sind nur Weingärten zu sehen, unterbrochen durch ein wenig Wald. Wir sind im Douro, Portugals schönstem Weinbaugebiet. Ach was, eines der schönsten Weinbaugebiete der Welt.

Trauben, die keiner kennt

Hier wachsen die meist autochthonen Trauben der besten Portweine der Welt. Hitze an einem Flussbett - das ist die beste Voraussetzung für süße und edelsüße Weine. Diese Portweine werden beim Stoppen der Gärung noch ordentlich mit Alkohol gespritet und liegen dann oft jahrelang im Fass herum. In diesem schönen Gebiet wird schöner Weinbau praktiziert, romantischer Weinbau, romantisch überfrachteter Weinbau. Doch es geht auch anders.

Und es geht auch trocken. Und es geht nur mit Handarbeit. Anders können die Weingärten hier gar nicht bearbeitet werden. Rauf, runter, schneiden, ernten. Alles mit der Hand. Noch sind die Löhne in Portugal niedrig genug, dass sich diese Mühsal nicht auf den Preis der Weine niederschlägt.

Wichtigste Rebsorte hier ist die Tinta Barroca. Eine blaue Traube, die auch eine der wichtigsten Sorten für Portwein ist. Sie liebt trockene Böden, wurzelt tief und ist ein Teil der Malvasia-Familie, die man in Südeuropa und Südosteuropa häufig antrifft.

Der Wein wirkt völlig unberührt

Und die Tinta Barroca ist auch eine der wesentlichen Sorten der Cuvée „Quinta da Esteveira", eine preiswerte Douro DOC-Reserva aus dem Jahre 2005. Der Wein wirkt völlig unberührt, als hätte man ihn einfach gemacht. Einfach so nebenher. Und so ist es auch. Die Trauben, so kann man nachlesen, wurden runtergeholt, mit den Füßen eingemaischt und dann spontan vergoren. Die Säfte aus Touriga Francesca, Tinta Barroca und Tinta Roriz wurden dann mehr oder minder zufällig cuvéetiert und - gemeinsam statt einsam - im milde getoasteten, meist gebrauchten Eichen- oder Kastanienfass in Ruhe gelassen. Handwerk, wie man es jedes Jahr macht. Ohne große Idee. Gut genug. Früher für die Nation. Jetzt für die Welt.

Im Glas ein dunkler, ein sehr dunkler und fast schon undurchsichtiger Wein. Undurchsichtig, wie die rote Tinte Napoleons, mit der er seine Kriegserklärungen unterschrieb. In der Nase zuerst Holunder, Zwetschken und frische Brombeeren. Dahinter zarte Fliedernoten und etwas Jasmin. Elegant und saftig. Am Gaumen eine mineralische Struktur, Erde und nasser Stein. Und auch Frucht, die von seidig wirkenden Tanninen gestützt wird. Obwohl der Wein schon fünf Jahre alt ist und nicht als Langstreckenläufer konzipiert wurde, kann er noch etwas liegen. Und er gibt Einblick, was man im Douro machen könnte, würde die ganze Welt nicht Portwein wollen.

  • Quinta da Esteveira Biowein Douro DOC Riserva 2005 für 9,45 Euro bei Mattheis


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