19.02.11 WEINE 9 Einem Freund senden

Chianti: Günthers italienische Reise

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Toskana, trüber Winter 2011. Ich bin in die Toskana gefahren, um hier ein paar der besten Chiantis zu kosten, die demnächst auf den Markt kommen. Also die Jahrgänge 2009 und 2008 (Riserva). Das ist hier gute Sitte, man zeigt den Leuten, was man im Keller hat. Bevor es ausgeliefert wird. Der reguläre Chianti wird frühestens am 1. Oktober des Folgejahres vermarktet, auf die Riserva muss man noch ein weiteres Jahr warten. Die aktuellen Jahrgänge 2009 und 2008 gelten im Chianti Classico als ordentliche bis sehr gute Jahrgänge, wobei mir einige Weine aus 2009 doch recht glatt wirkten. Viele Weine aus dem Chianti Classico sind nach wie vor für einen internationalen Markt gemacht, auch wenn es weiterhin Traditionalisten gibt, die mit 100 % Sangiovese sehr individuelle Weine machen.

Verwunderlich ist der moderne Stil beim Chianti Classico also nicht. Jede vierte Flasche geht in die USA. Und die stehen da drauf. Jede vierte Flasche: das ist fast so viel, wie in Italien selber bleibt. Und jede achte Flasche Chianti Classico fährt nach Deutschland. Tendenz steigend. Ich habe etwa 300 Chiantis gekostet und drei Empfehlungen herausgesucht. Keine großen Überraschungen, keine neuen Produzenten. Sondern Modernes, das auf Altbewährtem fußt. Auf jeden Fall drei Weine zum Vormerken.

Moderner Kultwein

Meine erste Empfehlung kommt aus dem aktuellen Jahrgang 2009. Es handelt sich um den Chianti Classico von Querciabella, ein Kultweingut, biodynamisch und modern, voller Gutverdiener-Mainstraem. Der Wein zeigt ein leicht trübes helles Rubin im Glas. In der Nase eine sehr schöne Mon Cheri-Kirsche, später in trauter Heirat mit einem warmen Vanille-Pudding. Am Gaumen ist der Chianti von Querciabella eher leicht und von einer erfrischenden Säure geprägt. Danach etwas Schokolade und ein guter Nachhall. 5 % Cabernet-Sauvignon impfen den Sangiovese mit etwas Kraft. Ungefährer Verkaufspreis: 15 Euro. Etwas für jeden Tag.

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Kommentare 9

Kommentare

Jacob Schmalz erheitert

"angenehm unaufgeregten Blog " eine sehr vornehme Umschreibung für stupende Langeweile ...

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Der Captain

Wenn Sie sich noch einmal über den Krawall am Schiff aufregen, Matrose Schmalz, dann setzte ich Sie auf den Osterinseln aus. Ohne einen Tropfen. Und in Begleitung Ihres Radaubruders aus Hamburg..

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Jacob Schmalz

Moin, moin lieber Captain!
Zu ihren Einlassungen darf ich folgendes feststellen:
1. Ich habe mich nicht aufgeregt. Aufregung sieht beim gewiss anders aus.
2. Ich habe festgestellt, dass ich den Blog von Thomas Günther langweilig finde. Diese Feststellung dürfte im Rahmen der Meinungsfreiheit abgedeckt sein.
3. Ich werde für diese Meinungsäußerung in Verbindung mit einem nicht näher bezeichneten „Radaubruders aus Hamburg“ gebracht. Meine Erfahrung lässt mich vermuten, dass damit der Leichtmatrose Scheuermann gemeint ist. Wer mich kennt weiß, mit ihm verbindet mich ganz gewöhnlich Hass. Wobei er mich mehr hasst, als ich ihn. Weil ich weiß, Hass macht hässlich.
4. Captain scheint etwas dünnhäutig zu sein. Vermutet er doch hinter jedem Busch einen Feind der christlichen Seefahrt.
5. Ich rate dem Captain sich einen guten Riesling zu öffnen, und sich entspannt zurück zu lehnen.
6. Sollten in dieser Erwiderung irgendwelche Ungereimtheiten enthalten sein, so liegt es gewiss an 12 BDX und 4 Süßweinen.

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Der Captain

12 BDX!! Du meine Güte..

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Jacob Schmalz fast ausgeschlafen

.. ja 12, aber nicht alleine ...

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Thomas Günther ausgeglichen

Kurzweilig und Entertainment soll weinverkostungen.de nicht sein. Dafür gerne auch mal hintergründig und ausführlich. Es mag gefallen oder auch nicht. Ich denke jeder findet seinen Platz und alles genauso wie andere zu machen, ist eher einfältig als intelligent.

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Michael Liebert irritiert...

Irgendwie ist mir jetzt unklar, was Dir nun schmeckt, lieber Günther? Zuerst die üblichen Tiraden, dass die Chianti immer glatter und internationaler werden (Chianti Classico ist in der traditionellen Sichtweise, nie zu 100% aus Sangiovese...) und dann empfiehlst Du genau diese amerikanisierten Chianti Classico?

Der Wein von Querciabella ist große Klasse, aber kein Chianti Classico. Volpaia ist wirklich ein tolles Dorf, Ensemble oder wie man das nennen will. Auch der Wein wird langsam wieder ganz interessant, aber wie Du selbst sagst, mit Hilfe von Syrah!!! Und bei Castellare schreibst Du ja selbst, dass das Zeug in erster Linie in die USA verkauft wird...

Ich glaub, ich muss mich mal hinsetzen und ein paar Tipps zusammen suchen, die wirklich Chianti Classico trinken wollen. Chianti, wie ich sie mag...

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Dieter Bachmann irritiert

So seh ichs auch Herr Liebert, in Chianti gehört weder Cabernet, noch Merlot und auch kein Syrah rein. Das Zeug mag guter Wein sein und sich gut verkaufen, hat aber mit Chianti und Toskana soviel zu tun wie Aldi-Mozzarella.
Wein ist schliesslich ein Kulturprodukt und ein bischen soll man die Herkunft schon rausschmecken.
Ein Chianti aus 100% Sangiovese ist sicher auch nicht im Sinne Ricasolis. Aber hier gibt es viele Weine die zeigen, dass das vielleicht nicht die Tradition, vielleicht aber die Zukunft des Chiantis ist.

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Thomas Günther beruhigt

Lieber Michael,
für Dich bin ich immer noch Thomas ;-) . Triaden sehe ich da nicht. Das Gebiet Chianti Classico hat eine sehr gute Regelung mit den 80% Sangiovese. Und sonnst nur rote Sorten. Das macht man seit 2006. Vollkommen richtig ist das gewesen. Da kann man über 5%Syrah nicht meckern. Der ist auch nicht bei jedem Volpaia drin. Zudem gibt es viele andere Regelungen, die dazu führen, dass Chianti Classico dem Endverbraucher im Schnitt das doppelte eines Chianti wert ist.

Ich habe mich ganz anders zum Rosso di Montepulciano gäußert: http://weinverkostungen.de/vino-nobile-bald-auch-andere-rebsorten-als-sa... Dort habe ich mich aber eben ganz bewußt positiv auf Chianti Classico bezogen. Es ist so, dass die Flächengröße und ebenso natürlich die Menge des Ausstoßes einen größeren Geschmackskorridor nicht nur erzeugen, sondern auch benötigen. Das ist beim Vino Nobile anders. Hier benötigt man eine größere Wiedererkennbarkeit.

Alle drei Weine gefallen mir, obwohl sie unterschiedlich sind. Purist, Traditionalist und global orientiert. Wieso denn nicht? Das Gebiet schreibt es in einer aktuellen Marketingbroschüre so: Tradition von heute aus interpretieren. Das sagen zwar fast alle von sich. Die 100%igen Sangiovese gibt es in anderen Gebieten Mengenmäßig doch zur Genüge. Und man denke doch mal wenige Jahre zurück, als Merlot im Brunello gewesen sein soll. Es scheint doch Käufer für so etwas zu geben; genauer meinen das offensichtlich einige Erzeuger.

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