"Modischen Trends folgen wir nicht". Steht da. Auf der Homepage des Weinguts Dr. Wehrheim. Aus Birkweiler. In der Pfalz. Modischen Trends folgen wir nicht. Wie wahr. Aber man folgt der Moderne.
Der Spätburgunder 2005 Kastanienbusch vom VDP-Weingut Dr. Wehrheim ist ein hervorragendes Beispiel wie weit Deutschland als Rotweinland gekommen ist. Nahe dem Olymp. Noch vor Jahren wurden deutsche Rotweine auch im eigenen Land verlacht. Das oft nicht ohne Grund, es waren meist säuerliche und kraftlose Plörren, die von jedem Italiener mühelos vom Spielfeld geschossen wurden. Deutscher Weißwein war in dieser Epoche schon ganz schön weiter, der Riesling feierte gerade seine Auferstehung. Doch deutscher Rotwein? Undenkbar.
Ein solches Pauschalurteil war freilich schon damals Unsinn. Deutscher Rotwein war immer für Überraschungen gut. Es kam auf den Winzer an. Und wie weit er in der önologischen Moderne verankert war. Die meisten Weinbauern waren jedoch weit davon entfernt, internationalen Standards zu genügen. Gestern.
Deutscher Rotwein ist Weltspitze. Wenn der Winzer will
Heute kann deutscher Rotwein mühelos mit der Weltspitze mithalten. Das ist nicht nur bloß Gerede, das ist Teil einer neuen Wahrheit. Und wahr ist auch, dass man in Deutschland für wenig Geld gute deutsche Rotweine bekommt. Bessere Rotweine, als aus Italien. Oder Frankreich. Ja, Frankreich, das Land, dessen Winzer sich auf Nation und Tradition berufen. Und jede Investition scheuen. Frankreichs Winzer sind die großen Verlierer (darüber morgen mehr beim Captain).
Doch kommen wir zum Wein der Woche, zu diesem Kastanienbusch 2005 von Dr. Wehrheim, ein Wein, der manchen teuren Burgunder in den Schatten stellt.
Ein Spätburgunder der neuen Zeit. Tradition. Hart attackiert von der Moderne.
Im Glas ein dunkler Saft, sehr dunkel für einen Spätburgunder. An den Rändern eine leichte Aufhellung hin zur Kirsche. Kaum Schlieren, der Wein findet nach der Glasbewegung ohne Umwege in das Gefäß zurück. Mit 14 % Alkohol aber kein dünner Wein, kein Mittagsgetränk (außer man will danach in die Waagrechte fallen).
In der Nase Cassis, Kirsche, Heinz-Ketchup, Rauch (vom Holz, der Wein lag drei Wochen auf der Maische und danach lange Monate im Barrique). Dann etwas Teer, etwas Reisekoffer aus Metall (das Innere eines neuen Rimowa oder Halliburton), etwas Blue-Jean-Stoff (Mineralik). Dann auch das Innere eines neuen Crockett & Jones-Stiefel, Rindsleder, Schuhpolitur.
Weglegen. Und alt werden lassen. Aber vorher nicht sterben bitte
Jetzt dekantieren. Nach dreißig Minuten ein voller Schub Früchte. Cassis überwiegt, dann Brombeere, Schwarzbeere, etwas feuchte Wiese, etwas Rauch. Immer noch. Das Holz verzeiht sich nicht, bleibt aber stets elegant. Klares Anzeichen für ein langes Lagerpotential. Feste Tannine, stabile Säure, große Nase, schon jetzt ist klar: Ein Bombenwein.
Im Mund dann die Bestätigung. Dicht, voll, rund, perfekt. Einzig das kleine bisschen Überholzung stört. Aber, wie gesagt, das ist ein Wein zum Weglegen, ein Wein mit gewaltigen Potential, der Capain schätzt jenes weit höher, als die vom Weingut angegebenen 15 Jahre. Dieser Wein muss in einem Evidence-Sack (CSI) in den Keller gelegt werden. In zwanzig Jahren öffnen. Und schon deswegen so lange am Leben bleiben. So lange leben, umn den Wein in seiner Perfektion zu erleben. Das ist unsere Aufgabe. Die Partei verlangt das.
- Spätburgunder Kastanienbusch 2005 Großes Gewächs vom VDP-Weingut Dr. Wehrheim (noch mehr Infos: hier) für 44,90 Euro bei Belvini (nicht billig, aber jeden Tropfen wert).
Der Captain hört: Hier ist der Beweis von Tocotronic







Birkweiler im Gegenlicht... 



gibts in österreich auch weingüter, die den 'doktor' im namen führen? ing hab ich schon gesehen, aber dr ?