03.09.10 WEINE 8 Einem Freund senden

Lieber Rotwein als bald tot sein

Spokesperson Reinhold Krutzler waiting, dass die Ernte begins...Spokesperson Reinhold Krutzler waiting, dass die Ernte begins...

Wir alle müssen Geld verdienen. Der Captain verdient sein Geld mit Werbung. Wie jedes anderer gute Medium auch. Der Captain hat gleich beim Stapellauf des Schiffes klar gemacht, dass er zwei Sachen nicht an Bord haben will. Erstens: Werbepartner, die schlechte Weine verkaufen. Zweitens: Dass er mit seinen Weintipps Geld verdient, also sich von Winzern und Händlern für konkrete Ansagen bezahlen lässt. Nur so kann das Schiff ohne Einfluss manövrieren. Da waren alle einer Meinung.

In den letzten Wochen sind sehr viele neue Matrosen auf das Schiff gekommen. Und deswegen muss der Captain nun öfter mal aufs Neue betonen, dass er an keiner verkauften Flasche, an keiner Empfehlung, die er gibt, auch nur einen Cent verdient. Auch wenn er Weine empfiehlt, die seine Werbepartner anbieten.

Deswegen kann der Captain nun auch eine Geschichte wie diese schreiben. Und vier Tipps geben. Vier Tipps für günstige Rotweine, die der Captain bei seinem Werbepartner Wein&Co gefunden hat. Der senkt gerade die Preise für ein paar österreichische Rotweine, die seinen Keller vollstellen.

Der Captain ist Konsument, wie jeder andere Weintrinker auch. Und hat sich vier Flaschen ausgesucht, die er jedem empfehlen kann.

  • Zu Beginn den Aconit 2007 von Anton Schöfmann aus dem Weinviertel. Vor 20 Jahren gab es keinen Rotwein aus dieser Region, der irgendwie trinkbar gewesen wäre ("Deckung", schreit der Erste Offizier, "der Alte kramt wieder seine Pauschalurteile hervor"). Das hat sich Dank Klimaerwärmung und neuer Winzer fundamental geändert. Doch sind die Rotweine aus dem Weinviertel auch heute noch eher auf der Frucht gelandet. Und nicht in der Breite. Deswegen soll man den Aconit (was für ein verkorkster Name, klingt wie ein Putzmittel) etwas kühler trinken. Bei etwa 16 Grad. 2007 war ein gutes Jahr, die Cuveé hat Zweigelt, Pinot und St. Laurent im Saft. Viel rote Beeren, verhalten auch etwas Erde, auch Teer und kubanischer Tabak einer zerstörten Zigarre; einer Montecristo, die vor dem Anzünden zu Bruch gegangen ist. Schon jetzt gut zu trinken, kann aber auch noch 2-4 Jahre liegen. Jede Wette, dass er dann noch interessanter wird. Im Angebot für 9,99 Euro.
  • Der klassische Blaufränkische 2009 von Reinhold & Hermann Krutzler aus Deutsch-Schützen im Burgenland. Der Captain konnte sich vor Ort wiederholt überzeugen, dass diese klassischen Blaufränkischen, die nur das große Holzfass gesehen haben, in guten Jahren unglaublich langlebig sind. Soll heißen: Der Captain empfiehlt, diesen kräftigen und fruchtigen Wein, der seiner Meinung nach noch zu viel Säure hat, ein paar Jahre wegzulegen. Und sich dann zu wundern, wie lange diese günstigen Weine halten. Und wie gut sie alt geworden schmecken. Im Angebot für 11,63 Euro.
  • Wir bleiben gleich bei diesem Phänomen der Langlebigkeit burgenländischer Weine, denn das Wunder gilt auch für die Cuveé "Phantom" 2008 des Weinguts Kirnbauer in Deutschkreutz. Der Blaufränkische hier kriegt noch Merlot und Cabernet-Sauvignon als Partner ins Fass (2009 auch Syrah); die Familie Kirnbauer ist Experte in Sachen Barriquefässer. Experte heißt auch, dass sie genau weiß, wie man das Holz dosiert. Der Captain trinkt den Phantom immer etwa 8-10 Jahre nach seiner Flaschenfüllung. Und wurde nie enttäuscht. Im Alter kann der Phantom mit manchem teuren Bordeaux spielend mithalten. Im Angebot für 22,99 Euro.
  • Josef Lentsch hat ein Wirtshaus. Ein gutes Wirtshaus. Ein Wirtshaus, wie es im Norden Deutschlands fehlt. Den Captain wundert immer, wieso keiner hier ein Wirtshaus aufmacht? So eines, wie das vom Lentsch. Das müsste doch gehen? Josef Lentsch hat ein Wirtshaus. Und eigene Weine. Und als alle rings um ihn nur Blaufränkisch, Cabernet und Welschriesling auspflanzten, setzte er die komplizierten Sorten Grauburgunder und Pinot-Noir in seine Gärten. Ein Aussenseiter. Und weil das Wirtshaus super läuft und Geld verdient, übertreibt Lentsch seit jeher nicht mit den Preisen für seine stets erstklassigen Weine. Er ist das, was man einen anständigen Winzer nennt. Die Cuveé Rot 2009 von Josef Lentsch (aus viel Pinot-Noir und einigen Liter Zweigelt) wurde kurz vom Fass geküsst und bleibt schlank und fruchtig, ohne im Nachhall auszulassen. Viel Kirsche, etwas Vanille, etwas Kaffee. Und Schokolade. Im Angebot für 9,69 Euro. Auch hier rät der Captain, den Wein erst in zwei bis vier Jahren zu öffnen.

Alle diese Tipps sind Tipps für diesen Herbst. Jetzt kaufen. Aber jetzt nicht trinken.

Der Captain empfiehlt außerdem noch andere günstige Weine. Oder möchten die Matrosen lieber mehr über Weine aus Österreich erfahren?



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Kommentare 8

Kommentare

Florian Holzer (via facebook)

das mit weinviertel und rot und vor 20 jahren kann ich so nicht ganz stehen lassen. malteser ritterorden "kommende mailberg" (c/o lenz moser) war für damalige verhältnisse eigentlich ganz schön okay.

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Michael Pronay

Kann ich nur unterschreiben. Der 1985er war sogar Falstaff-Rotweinsieger, wenn mich mein Gedächtnis nicht täuscht. Ist also schon ein Vierteljahrhundert her . . .

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Stephan Lappas (via facebook)

So, da habe ich doch direkt mal einen 2007er Heideboden vom Nittnaus aufgemacht bevor mir noch was passiert ;-)

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Frank Seiffahrt (via facebook)

auch werner zull's rote waren für damalige verhältnisse recht ok (meine ersten weinviertler roten überhaupt)

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Gerald Schuster (via facebook)

‎"Aconit" halte auch ich für keinen sehr passenden Namen für einen Rotwein. Aconit (oder Eisenhut, botan. Aconitum) mit dem Alkaloid Aconitin ist die giftigste Pflanze Europas, bereits wenige Gramm der Wurzel sind tödlich. Fehlt nur noch ein Totenkopf als Logo auf dem Weinetikett :-)

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